Nagelsmanns Forderungen an Karl & El Mala
Der März wird zum Monat der Wahrheit für viele WM-Kandidaten. Auch Said El Mala und Lennart Karl machen sich noch Hoffnungen auf ein Ticket für den Nordamerika-Trip der deutschen Nationalmannschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann stellt jedoch klare Bedingungen an die Youngster.
Die Weltmeisterschaft im Sommer rückt mit großen Schritten näher. Noch gibt es viele Fragezeichen im Kader von Julian Nagelsmann. Erst Ende März stehen der nächste DFB-Lehrgang und die Testspiele gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März) an. Anschließend sehen sich die Nationalspieler erst wieder Ende Mai, also kurz vor dem Turnier wieder.
Umso schwerer ist der Job für den Bundestrainer, der sich Gedanken machen muss, mit welchem Kader er im Sommer um den Titel mitspielen kann. Dieser sollte im Kern natürlich so früh wie möglich stehen, damit das Gerüst sich in den wenigen verbleibenden Tests einspielen kann. „Natürlich kann sich auch danach noch etwas ändern, aber generell ist die Grundidee, dass der März-Kader und das WM-Aufgebot artverwandt sind“, so Nagelsmann im Interview mit dem ‚kicker‘.
Karl leidet unter Musiala-Rückkehr
Während einige der Säulen klar gesetzt sind und sich die Mannschaft auf anderen Positionen fast von selbst aufstellt, gibt es vor allem in der Offensive noch große Vakanzen und auch einige Youngster, die auf den WM-Zug aufspringen wollen. Die beiden am heißesten diskutierten Personalien sind gegenwärtig Lennart Karl (18) von Bayern München und Said El Mala (19) vom 1. FC Köln.
„Lennart hatte eine super-stabile Zeit. Jetzt struggelt er gerade so ein bisschen – auch, weil ein Jamal Musiala wieder fit ist und dann häufig auch Einwechselzeit von ihm bekommt. Das ist völlig klar. Trotzdem ist er natürlich ein sehr interessanter Spieler, auch von seinem Profil, weil er oft ins Eins-gegen-eins geht, weil er von rechts nach innen ziehen kann auf seinen linken Fuß, weil er schwer zu greifen ist.“
Karl hat sich beim Rekordmeister zu Saisonbeginn überraschend in die erste Elf gespielt, steht aktuell bei 31 Pflichtspieleinsätzen, in denen er sieben Tore erzielte und vier weitere vorbereitete. Mit der schrumpfenden Verletztenliste wurde die Spielzeit jedoch geringer. Kein Problem für Nagelsmann: „Ich habe nicht den Anspruch, dass er Stammspieler wird, um dann bei der WM dabei zu sein. Denn das wird er nicht.“
Andere Lage bei El Mala
Dennoch müsse Karl dranbleiben: „Er muss schon einen gewissen Rhythmus sammeln, bei jungen Spielern geht es viel ums Selbstvertrauen. Er darf nicht zu uns kommen und dann die graue Maus sein, sondern er muss diese jugendliche Frische und das Freche reinbringen. Sonst kann ich auch einen Erfahrenen mitnehmen, der verlässlich seinen Stiefel spielt.“
Anders sei die Lage bei El Mala, der im Herbst bereits bei der A-Nationalmannschaft reinschnuppern durfte: „Ich finde, dass er es bei uns im November ordentlich gemacht hat. Aber es ist noch mal ein Unterschied, ob du bei Bayern oder bei Köln bist. Er muss einfach mehr Spielzeit bekommen in Köln.“
Dass der 19-Jährige immer wieder zwischen der Bank und der Startelf rotiert, ist in der Domstadt zum Politikum geworden und sorgt für anhaltende Kritik, die sich gegen FC-Trainer Lukas Kwasniok richtet. Nagelsmann nimmt seinen Kollegen jedoch ausdrücklich in Schutz.
„Diese Ansage richtet sich nicht an Lukas Kwasniok, weil ich ihn als einen Trainer kennengelernt habe, der genau beobachtet. Said muss den Anspruch haben, dass er in Köln Stammspieler ist und immer spielt. Aber er spielt 50 Prozent, das ist zu wenig. Und das liegt nicht am Trainer, was man dann oft meint, sondern es liegt an ihm selbst, wie stabil er in der Defensive arbeitet.“
Nagelsmann erwartet Unverständnis
Ähnliches gelte im Übrigen auch für Brajan Gruda (21), der sich bei Brighton & Hove Albion nicht durchsetzen konnte und aktuell an RB Leipzig verliehen ist: „Am Ende geht es darum, dass mehr Tore und Vorlagen bei ihm herauskommen. Noch ist das für seine Qualität zu wenig.“ Auch andere Youngster wie Assan Ouédraogo (19/RB Leipzig) oder Tom Bischof (20/FC Bayern) müssen in den kommenden Wochen liefern.
Abseits von der reinen sportlichen Leistung ist Nagelsmann auch ein „gutes Teamgefüge“ wichtig. Auch weiche Faktoren spielen daher bei der Nominierung eine Rolle. Daher kündigt der Bundestrainer an: „Dabei wird es Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit. Weil vielleicht ein Spieler bei uns nicht in der ersten Elf eingeplant ist, der bei seinem Verein aber Stammspieler und Leistungsträger ist.“
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