Sessegnon in Hoffenheim: Ausnahmetalent oder Mitläufer?

In England galt Ryan Sessegnon vor nicht allzu langer Zeit noch als absolutes Ausnahmetalent. Bei Tottenham Hotspur konnte er die Vorschusslorbeeren aber nicht bestätigen. Sein gestriges Startelfdebüt für die TSG Hoffenheim ist ein erster Anhaltspunkt dafür, in welche Richtung seine Entwicklung im Kraichgau gehen könnte.

Ryan Sessegnon im Zweikampf mit Diego Falcinelli von Roter Stern Belgrad
Ryan Sessegnon im Zweikampf mit Diego Falcinelli von Roter Stern Belgrad ©Maxppp

Es waren die kleinen Momente, in denen das Können von Ryan Sessegnon aufblitzte: Ein Lauf in die Tiefe, schneller als jeder Kontrahent. Eine Ballannahme, die mit einer eleganten fließenden Bewegung in einen Torschuss übergeht. Das Auflösen einer gefährlichen Pressingsituation gegen gleich zwei Gegner.

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In diesen Spielszenen beim gestrigen 2:0-Sieg der TSG Hoffenheim gegen Roter Stern Belgrad – Sessegnons Startelf-Debüt – ließ der junge Engländer aufblitzen, wie er in seiner Heimat den Ruf eines Ausnahmetalents erhalten konnte. Damals in der Saison 2017/18, als der seinerzeit 17-Jährige den FC Fulham mit 15 Toren und sechs Vorlagen zum Premier League-Aufstieg schoss.

Schwere Zeit in Tottenham

Der Weg zu einem englischen Topklub war schon zu diesem Zeitpunkt vorgezeichnet, im Sommer 2019 schlug dann Tottenham Hotspur zu. 27 Millionen Euro überwiesen die Spurs an Fulham, das den direkten Wiederabstieg antreten musste.

An der White Hart Lane konnte Sessegnon sein Glück bisher aber nicht finden. Zu Beginn der Saison 2019/20 fiel der Linksverteidiger verletzt aus. Als er wieder fit war, hieß sein Trainer dann nicht mehr Mauricio Pochettino, sondern José Mourinho. Unter dem Portugiesen kam Sessegnon kaum zum Zug – und das, obwohl die Spurs unter massiven Verletzungsproblemen litten.

Auch beim gestrigen 2:0 gegen Belgrad gab es Momente, in denen Effizienz-Fetischist Mourinho wohl die Nase gerümpft hätte. Schnelligkeit, Technik und Offensivdrang zum Trotz warfen die Aktionen des als Linksverteidiger aufgebotenen Sessegnon nur wenig Ertrag ab. Hinzukamen einfache Ballverluste nach Fehlpässen.

Luft nach oben

Defensiv wurde der 20-Jährige kaum gefordert, ließ aber trotzdem in der 18. Minute Gegenspieler Milan Gajic unnötig in seinem Rücken entwischen. Roter Stern konnte den Konzentrationsfehler nicht ausnutzen, gegen stärkere Gegner könnten solche Aktionen Sessegnon und Hoffenheim aber zum Verhängnis werden.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass der schnelle Linksfuß ein ordentliches, wenngleich unauffälliges Startelfdebüt im Dress der TSG zeigte. Für einen Stammplatz bewarb sich Sessegnon gegen Belgrad aber nicht, wobei zu erwarten ist, dass er sich mit fortschreitender Eingewöhnung in Hoffenheim steigern wird.

Angesichts der Konkurrenz auf seiner Position muss er das auch. Pavel Kaderabek und Robert Skov kamen unter Trainer Sebastian Hoeneß beide schon als Linksverteidiger zum Einsatz. Wenn Sessegnon das Duo verdrängen will, muss er in mehr als nur den kleinen Momenten sein Können aufblitzen lassen.

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