Spahic & Hunt statt Tah & Demirbay: Der neue Kurs des HSV

Unmittelbar vor Transferschluss schlug der Hamburger SV noch einmal zu. Aaron Hunt wurde überraschend vom VfL Wolfsburg verpflichtet. Der Ex-Bremer soll helfen, den HSV kurzfristig wieder in der Bundesliga zu etablieren. Nachhaltigkeit steht dieser Tage in Hamburg hinten an.

Soll den HSV wieder auf Kurs bringen: Interimstrainer Peter Knäbel
Soll den HSV wieder auf Kurs bringen: Interimstrainer Peter Knäbel ©Maxppp

Ein gewisser Trend zeichnet sich ab. Vor etwa eineinhalb Jahren sah der Plan des Hamburger SV vor, um Shootingstar Hakan Calhanoglu herum, die Zukunft in der Hansestadt aufzubauen. Eine große Rolle dabei spielte neben dem Freistoß-Ass auch Abwehrjuwel Jonathan Tah. Man wollte in Ruhe mit Talenten aus den eigenen Reihen sowie zugekauften etwas Neues in Hamburg aufbauen.

Heute, eineinhalb Jahre später, spielen Tah und Calhanoglu bei Bayer Leverkusen. Eigengewächs Maxi Beister wurde ablösefrei zu Mainz 05 ziehen gelassen. Lasse Sobiech ging zu Lokalriavle St. Pauli. Zudem wurde U21-Nationalspieler Kerem Demirbay ein weiteres Jahr verliehen. Diesmal an Fortuna Düsseldorf, wenn auch ohne Kaufoption für die Rheinländer.

„Können mit Kader gewissen Anspruch an uns haben“

Statt eine langfristige Zukunft an der Elbe aufzubauen, will der HSV sich zunächst mit gestandenen Profis wieder in der Bundesliga etablieren. „Ich denke, wir können mit diesem Kader einen gewissen Anspruch an uns haben. Es darf nicht wieder einen reinen Überlebenskampf geben. Nur drei andere hinter uns zu lassen, ist mir zu wenig. Das kann auch auf Dauer nicht der Anspruch des HSV sein, das wissen wir“, erklärt Sportdirektor Peter Knäbel im ‚kicker‘.

Inwiefern dieses Vorhaben nachhaltig ist, bleibt abzuwarten. Der 34-jährige Emir Spahic kam ablösefrei zum ‚Dino‘. Aaron Hunt konnte etwas überraschend vom VfL Wolfsburg losgeist werden. Der 29-Jährige kommt für drei Millionen und soll vor allem die Offensive beleben.

Erst sportliche Konsolidierung, dann nachhaltige Perspektive

Es ging um einen Spagat. Einerseits Potenzial zu verpflichten, andererseits aber auch Stabilisatoren einzubauen. Ich denke, das ist uns gelungen“, erläutert Knäbel den eingeschlagenen Kurs. Etablierte Akteure hatten Priorität, wenngleich der 48-Jährige unterstreicht, „natürlich hätten wir gern noch mehr in Potenzial investiert, aber wir konnten aus wirtschaftlichen Gründen nicht alles machen. Wir waren ja dran, wie der Fall Emil Berggreen belegt. Aber ein talentierter Zweitligaspieler ist inzwischen so teuer wie nun Aaron Hunt.“

Von den Qualitäten des ehemaligen deutschen Nationalspielers ist der HSV-Manager überzeugt: „Aaron ist der Baustein hinter den Spitzen, den wir noch gesucht haben. Jetzt ist unser Kader robuster und hat mehr Kontur als in den Vorjahren, wir haben offene, ausgeglichene Konkurrenzkämpfe und die Flexibilität für mehrere Spielsysteme.

Schafft es der HSV, sich mittelfristig sportlich in der Bundesliga zu konsolidieren, sollen wieder vermehrt junge Spieler mit großem Potenzial den Weg in die Hansestadt finden: „Der nächste Schritt muss sein, das Potenzial weiter zu erhöhen, jünger, aber vor allem erfolgreicher zu werden. Deshalb war es in diesem Sommer auch entscheidend, besagten Spagat hinzubekommen. Wir brauchen mehr Stabilität, um sportlich den Turnaround zu schaffen. Das ist die Basis für alles, was darauf aufbaut.

Empfohlene Artikel

Kommentare