Atalanta Bergamo: Traumsaison und nun?

In Bergamo hofft man nach der herausragenden Liga-Saison nun auch in der Champions League zu überraschen. Doch wie geht es nach der Spielzeit weiter? FT wirft einen Blick auf die aktuelle Kadersituation und mögliche Transfers.

Duván Zapata feiert mit seinen Kollegen ein Tor
Duván Zapata feiert mit seinen Kollegen ein Tor ©Maxppp

Wer es mit Atalanta Bergamo hält, hat diese Saison viel Freude. Mit sage und schreibe 98 Toren in 37 Spielen schossen sich die Bergamesci in die Herzen aller Liebhaber des offensiven Spielstils. Neben dem gebotenen Tore-Spektakel stehen die Norditaliener aktuell auf Platz drei in der Serie A, die Champions League hat man schon in der Tasche. Apropos Champions League: Auch in der Königsklasse steht man im Viertelfinale, wo mit Paris St. Germain ein Klub von Weltformat wartet.

Unter der Anzeige geht's weiter

Bereits in der vergangenen Spielzeit wurde man überraschend Dritter in der Liga. Alle, die von einem One-Season-Wonder ausgingen, wurden eines Besseren belehrt. Denn die Elf von Trainer Gian Piero Gasperini setzte noch einen drauf und hat mit 78 Punkten bereits neun Punkte mehr gesammelt als in der Vorsaison.

Der Kader

Trotz der zweier extrem erfolgreicher Spielzeiten sind viele der Spieler ein unbeschriebenes Blatt. Das Team kommt ohne große Stars aus und setzt sich aus einer Reihe erfahrener Spieler zusammen, die sich aktuell im zweiten Frühling ihrer Karrieren befinden. Besonders die Offensivreihe um Kapitän Papu Gómez (32), Josip Ilicic (32), Duván Zapata (29) und Luis Muriel (29) sticht heraus. Während Ilicic, Zapata und Muriel alle jeweils mindestens 15 Tore geschossen haben, ist Gómez mit 16 Vorlagen aktuell der Top-Vorlagengeber der Liga. Insgesamt kommt das Quartett auf 90 Torbeteiligungen allein in der Liga – eine Wahnsinnsquote für die sonst eher defensiv geprägte Serie A.

Doch auch im Mittelfeld und der Abwehr überragen einige Akteure in der laufenden Saison. Allen voran zu nennen ist Robin Gosens (26), der in Gasperinis 3-5-2-System die linke Außenbahn beackert und sich mit neun Toren und acht Vorlagen zu einem Publikumsliebling bei den Fans mauserte.

Für eine, gemessen am heutigen Marktwert, lächerlich niedrige Summe von 900.000 Euro war Gosens 2017 von Heracles Almelo nach Italien gewechselt. Er steht sinnbildlich für die kluge Transferpolitik in den vergangenen Jahren. Im Mittelfeldzentrum überragten Ruslan Malinovsky (27) mit acht Toren und fünf Vorlagen und Mario Pasalic (25) mit neun Toren und fünf Vorlagen. Die beiden torgefährlichen Mittelfeldmotoren standen vor ihren Wechseln zu Atalanta auch nicht bei all zu vielen Scouts auf dem Zettel.

Auch Trainer Gasperini fügt sich wunderbar in das Bild des sensationell aufspielenden Underdogs ein. Der bereits 62-Jährige trainierte in der Vergangenheit US Palermo, den FC Crotone und den FC Genua mit eher überschaubarem Erfolg – von einer dreimonatigen Station bei Inter Mailand mal abgesehen. Zurzeit läuft es jedoch grandios für den Italiener. Die Spieler von Bergamo sind topfit, die Trainingsintensität ist extrem hoch, denn nur so können die Bergamesci mit den Spitzenklubs aus Italien konkurrieren.

Und nun?

Natürlich sind die großartigen Leistungen einiger Spieler den Topklubs nicht verborgen geblieben. Dem Vernehmen nach haben bereits Inter Mailand, Juventus Turin und der FC Chelsea ihre Fühler nach Gosens ausgestreckt. Als Ablösesumme sind 30 Millionen Euro im Gespräch – ein Vielfaches des Preises, den Bergamo einst zahlte. Zapata ist ebenfalls eine heiße Personalie auf dem Transfermarkt. Atlético Madrid und West Ham United haben den bulligen Angreifer ins Visier genommen.

Dennoch wird der Kern der Mannschaft wohl bestehen bleiben. Viele der Spieler wissen, was sie am Verein haben und dürften sich freuen, nächstes Jahr erneut in der Königsklasse aufzulaufen. Lediglich mit ein bis zwei Abgängen von Stammspielern ist wohl zu rechnen, wobei das letzte Wort bei Gosens und Zapata noch lange nicht gesprochen ist.

Auf der Zugangsseite ist es momentan noch kühl in der Gerüchteküche. Nicolás González (22) vom VfB Stuttgart soll ein Kandidat sein – er könnte die bärenstarke Offensivreihe ergänzen. Ansonsten setzt man in Bergamo genügend Vertrauen in den aktuellen Kader, der wohl nur wesentlich umgestaltet würde, wenn Leistungsträger den Verein verlassen.

Weitere Infos

Kommentare