Lionel Messi zählt zu den besten Fußballern der Geschichte, spielerisch ist er für viele unerreicht. Der 30-Jährige hat mit dem FC Barcelona alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Doch Messi ist unvollendet. Ein Titel mit der Nationalmannschaft fehlt in der Sammlung des Argentiniers. Trotz 64 Toren und 43 Assists in 122 Partien wartet der Kapitän auf den großen Coup.

Die Uhr tickt

Dreimal standen die Südamerikaner und Messi bei den vergangenen Turnieren denkbar knapp vor der Krönung. Im WM-Finale 2014 war in der Verlängerung gegen Angstgegner Deutschland Schluss, in den Endspielen der Copa América 2015 und 2016 im Elfmeterschießen gegen Chile.

Nach der zweiten Pleite im Kontinentalduell trat Messi zurück. Auf dem Platz wurde man den Eindruck nicht los, der Linksfuß müsse die Partien im Alleingang entscheiden. Messis Teamkollegen verließen sich wie ganz Argentinien auf ihren Superstar. Ein immenser Druck. Nur kurze Zeit später kehrte La Pulga zwar zurück, doch die Uhr tickt.

Allzu viele Möglichkeiten bieten sich der Generation rund um Messi, der während des Turniers seinen 31. Geburtstag feiert, nicht mehr. Die Albiceleste treten mit einem Durchschnittalter von 29,3 an. Nur drei Akteure im 23-Mann-Kader sind jünger als 25, viele wichtige Stammspieler sind über 30. Und auch die WM-Quali gab wenig Anlass zur Hoffnung. Erst am letzten Spieltag löste Argentinien das Ticket für Russland. Kurzfristig müssen zudem Stammkeeper Sergio Romero und Manuel Lanzini ersetzt werden.

Superstar bleibt daheim

Freiwillig zuhause lässt der zweimalige Weltmeister dagegen Mauro Icardi. Der Mittelstürmer erzielte gemeinsam mit Ciro Immobile die meisten Treffer in der abgelaufenen Serie A-Saison. 29 Mal netzte Icardi – zu wenig für eine Berufung in den WM-Kader. Sergio Agüero (Manchester City) und Gonzalo Higuaín (Juventus Turin) erhielten den Vorzug.

Trainer Jorge Sampaoli, der auch Juve-Star Paulo Dybala lange zittern ließ, begründet, sein System nicht an einzelnen Spielern ausrichten zu wollen: „Seine Situation ähnelt der von Dybala. Wenn man seine Leistungen in Mailand mit denen bei der Nationalelf vergleicht, schneidet er nicht gut ab. Daran müssen wir arbeiten, aber wir haben einfach nicht genug Zeit. Das Zusammenspiel der Mannschaft muss wichtiger sein.“

Manch einer sieht in Sampaolis Prinzipien einen Ritt auf der Rasierklinge. Andererseits ist die hochkarätige Offensivfraktion wohl das geringste Problem der Albiceleste. Eher drückt der Schuh im Defensivbereich, das Prädikat Weltklasse findet sich nur im Angriff. Zu den absoluten Topfavoriten zählt Argentinien diesmal nicht. Umso mehr ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation deshalb erneut auf den Schultern von Lionel Messi.

Mögliche Aufstellung

Das Programm in Gruppe D

16. Juni, 16:00 Uhr: Argentinien - Island
21. Juni, 20:00 Uhr: Argentinien - Kroatien
26. Juni, 20:00 Uhr: Nigeria - Argentinien

Der Kader

Tor: Franco Armani (River Plate), Nahuel Guzmán (Tigres UANL), Willy Caballero (FC Chelsea)

Abwehr: Nicolás Otamendi (Manchester City), Marcos Rojo (Manchester United), Federico Fazio (AS Rom), Nicolás Tagliafico (Ajax Amsterdam), Christian Ansaldi (FC Turin), Gabriel Mercao (FC Sevilla)

Mittelfeld: Lucas Biglia (AC Mailand), Javier Mascherano (Hebei China Fortune), Giovani Lo Celso (Paris St. Germain), Éver Banega (FC Sevilla), Marcos Acuña (Sporting Lissabon), Maximiliano Meza (Club Atlético Independiente), Enzo Pérez (River Plate)

Angriff: Lionel Messi (FC Barcelona), Ángel Di María (Paris St. Germain), Eduardo Salvio (Benfica Lissabon), Cristian Pavón (Boca Juniors), Paulo Dybala, Gonzalo Higuaín (beide Juventus Turin), Sergio Agüero (Manchester City)