Der völlig irre Januar des HSV
Eigentlich schien der HSV in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg in ruhigen Fahrwassern unterwegs zu sein. Doch der Januar stellte alles auf den Kopf. Das Protokoll zu einem völlig verrückten Monat.
Kuntz raus
2. Januar: Eigentlich schien Stefan Kuntz der Ruhepol des HSV zu sein, ehe der Bundesligist zu Jahresbeginn völlig überraschend die Trennung vom Sportvorstand mitteilte. Ausschlaggebend seien familiäre Gründe, hieß es in der offiziellen Meldung des HSV.
Peretz streikt
3. Januar: Nur einen Tag nach dem Kuntz-Aus wird bekannt, dass Daniel Peretz (25) das Mannschaftstraining bestreikt. Der Grund: Der vom FC Bayern ausgeliehen Keeper will unbedingt zum FC Southampton.
Erste Transferwelle
3. Januar: Jonas Meffert (31), in der zweiten Liga lange Leistungsträger, kehrt zu Holstein Kiel zurück. 200.000 Euro Ablöse gehen nach Hamburg.
5. Januar: Der HSV gibt Talent Raif Adam (20) an die SV Elversberg ab. Als Ablöse fließen 400.000 Euro plus Boni. Dank einer Rückkaufoption über zwei Millionen behält der HSV den Zugriff.
7. Januar: Der HSV setzt sich gegen Werder Bremen durch und verpflichtet Damion Downs (21) vom FC Southampton. Es handelt sich um eine Leihe mit Kaufoption über zehn Millionen Euro.
Wir leihen den 21-jährigen Mittelstürmer vom englischen Zweitligisten FC Southampton aus. 🤝
Alle Infos und Zitate ➡️
#nurderHSV
8. Januar: Peretz bekommt seinen Willen und darf – quasi im Tausch gegen Downs – nach Southampton wechseln.
16. Spieltag
10. Januar: Fußball gespielt wird auch noch: Der HSV unterliegt zum Jahresauftakt mit 1:2 beim SC Freiburg.
Der große Knall
11. Januar: Ein Bericht der ‚Bild‘ enthüllt, dass Sportvorstand Kuntz aufgrund Vorwürfe sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen den HSV verlassen musste. „Eine der Frauen soll sich durch Aussagen von Kuntz sogar zum Oralverkehr gedrängt gefühlt haben“, schreibt die ‚Bild‘. Kuntz weist die Anschuldigungen „entschieden zurück“.
12. Januar: Der Aufsichtsrat des HSV bestätigt den im Raum stehenden Verdacht. „Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung.
Spielabsage
13. Januar: Das erste Heimspiel des Jahres fällt dem Schneefall zum Opfer: Die Partie gegen Bayer Leverkusen wird abgesagt und erst am 4. März nachgeholt.
Große Namen gehandelt
14. Januar: Auch, wenn Kuntz‘ Aufgaben erstmal unter den anderen Mitgliedern der Sportlichen Leitung aufgeteilt wurden, kursieren rund um den HSV die Namen äußerst prominenter Manager. Darunter: Hasan Salihamidzic, Sebastian Kehl und Oliver Bierhoff.
18. Spieltag
17. Januar: Gegen Borussia Mönchengladbach zeigt der HSV beim 0:0 ein starkes Heimspiel, präsentiert sich aber einmal mehr zu ineffektiv im Abschluss.
Zweite Transferwelle
17. Januar: Mittelfeldmann Anssi Suhonen (25) wechselt nach neun Jahren mit der Raute auf der Brust zu Odense BK.
22. Januar: Der HSV war auch an Kevin Müller (34/FC Schalke 04), Nicolas Kristof (26/SV Elversberg) oder Stefan Ortega (33/Nottingham Forest) dran – als neuer zweiter Keeper und somit als Peretz-Ersatz kommt jedoch Sander Tangvik (23) von Rosenborg Trondheim. Zwischen 2,5 und vier Millionen Euro Ablöse untermauern, dass der Norweger eines Tages die Nummer eins werden soll.
