AC Mailand: Schwarz-roter Riese plötzlich wachgeküsst

Knapp zehn Jahre ist es her, dass sich der AC Mailand über den bislang letzten Scudetto-Gewinn freuen durfte. Seitdem durchlebten die Fans der Rossoneri aber eher schwierige Zeiten. Statt Meisterschaftskampf und Champions League hieß die bittere Realität Europa League und Mittelmaß. Ausgerechnet ein alter Bekannter sorgte im Januar 2020 für einen Umschwung in der Modestadt, der die Mailänder bis an die Tabellenspitze der Serie A spülte.

Zlatan Ibrahimovic und Co. grüßen in Italien von der Tabellenspitze
Zlatan Ibrahimovic und Co. grüßen in Italien von der Tabellenspitze ©Maxppp

Der Star

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Seit seinem Comeback schoss Zlatan Ibrahimovic in 23 Serie A-Spielen 18 Tore und verbuchte sechs Assists. Zudem scheint der Schwede neben seinem Torinstinkt auch seine Siegermentalität mitgebracht zu haben. Denn der AC Mailand blieb wettbewerbsübergreifend 24 Pflichtspiele in Folge ungeschlagen. Erst beim 0:3 im Europa League-Spiel gegen den OSC Lille kurz vor der Länderspielpause musste man sich ersatzgeschwächt wieder geschlagen geben. Das Selbstbewusstsein, das Ibrahimovic dem Verein eingehaucht hat, hilft offenkundig auch den anderen Spielern.

Der Trainer

Trainer Stefano Pioli sollte pikanterweise eigentlich gar nicht mehr im Verein sein. Monatelang hatte Geschäftsführer Ivan Gazidis mit Ralf Rangnick verhandelt, der eigentlich der neue starke Mann im Klub werden sollte. Doch nachdem Mailand aus den zwölf Spielen nach der Corona-Pause starke 30 Punkte holte und die Stimmen auch innerhalb der Mannschaft immer lauter wurden, die sich für Piolis Verbleib und gegen Rangnick aussprachen, verlängerte der Trainer im Juli schließlich seinen Vertrag bis 2022. Und das zahlt sich aus. Mit einem Punkteschnitt von 2,02 ist er aktuell der erfolgreichste Milan-Trainer seit Cesare Maldini, Vater des heutigen Sportdirektors Paolo Maldini.

Das Team

Pioli gelang es in den zurückliegenden Monaten, ein junges, talentiertes Team zu formen, das von gestandenen Profis wie Ibrahimovic oder Simon Kjaer (31) angeführt wird. Dahinter konnten Spieler wie Theo Hernández (23), Ismaël Bennacer (22) oder Franck Kessié (23) den nächsten Schritt machen und sich zu Stammspielern entwickeln. Abgerundet wird das Team von hoffnungsvollen Talenten wie den Flügelspielern Rafael Leão (21) und Alexis Saelemaekers (21) oder Mittelfeldspieler Sandro Tonali (20). Mit einem Durchschnittsalter von 24,4 Jahren stellt der AC Mailand nicht nur die jüngste Mannschaft in der Serie A, sondern auch in den fünf Topligen Europas. Zudem konnte sich beispielsweise Ante Rebic (27), der schon als Fehleinkauf abgestempelt worden war, vor seiner Verletzung im Team etablieren. Auch Hakan Calhanoglu (26) mauserte sich zu einer der wichtigsten Säulen im Pioli-Ensemble.

Das Erfolgsrezept

Der AC Mailand begeistert mit einem offensiven wie aggressiven Spielstil. Der Trainer setzt dabei auf ein 4-2-3-1-System. Nach Atalanta Bergamo und Überraschungsteam US Sassuolo stellt Milan mit 16 Toren den drittgefährlichsten Angriff der Liga. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die stabile Defensive der Rossoneri. So blieb Keeper Gianluigi Donnarumma (21) in drei von sechs Spielen ohne Gegentor. Trotz des medialen Hypes kommt die Entwicklung der Mailänder nicht sonderlich überraschend. Mit klugen Personalentscheidungen und der Verpflichtung vieler hoffnungsvoller Talente besitzen die Schwarz-Roten nun einen Kader mit großem Zukunftspotenzial.

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