FT-Kurve Premier League

Harte Hand, keine Resultate: ManUnited unter Amorim im Kampf ums „Überleben“

Manchester United kommt auch unter dem neuen Trainer Rúben Amorim nicht in die Erfolgsspur. Seit zehn Spielen ist der Portugiese im Amt, trifft harte Entscheidungen – und bleibt doch ähnlich erfolglos wie seine Vorgänger. FT zeigt die Gründe auf.

von Dominik Sandler
4 min.
Ruben Amorim hockt an der Seitenlinie @Maxppp

Der Hoffnungsträger

Viele Fans haben bei Manchester United aufgeatmet, als offiziell wurde, dass Erik ten Hag nicht mehr Trainer der Red Devils sein wird. Vergleichsweise lange haben die Verantwortlichen in Manchester zugeschaut, wie sich der Niederländer mit seinem Team von einer Krise zur nächsten hangelte, der Sieg im FA Cup und damit verbunden die Teilnahme an der Europa League in diesem Jahr verschob das Unvermeidliche nur um einige Monate.

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Mit der Verpflichtung von Rúben Amorim keimte zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder so etwas wie Hoffnung im roten Teil von Manchester auf. Der Portugiese ist ein Gewinnertyp, was er bei Sporting Lissabon eindrucksvoll unter Beweis stellte. Ein klarer Plan, eine harte Hand und neuer Schwung sollten die scheinbar Untrainierbaren endlich wieder auf Kurs bringen.

Die harte Hand

Der 39-Jährige kam am 11. November mit einer klaren Vision ins Old Trafford. Für Ruud van Nistelrooy, der als Interimscoach überzeugt hatte, war plötzlich kein Platz, teure Spieler wie Antony sind außen vor, Talente wie Alejandro Garnacho werden suspendiert und dann nur noch sporadisch eingesetzt. Und Spieler wie Marcus Rashford, der sich nicht mehr zu 100 Prozent mit dem Projekt identifizieren kann, werden ansatzlos und ohne Aussicht auf eine zweite Chance gestrichen. Der 27-Jährige ist in Manchester geboren, verbringt schon sein ganzes Leben bei den Red Devils und ist als Idol vieler Fans auf dem Trikot mit der Nummer zehn oder als als Konterfei an den Hauswänden verewigt. In die Philosophie von Amorim passt er aber nicht und kann sich jetzt einen neuen Verein suchen.

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Das Resultat

Nach zehn Spielen unter Amorim zeigt die erste Zwischenbilanz: Bislang ist der Plan des Portugiesen nicht aufgegangen. Die guten Spiele gegen den FC Everton (4:0) und Manchester City (2:1) täuschen über insgesamt schwache Resultate hinweg. Schon fünf Niederlagen kassierte der einstige Topklub in zehn Spielen, gegen Tottenham (3:4), den AFC Bournemouth (0:3) und die Wolverhampton Wanderers (0:2) gab es zuletzt mitunter krachende Niederlagen. Van Nistelrooy hatte Manchester United auf dem 13. Platz übergeben, jetzt stehen die Red Devils auf Rang 14.

Gerade die jüngsten Auftritte waren große Rückschritte. „Es ist wirklich ein harter Moment, der noch lange nicht zu Ende ist“, gab Amorim nach dem schwachen Auftritt am Boxing Day gegen die Wolves zu Protokoll. Europa ist genauso weit entfernt wie ein möglicher Abstieg, United droht, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. „Im Moment müssen wir einfach nur überleben – und manchmal gewinnen.“ Worte, die wenig Mut fürs neue Jahr machen dürften. Denn die Probleme sind vielfältig.

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Das System

Amorim hatte schon vor seiner Ankunft keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Mannschaft an seinen Spielstil anpassen werde und nicht umgekehrt. Seit seiner Ankunft spielt ManUnited mit einer Dreierkette im 3-4-3, in dem einige Spieler noch ihre Rolle suchen. Etwa Noussair Mazraoui, der von den Neuzugängen noch am meisten überzeugt, inzwischen aber mal in der Dreierkette, mal auf der Schiene zu finden ist und damit seine Probleme zu haben scheint.

Und vorne drückt der Schuh so richtig, das wurde allen voran in den vergangenen beiden Spielen deutlich. Joshua Zirkzee, der sowohl von ten Hag als auch von Amorim in regelmäßigen Abständen kritisiert wird, hängt im neuen System völlig in der Luft und wirkt beinahe schon teilnahmslos. Und auch Rasmus Höjlund – für beide Stümer zusammen zahlte United über 110 Millionen Euro – ist zwar engagiert, bekommt aber nahezu keine Bälle serviert. So ist die Offensive im Moment in vielen Spielen recht zahnlos.

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Der fehlende Leader

Egal, wie schlecht es für United in den vergangenen Jahren lief: Bruno Fernandes lieferte eigentlich immer. Auch in dieser Saison hatte der Kapitän schon wichtige und starke Spiele dabei, leistet sich aber auch immer wieder Aussetzer. Die Gelb-Rote Karte gegen die Wolves war bereits sein dritter Platzverweis in dieser Saison – eines echten Leaders unwürdig. Zu oft fällt der Portugiese mittlerweile mehr durch seine Mecker-Anfälle gegen die Schiedsrichter oder die eigenen Mitspieler auf und trägt nicht unbedingt dazu bei, das fehlende Selbstvertrauen der vielen jungen Spieler zu stärken.

Die Torwart-Problematik

Dass André Onana nicht gefeit vor Fehlern ist, ist nicht erst seit dieser Saison bekannt. Doch die Alternative zum 28-Jährigen fehlt. Und während David de Gea, den die Red Devils im Sommer 2023 ablösefrei ziehen ließen, bei der AC Florenz seine ganze Klasse zeigt und aufblüht, muss ManUnited nahezu bei jedem Fernschuss zittern. Gegen die Spurs hütete Altay Bayindir (25) das Tor, kassierte aber einen Gegentreffer per direkt verwandelter Ecke. Jetzt gegen die Wolves stand wieder Onana zwischen den Pfosten und ihn ereilte das gleiche Schicksal. Die gegnerischen Teams finden gezielt Mittel und Wege, um die Torhüter der Red Devils herauszufordern – und werden in problematischer Regelmäßigkeit dafür belohnt.

Der Ausblick

In der Premier League geht es Schlag auf Schlag, schon am Montag (21 Uhr) empfängt Manchester United Newcastle United, es folgt die Auswärtsaufgabe beim FC Liverpool und der FA Cup gegen den FC Arsenal. Ein schweres Programm, in dem Amorim keine Zeit bleibt, um seinen Spielern seine Spielweise wirklich einzubläuen.

Er selbst hat den Überlebenskampf ausgerufen, Neuzugänge sollen im Winter kommen, aber im besten Fall nicht zu teuer sein. Der große Angriff soll dann endgültig im Sommer kommen. Sollten die europäischen Wettbewerbe aber verpasst werden, wird es eine Mammutaufgabe, Schwergewichte wie Viktor Gyökeres für den krisengebeutelten Standort Manchester zu begeistern.

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