Der 23-jährige Torhüter wechselt vom norwegischen Traditionsclub Rosenborg Trondheim zu uns an die Elbe. ✍️ Mit seiner Größe, Reichweite und Athletik bringt Sander ideale Voraussetzungen für die Torhüterposition mit und besitzt eine starke Persönlichkeit. 🧤
Alle Infos und Zitate 👉
#nurderHSV
19. Spieltag
23. Januar: Feiertag in der Stadt, doch das Hamburger Derby wird zum Langweiler: In einer schwachen Partie nimmt der HSV einen Punkt vom Millerntor mit (0:0). Aufreger: Pauli-Fans beleidigten den wegen Dopings gesperrten Mario Vuskovic (24), Bruder Luka (18) reagiert: „Ich weiß nicht, was sich die Fans von St. Pauli denken. Es ist respektlos, meine Familie und meinen Bruder anzugreifen. Ich habe nichts Gutes über diese Fans zu sagen.“
Kuntz-Schlammschlacht geht weiter
23. Januar: Der ‚Süddeutschen Zeitung‘ zufolge haben sich beide Parteien auf eine Abfindung in Höhe von drei vollen sowie drei halben Monatsgehältern geeinigt. Im Interview mit dem Blatt erklärt Kuntz, nach wie vor kein gravierendes Fehlverhalten bei sich erkannt zu haben.
26. Januar: Der HSV reagiert auf das Interview. In einer neuerlichen Pressemitteilung lässt der Aufsichtsrat wissen: „Das von mehreren Hinweisgebenden unabhängig voneinander glaubhaft geschilderte Fehlverhalten, das zu internen Ermittlungen führte, umfasst zahlreiche schwerwiegende Pflichtverletzungen, die jeden verantwortungsvollen Aufsichtsrat zum Handeln veranlassen mussten.“ Behauptungen von Kuntz‘ Anwalt, wonach sein Klient nicht einmal genau wisse, worum es bei den Vorwürfen konkret geht, seien „nachweislich unwahr“.
Dompé-Suspendierung
29. Januar: Der HSV suspendiert mit Flügelflitzer Jean-Luc Dompé einen seiner besten Spieler. Nach und nach wird bekannt: Nach dem Hamburger Stadtderby hatte der Franzose zu tief ins Glas geschaut und mit 1,4 Promille anschließend einen Autounfall verursacht. Zu allem Überfluss schnappte er sich dann noch einen E-Scooter, wurde dabei ebenfalls erwischt und hat nun eine weitere Anzeige am Hals. Das Brisante: Dompé ist Wiederholungstäter, Anfang 2023 lieferte er sich mit Teamkollege William Mikelbrencis (21) ein illegales Straßenrennen und crashte in eine Bushaltestelle. Entsprechend bleibt er nun vorerst suspendiert.
Der 30-jährige Flügelspieler erhält eine HSV-Rekordgeldstrafe im sechsstelligen Bereich. Das wurde ihm in einem weiteren klärenden Gespräch mitgeteilt. Dompé selbst bezieht erstmals öffentlich Stellung, entschuldigt sich und erklärt, soziales Engagement leisten zu wollen.
Alle Infos 👉
#nurderHSV
20. Spieltag
31. Januar: Ungeachtet des ganzen Chaos‘ im Klub liefert der HSV eine bärenstarke Partie gegen den für übermächtig gehaltenen FC Bayern. Am Ende führt eine taktische Meisterleistung von Trainer Merlin Polzin zu einem 2:2-Achtungserfolg.
Irrer Transferendspurt
Auf den letzten Metern des Transferfensters gibt der HSV dann nochmal richtig Gas:
29. Januar: Rechtsverteidiger Silvan Hefti (28) wechselt für 150.000 Euro zu DC United nach Washington.
30. Januar: Emir Sahiti (27) zieht es per Leihe mit Kaufoption (1,5 Millionen) zu Maccabi Tel Aviv.
31. Januar: Der HSV leiht Offensivallrounder Albert Grönbaek (24) vom FC Genua aus. Im Sommer kann der norwegische Nationalspieler für fünf Millionen Euro festverpflichtet werden. Derweil verlässt Verteidiger Guilherme Ramos (28) den Klub für 100.000 Euro Richtung Beijing Guoan.
The 24-year-old midfielder joins us on loan from Stade Rennes. ✍️
#nurderHSV
1. Februar: BVB-Linksverteidiger Almugera Kabar (19) reist zum Medizincheck nach Hamburg – und fällt durch. Wechsel geplatzt.
2. Februar: Am Deadline Day vollzieht der HSV einen Spielertausch: Otto Stange (18) kehrt vorzeitig von seiner Leihe zurück, dafür wechselt Immanuel Pherai (24) auf Leihbasis bis Saisonende zur SV Elversberg. Darüber hinaus geht Abwehr-Talent Aboubaka Soumahoro (20) leihweise zur AS St. Étienne, während Flügelstürmer Philip Otele (26) neu dazukommt. Für den 26-Jährigen fließen 1,5 Millionen Euro Leihgebühr an den FC Basel. Für 4,5 Millionen kann er im Sommer festverpflichtet werden. Wer weiß, was bis dahin noch alles passiert.
Weitere Infos