Kamal Bafounta im FT-Interview: „Sehe den BVB nicht als Sprungbrett“

Kamal Bafounta wechselte als 16-Jähriger vom FC Nantes zu Borussia Dortmund. Seine Zeit bei Schwarz-Gelb war seitdem nicht frei von Rückschlägen. Nun stehen richtungsweisende Monate an. Im Gespräch mit FT geht es um die beste Position, Reus als Fußball-Wissenschaftler und den Traum von der Gelben Wand.

Kamal Bafounta am Ball für den BVB
Kamal Bafounta am Ball für den BVB ©Maxppp

FT: Hallo Kamal, wie geht es dem Meniskus, der Sie fast zwei Jahre außer Gefecht gesetzt hat?

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Kamal Bafounta: Gott sei Dank ist das Geschichte. Ich habe vor einem Jahr schon wieder Freundschaftsspiele mit der U19 gespielt und habe mich dann langsam zurück gekämpft. Mittlerweile trainiere ich mit dem Drittliga-Team und manchmal mit den Profis. Ich will mich in jeder Einheit weiterentwickeln. Kürzlich sah ich Klay Thompsons Comeback in der NBA. Zwei Jahre hatte er nicht gespielt, aber er ist immer noch fantastisch. Solche Champions sind ein gutes Vorbild.

Sie haben kaum Spielzeit in der zweiten Mannschaft beim BVB. Planen Sie einen Weggang zum Vertragsende im Sommer?

Der Trainer trifft seine Entscheidungen. Er hat eine starke Mannschaft, an der er festhält. Man weiß nicht, was in einigen Monaten sein wird, aber im Moment bin ich eine Option und das weiß er. Ich habe hier bei Borussia Dortmund große Ziele und bin sehr dankbar. Ich bin gekommen, als ich 16 Jahre alt war, heute bin ich 20. Ich musste mich oft beweisen und ich denke, dass der Verein weiß, dass ich einen starken Charakter habe. Mein Wunsch ist es, der Profi-Mannschaft zu helfen. Wenn das hier aber nicht möglich ist, dann woanders. So ist das als Fußballprofi.

Ist eine Rückkehr nach Frankreich in die Ligue 1 ein Thema?

Es stimmt, dass der Fußball in Frankreich gut zu mir passen würde und dass die Ligue 1 ein gutes Pflaster ist. Aber hier ist auch mein Zuhause, ich spreche Deutsch, ich lebe wie ein Deutscher. Ich komme aus einem bescheidenen Elternhaus und in meiner Familie gibt man nie auf. Darum weiß ich, dass ich mich durchsetzen werde in dieser starken Liga hier. So oder so, ich werde alles dafür tun.

Wenn der Durchbruch beim BVB gelingt, würden Sie dann gerne verlängern in Dortmund?

Das liegt in den Händen von Marco Rose und den Leuten beim BVB, die die Planung machen. Ich werde dieses Level nur erreichen, wenn ich Spielzeit erhalte. Ich wäre bereit, meine kämpferischen und körperlichen Fähigkeiten im Mittelfeld einzubringen, das fehlt dem Team mitunter. Es gibt Schlimmeres, als mit 20 Jahren bei Borussia Dortmund zu verlängern. Manche Spieler kommen hierher und sehen es als Sprungbrett an – ich nicht.

Auf welcher Position sind Sie am stärksten?

Ich bin von Natur aus ein Arbeiter. Ich habe gerne den Ball am Fuß oder erobere ihn. Ich fühle mich auf allen Positionen im Mittelfeld wohl, vor allem als Box-to-Box-Spieler oder im offensiven Mittelfeld. Aber ich kann auch zentral in einer Dreierreihe oder davor spielen.

Gab es schon Kontakt mit anderen Klubs in dieser Transferphase?

Ich bin bei einem tollen Klub und bin nah dran an großen Spielern wie Reus, Bellingham, Can, Haaland und Guerreiro. Wegen meiner vertraglichen Situation schauen natürlich manche Vereine genauer hin. Aber ich konzentriere mich nur auf das Sportliche und bin da ganz entspannt. Um alles andere kümmern sich meine Berater.

Die lange Verletzungspause mal beiseite, war die Entscheidung für den BVB rückblickend richtig? Was nehmen Sie mit von dieser Erfahrung bis zum jetzigen Zeitpunkt?

Ich bin seit 2017 hier. Ich bin im Jugendbereich stark gestartet und gewöhne mich jetzt an den Herrenfußball. Ich würde mich auch heute nicht anders entscheiden. Das ist einer der besten Klubs weltweit für junge Spieler und sie haben mich ausgewählt. Es war und ist ein tolles Abenteuer. Der Verein hat mich technisch auf ein neues Level gebracht.

Sie haben schon oft mit den Profis trainiert. Welcher Spieler hat Sie am meisten beeindruckt und von wem konnten Sie am meisten lernen?

Bellingham und Haaland sind wirklich sehr komplett. Lernen kann ich aber von jedem. Dahoud ist ein feiner Techniker, Reus ist ein Fußball-Wissenschaftler. Ich beobachte ihre Qualitäten und ihr Verbesserungspotenzial genau.

Haben Sie noch Hoffnung auf den Durchbruch bei den BVB-Profis? Ist es ein Traum, vor der Gelben Wand zu spielen?

Hoffnung spendet Leben, aber wer nur hofft, der verhungert. Alles hängt vom Verein ab. Wenn sie mir die Chance geben, dann werde ich da sein mit meinen Stärken und Schwächen. Und zur Gelben Wand: Da kann man nur bescheiden sein, denn sie ist genauso berühmt wie der Klub selbst. Diese Tribüne ist beeindruckender als Trainingseinheiten bei den Profis.

Abschlussfrage: Der BVB ist bekannt für seine Qualität im Jugendbereich und kämpft jedes Jahr um Titel. Was waren Ihre besten Momente in Schwarz und Gelb?

Die kommen noch.

Kamal Bafounta, danke für das Gespräch.

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