Rennes vor CL-Debüt: Endlich kein Loser-Klub mehr

Erstmals in seiner Vereinsgeschichte tritt Stade Rennes in der Champions League an. Der Weg bis zur heutigen Partie gegen den FK Krasnodar (21 Uhr) war kein leichter, wurde jedoch seit dem Kurswechsel des Klubs konsequent durchgezogen.

Stade Rennes Cheftrainer Julien Stéphan ist seit 2018 im Amt
Stade Rennes Cheftrainer Julien Stéphan ist seit 2018 im Amt ©Maxppp

Wenn man Stade Rennes' historisch erfolglose Zeit vor 2018 zusammenfassen möchte, wird oft das Finale des Coupe de France aus dem Jahr 2009 als Fallbeispiel genannt. Damals hatte das Team aus der Bretagne den ersten Titelgewinn seit fast 40 Jahren vor Augen. Das Endspiel ging jedoch mit 1:2 verloren – gegen den damaligen Zweitligisten EA Guingamp.

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Kurz gesagt: Rennes genoss in Frankreich nicht unbedingt den Ruf eines Gewinner-Teams. „Rennes galt lange als Loser-Klub“, sagt Sébastien Denis, Redakteur unserer französischen Partnerredaktion Foot Mercato. Der Höhenflug des Teams komme daher durchaus überraschend. Doch vor rund zwei Jahren stellte der Klub die Weichen auf eine bessere Zukunft, deren Früchte nun geerntet werden.

Glücksgriff auf der Trainerbank

Im Winter 2018 war Rennes noch als Tabellen-14. den Abstiegsrängen entgegengetaumelt, Cheftrainer Sabri Lamouchi musste seinen Hut nehmen. Die Bretonen besetzten den Posten mit dem damals 38-jährigen Julien Stéphan, der bis dato die U19 und die Reservemannschaft des Klubs trainiert hatte.

Der als Cheftrainer noch vollkommen unerfahrene Franzose gewann prompt die ersten sechs Pflichtspiele und führte das Team letztlich zu einem ungefährdeten zehnten Tabellenplatz. Zehn Jahre nach der Schmach gegen Guingamp gelang Stéphan zudem der ersehnte Pokalgewinn, als Paris St. Germain im Elfmeterschießen bezwungen wurde.

Veränderte Transferpolitik

Ein weiterer Anstoß der Veränderung war auch der ständige Verlust von Talenten, wie Denis erklärt: „Nach dem Verkauf von Ousmane Dembélé änderten sie ihre Rekrutierungsstrategie, die nun auf vier Säulen basiert. Sie geben den Eigengewächsen mehr Zeit, sich im Verein zu entwickeln, sie rekrutieren gute Ligue 1-Spieler, es werden vielversprechende Talente mit potenziell hohem Verkaufswert verpflichtet und letztlich werden ein paar erfahrene Spieler geholt, um den Kader abzurunden.“

Stéphan als ehemaliger Nachwuchscoach passt von seinem Anforderungsprofil also perfekt in die veränderte Marschrichtung. Eine der ersten Amtshandlungen war, einen gewissen Eduardo Camavinga aus der Reserve zu den Profis hochzuziehen. Diesen Sommer wurden mit Brandon Soppy, Georginio Rutter und Adrien Truffert (alle 18) drei weitere Nachwuchsspieler in den Profikader integriert.

Der französische Nagelsmann

Dabei gilt Stépahn selbst als großes Talent. „Der Vergleich mit Julian Nagelsmann liegt nahe“, beschreibt Denis das Profil des 40-jährigen Cheftrainers, „er ist ein junger Trainer mit modernem Stil. Die Spieler lieben ihn und sie kennen ihn seit einer langen Zeit, als er noch Trainer der Jugendmannschaft war.“

Aktuell ist Rennes eines von zwei Teams, die in der Ligue 1 noch ungeschlagen sind in dieser Saison. Die gute Form wollen die Bretonen auch mit in die erste Champions League-Partie der Vereinsgeschichte nehmen – und den Makel als Loser-Klub weiter hinter sich lassen.

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