BVB: Innenverteidiger-Notfallplan geglückt – aber reicht das?

Der Oktober war für die Dortmunder Defensive ein Monat der Entscheidung. Und bis auf einen Ausrutscher bewährten sich Lucien Favres unterschiedliche Notfallpläne. Im November wird sich die Lage nun entspannen. Aber ist die dünne Personaldecke ausreichend für das Saisonfinale im kommenden Jahr?

Michael Zorc ist Manager des BVB
Michael Zorc ist Manager des BVB ©Maxppp

Viel wurde in den vergangenen Wochen über den Abwehrnotstand von Borussia Dortmund diskutiert. Die mediale Spannweite reichte von Zweifeln an den schwarz-gelben Notfallplänen bis hin zu Vorwürfen an Sportchef Michael Zorc, er hätte auf dem Transfermarkt gepennt.

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Lage entspannt sich

Aus dem Gröbsten ist der BVB mittlerweile raus. Manuel Akanji (25) feierte bereits am vergangenen Wochenende sein Comeback und präsentiert sich nach überstandener Corona-Infektion in starker Verfassung. Und auch beim langzeitverletzten Dan-Axel Zagadou (21) zeichnet sich eine Rückkehr im November ab.

Aufatmen wird vor allem Trainer Lucien Favre. Der Übungsleiter musste phasenweise mit lediglich einem gelernten Innenverteidiger auskommen. Dass neben Abwehrchef Mats Hummels (31) Lukasz Piszczek (35) und Emre Can (26) auflaufen, ist längst mehr als eine Notlösung. Da Can in der Champions League aber gesperrt war und sich zu allem Überfluss auch das Coronavirus einfing, musste er durch Thomas Delaney (29) ersetzt werden. Der Däne überzeugte als Notnagel.

Da sich die Lage nun sichtlich entspannt, ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen. Allen Unkenrufen zum Trotz meisterte der BVB die Nagelprobe erstaunlich gut. Im Oktober ging nur der Champions League-Auftakt gegen Lazio Rom verloren (1:3). Im Olimpico di Roma war allerdings nicht die Not-Abwehr das alleinige Problem, vielmehr versagte der Vizemeister im Verbund.

BVB leistete Wiedergutmachung

Moralische Wiedergutmachung wurde am vergangenen Wochenende gegen Schalke 04 (3:0) geleistet, tabellarische am Mittwoch gegen Zenit St. Petersburg (2:0). Auch wenn beide Gegner nicht primär am Toreschießen interessiert waren, stand die Viererkette ausgezeichnet und vor allem Hummels verdiente sich Bestnoten. Die Offensive überzeugte bei den unzähligen Angriffsversuchen vor allem mit viel Geduld, die am Ende jeweils belohnt wurde.

Das von Favre ohnehin favorisierte 4-2-3-1 hat sich in den beiden zurückliegenden Spielen bewährt. Das gibt Favre die Möglichkeit, Can nach dessen Corona-Infektion wieder im zentralen Mittelfeld einzusetzen, wo er seine resolute Zweikampfführung deutlich kompromissloser ausleben kann.

Der Oktober könnte dem BVB im weiteren Saisonverlauf noch als gelungene Probe aufs Exempel dienen, falls es in der Abwehr doch nochmal eng wird. Denn dass es erneut zu einem Notstand kommen kann, ist nicht auszuschließen. Die Personaldecke ist und bleibt dünn. Ein oder zwei Ausfälle müssen direkt mit fachfremden Personal kompensiert werden.

BVB beobachtete neuen Innenverteidiger

Dass sich der BVB im Oktober mehr oder weniger schadlos gehalten hat, täuscht darüber nicht hinweg. Gut möglich also, dass sich Zorc auf dem Wintertransfermarkt umsehen wird. In der zurückliegenden Länderspielpause sollen Dortmunder Scouts das Polen-Debüt von Sebastian Walukiewicz laut ‚90min.de‘ unter die Lupe genommen haben. Der 20-jährige Innenverteidiger war bereits vor zwei Jahren vor seinem Wechsel zu Cagliari Calcio Thema am Rheinlanddamm.

Bei den Sarden steht der Stammspieler aber noch bis 2023 unter Vertrag. Entsprechend üppig würde die Ablöse ausfallen. Die Dortmunder Transferkasse war jedoch schon im Sommer leer. Ein November ohne Fans wird das Loch in den Bilanzen noch weiter aufreißen. Hohe Ablösen wird der BVB demnach im Winter nicht zahlen können. Sollte sich eine kostengünstige Alternative auftun, wird Zorc aber mit Sicherheit darüber nachdenken.

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