Bayer-Krise: Die vier Probleme von Leverkusen

Eigentlich wollte Bayer Leverkusen in dieser Saison Titel gewinnen, doch nun ist die Werkself früh im DFB-Pokal und der Europa League gescheitert. Die Probleme bei Bayer sind vielseitig und können nicht auf die Leistung von Trainer Peter Bosz heruntergebrochen werden.

Jonathan Tah nach dem Europa League-Aus von Bayer 04
Jonathan Tah nach dem Europa League-Aus von Bayer 04 ©Maxppp

Spätestens seit dem gestrigen Aus in der Europa League gegen Young Boys Bern (0:2) ist klar, dass Bayer Leverkusen in einer tiefen sportlichen Krise steckt. Peter Bosz steht nach Aussage von Sportdirektor Simon Rolfes aber nicht zur Diskussion. Wenn es nicht (nicht nur) am Trainer liegt, woran liegt es dann? FT hat vier Probleme der Werkself zusammengetragen.

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1. Verletzungspech

„In meinen 40 Jahren im Profi-Fußball habe ich das noch nie erlebt“, erklärte Peter Bosz jüngst, als er auf das Verletzungspech seines Teams in dieser Saison angesprochen wurde. In einer durch die Corona-Pandemie zusammengestauchten Spielzeit mit vielen Partien in kurzer Zeit hat zwar nicht nur Bayer mit Ausfällen zu kämpfen, die Werkself war jedoch von Saisonbeginn an besonders gebeutelt.

Die Verletztenliste unterm Bayer-Kreuz ist lang: Sven Bender, Lars Bender, Julian Baumgartlinger, Lukas Hradecky, Santiago Arias, Paulinho, Exequiel Palacios, Charles Aránguiz und Mitchell Weiser fielen alle im Saisonverlauf längerfristig aus oder fehlen nach wie vor.

Führungsspieler

Besonders die Ausfälle der Bender-Zwillinge und von Baumgartlinger, der in der Hinrunde die wohl beste Halbserie seiner Karriere spielte, haben die Werkself hart getroffen. Alle drei sind Anführer, Lautsprecher auf dem Platz und wichtig für die Mentalität der Truppe. Ersetzt werden können sie nicht. Aus der Riege der Führungsspieler ist zurzeit nur Kapitän Aránguiz einsatzbereit, läuft nach seiner schweren Achillessehnenverletzung aber seiner Bestform weit hinterher.

Ständige Umstellungen

Ein weiterer Grund, warum die Verletzungen Bayer besonders hart treffen, ist die Kaderstruktur. In der Werkself spielen vor allem Spezialisten, deren Stärken auf eine klar definierte Rolle zugeschnitten sind. Teilweise unterscheiden sich diese Stärken aber unter den Spielern einer Position stark. Beispiel Rechtsverteidigung: Bender, Timothy Fosu-Mensah und Jeremie Frimpong sind drei völlig unterschiedliche Spielertypen.

Fällt einer aus, muss Bosz also zwangsläufig sein System anpassen. Fallen ständig verschiedene Spieler aus, häufen sich diese Anpassungen so sehr, dass die spielerische Grundidee verlorengehen kann. In einer Saison mit vielen englischen Wochen kann das besonders problematisch werden, da es im Training nur wenig Zeit gibt, an den taktischen Umstellungen zu arbeiten.

2. Formschwache Flügel

Boszs System ist darauf ausgelegt, die Flügelspieler in möglichst viele Eins-gegen-Eins-Duelle zu bringen. Mit Leon Bailey und Moussa Diaby verfügt Bayer dort auch über Ausnahmekönner, die aktuell aber völlig überspielt und außer Form sind. Gewinnt Bayer auf den Außenbahnen keine Duelle, kommt die Mannschaft kaum in gefährliche Abschlusssituationen.

3. Abschlussschwäche

Wenn sich die Werkself in den vergangenen Wochen doch mal eine aussichtsreiche Chance erspielte, wurde diese in der Regel vergeben. Die kollektive Chancenverwertung der Mannschaft ist besorgniserregend. Exemplarisch steht das DFB-Pokal-Aus gegen Rot-Weiss Essen (1:2), als Bayer fünfmal Aluminium traf. Das frustriert die Mannschaft und kann Spielfreude und Einsatzbereitschaft hemmen.

4. Individuelle Fehler

Niklas Lomb steht zurzeit unfreiwillig im Fokus: Nachdem er beim 1:1 gegen den FC Augsburg schon schwer gepatzt hatte, folgte gegen Bern der nächste folgenschwere Bock. Der Ersatztorhüter ist jedoch bei weitem nicht der Einzige, der zurzeit immer wieder unnötige individuelle Fehler in sein Spiel einstreut. Ein Resultat mangelnden Selbstbewusstseins, das sich nur durch regelmäßige Erfolgserlebnisse korrigieren lässt.

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