Trotz FIFA-Empfehlung: Vertragsärger droht

Mit der Empfehlung, die Spielerverträge bis zum Saisonende und nicht nur bis Ende Juni laufen zu lassen, hat die FIFA etwas Druck vom Kessel genommen. Doch im individuellen Fall könnte es zu Rechtsstreitigkeiten kommen.

Im Sommer drohen schwierige Entscheidungen
Im Sommer drohen schwierige Entscheidungen ©Maxppp

Man kann der FIFA nur wünschen, dass ihre jüngste Empfehlung von allen beteiligten Parteien auch so umgesetzt wird. Mit Blick auf die eigentlich Ende Juni auslaufenden Verträge schlug der europäische Dachverband am Dienstag vor, „die Verträge bis zu dem Zeitpunkt zu verlängern, an dem die Saison tatsächlich endet.“

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Soweit, so sinnvoll. Allerdings ist dieser Vorschlag der FIFA im individuellen Fall nicht rechtlich bindend. Alexander Nübel (23) beispielsweise müsste sich zunächst einmal mit Schalke 04 und dem FC Bayern einigen, wer im Juli, also nach Ablauf des eigentlichen Vertrags, sein Gehalt übernimmt.

Zudem bleibt offen, wie viel Nübel in dem noch offenen Zeitraum der Saison-Verlängerung verdienen wird. Schließlich streicht er künftig in München deutlich mehr ein als zuvor auf Schalke. Sein Berater Stefan Backs sagt deshalb aus gutem Grund gegenüber dem ‚kicker‘: „Darüber müssten wir uns unterhalten.“

Weitere Nübel-Fälle denkbar

Allzu viele weitere Transfers haben die Bundesligisten bislang nicht offiziell eingetütet. Das Streitpotenzial im Fall Felix Agu (20) beispielsweise, der aus Osnabrück zum SV Werder wechselt, dürfte relativ gering sein.

Anders sieht das schon bei Hakim Ziyech (27) aus, der für 40 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum FC Chelsea wechseln wird. Hier stellen sich die gleichen Fragen wie bei Nübel: Wann endet die Saison in der Eredivisie? Ist Chelsea dazu bereit, Ziyech noch länger bei Ajax zu belassen? Verzichtet der Spieler freiwillig auf Gehalt? Und wenn nicht, wer bezahlt die Differenz?

Im Einzelfall sollte man Lösungen im Sinne der Coronakrisen-Solidarität finden. Genau das strebt auch die FIFA mit ihrer Empfehlung an. Haltbar wäre diese vor Gericht allerdings nicht, sofern eine betroffene Partei arbeitsrechtliche Schritte erwägt – aus welchen Gründen auch immer. Es bleibt deshalb im Sinne des Fußballs zu hoffen, dass sich Nübel und Co. wie so oft in diesen Tagen empathisch und kompromissbereit zeigen.

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