Hertha: Radonjics Sprint um die Zukunft

Bislang bekam Nemanja Radonjic bei Hertha BSC kein Bein auf dem Boden, war nun aber gegen den SC Freiburg plötzlich Berliner Sieggarant. Er spielt um seine Zukunft – wo auch immer die liegt.

Nemanja Radonjic bejubelt seinen Treffer gegen den SC Freiburg
Nemanja Radonjic bejubelt seinen Treffer gegen den SC Freiburg ©Maxppp

Genauso hatten sich das die Hertha-Verantwortlichen vorgestellt, als sie Nemanja Radonjic im Januar von Olympique Marseille ausliehen. Gegen den SC Freiburg spielte der Serbe sein enormes Tempo immer wieder aus, war von den Breisgauern kaum in den Griff zu kriegen. Gekonnt, wie er zunächst Philipp Lienhart aussteigen ließ, zum 2:0 von Peter Pekarik assistierte und später nach starkem Solo den 3:0-Endstand besorgte.

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Nun sei eingeräumt, dass die Freiburger am gestrigen Donnerstag nicht die Griffigkeit erzielten, die man von ihnen gewohnt ist. Leichtes Spiel für Radonjic, ließe sich daraus folgern – doch wenn ein solcher Sprinter einmal seinen Turbo zündet und mit Tempo auf die Abwehr zuläuft, ist Griffigkeit auch nicht so einfach hinzubekommen.

Kontrastprogramm

Endlich, werden sich Sportdirektor Arne Friedrich und Co. gedacht haben, endlich zeigt dieser Radonjic das, wofür wir ihn geholt haben: „Dribbeln, Aktionen initiieren und Lücken reißen“, fasste der 25-Jährige selbst bei seiner Präsentation zusammen. Hat gut geklappt – gestern zumindest.

Davor allerdings viel zu selten. Um nicht zu sagen: Gar nicht. Noch im Spiel gegen Mainz 05 (1:1) drei Tage zuvor sah Radonjic in seinen knapp 20 Minuten ganz schwach aus, kam nicht auf Betriebstemperatur. Seine wenigen Ballkontakte waren mitunter äußerst unglücklich.

Stinkstiefel?

Schon regte sich – nicht zum ersten Mal – Kritik an der Arbeitseinstellung des Temporibblers. Der Auftritt in Mainz passte zum bislang verhunzten Gastspiel in der Bundeshauptstadt. Mehr als eine Halbzeit lang durfte Radonjic nie mitmischen, Scorerpunkte warfen seine sieben Kurzeinsätze vor der gestrigen Partie keine ab.

Dass der Leihspieler zwischendurch dann auch noch medial in die Ecke eines Stinkstiefels gerückt wurde, der es sich früh in der Hertha-Kabine verscherzt haben soll, passte glänzend ins Bild: Transferflop, so das einhellige Urteil der Öffentlichkeit.

Vier-Spiele-Sprint

Radonjic bietet sich nun die Chance, diesem Eindruck davonzusprinten. Dass es der 1,85-Mann besser kann, beweisen die gestrigen 90 Minuten – genauso wie die Zwölf-Millionen-Kaufoption, die die Alte Dame mit Marseille vereinbarte. Er spielt um seine Zukunft in Herthas verbleibenden vier Bundesligaspielen.

Dass diese in Berlin liegt, bleibt aber auch nach dem Ausrufezeichen gegen Freiburg unwahrscheinlich. Radonjic müsste weitere sportliche Feuerwerke zünden und sich die Vorwürfe an seinem Umgang als haltlos erweisen. Ausgeschlossen ist das alles nicht. Aber ein einmal entstandener Eindruck lässt sich nicht so leicht abhängen wie ein Gegenspieler.

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