Zwischen Umschaltspiel & Flügelzange – wie meistert Nagelsmann die Bayern?

Auch die letzte Saison von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig wird titellos enden. Neben dem Druck, die Trophäensammlung des FC Bayern zu erweitern, wartet auf den jungen Trainer in München eine große taktische Herausforderung.

Julian Nagelsmann folgt auf Hansi Flick bei den Bayern
Julian Nagelsmann folgt auf Hansi Flick bei den Bayern ©Maxppp

Beim FC Bayern wird im Sommer eine neue Ära eingeläutet. Mit Julian Nagelsmann kommt ein junger Trainer zum Rekordmeister, der aufgrund seiner Ablösesumme schon mit schwerem Gepäck anreist. Rund 15 Millionen Euro plus etwaige Bonuszahlungen wurden fällig, um das größte Trainertalent im europäischen Fußball an die Säbener Straße zu lotsen.

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Doch nicht nur dank des höchsten jemals für einen Trainer gezahlten Transferbetrags wird Nagelsmann mit Argusaugen beobachtet. Im gestrigen DFB-Pokalfinale bot er mit Hee-chan Hwang und Alexander Sörloth eine neue Doppelspitze auf. Dabei vercoachte sich der 33-Jährige nach Meinung vieler Experten und RB Leipzig unterlag Borussia Dortmund mit 1:4.

Die Balance im System

Obwohl Nagelsmann nun titellos zu den Bayern kommt, reicht sein Renommee ohne Frage aus, um den Giganten aus München zu trainieren. Seine Erfolge mit den Leipzigern in der Champions League helfen dabei enorm. Doch die große Herausforderung wird sein, ein passendes System zu finden, das einerseits seine Handschrift trägt und auf der anderen Seite die Klub-DNA beinhaltet.

Nagelsmann hat zweifelsohne eine eigene fußballerische Idee. Diese hat sich im Laufe der Zeit auch in Leipzig gewandelt. So entwickelte er das reine Umschaltspiel mit überfallartigen Angriffen und verlieh der Offensividee eine neue Note, indem er Ballbesitzphasen deutlich mehr Platz einräumte. Dadurch wurden die Leipziger variabler. Doch reicht das bereits aus, um das Optimum aus dem Bayern-Kader herauszuholen?

Flügelspiel contra Überladen der Mitte

In der Offensive legt Nagelsmann viel Wert darauf, die Mitte zu überladen. Oft sehen sich die gegnerischen Innenverteidiger in der Notlage, zwei Spieler der Nagelsmann-Truppe im Auge behalten zu müssen. Dadurch wird Verwirrung gestiftet und es ergeben sich Räume hinter der Abwehrkette, die von Kreativspielern wie Dani Olmo oder Marcel Sabitzer bespielt werden können.

Bei den Bayern liegt der Fokus spätestens seit der Zeit von Louis van Gaal auf dem Flügelspiel. Nach Arjen Robben und Franck Ribéry übernahmen Serge Gnabry, Kingsley Coman und Leroy Sané das Zepter. Individuelle Klasse, Tempo und Dribblings über außen sind seit Jahren existenzieller Bestandteil der Vereinsphilosophie. In Nagelsmanns Karriere spielte dieser Aspekt bisher keine wesentliche Rolle.

Der entscheidende Punkt wird sein, dass Nagelsmann eine Balance finden musst, die Erfolg verspricht. Bei aller Schwierigkeit, die Stärken des Bayern-Kaders mit seiner Art und Weise des Fußballs zu kombinieren, sitzt ihm ein enormer Erfolgsdruck im Nacken. Zeit für große Experimente wird er nicht haben. Für den teuersten Trainer der Welt versprechen auch kleine Misserfolge große mediale Auswirkungen. Einen Patzer wie im Pokalfinale darf er sich beim titelverwöhnten Rekordmeister nicht leisten.

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