Labbadia bei Hertha: Hoffnungsträger mit Druck und Schönheitsmakel

Bruno Labbadia ist der neue Cheftrainer bei Hertha BSC. Nicht jeder mag den 54-Jährigen als Königslösung ansehen, wird dessen gute Arbeit in der jüngeren Vergangenheit aber kaum leugnen können.

Soll Hertha BSC stabilisieren und nach oben führen: Bruno Labbadia
Soll Hertha BSC stabilisieren und nach oben führen: Bruno Labbadia ©Maxppp

Sportchef Michael Preetz wird drei Kreuze machen, jetzt, wo Bruno Labbadia unterschrieben hat und in Kürze die Arbeit aufnehmen wird. Selten hat die T-Frage Hertha BSC so beschäftigt wie in dieser Saison. Der Corona-bedingte Stillstand mutet nach dem dritten Trainerwechsel der Saison fast schon wie eine Verschnaufpause an.

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Zuerst scheiterte das Experiment mit Ante Covic an fehlenden Abwehr-Tugenden und Resultaten, dann jenes mit Jürgen Klinsmann am Ego des Amtsinhabers. Unter Alexander Nouri knüpfte die Mannschaft schließlich wieder an die Covic-Zeit an, ließ Stabilität und Winner-Mentalität vermissen. Kurzum: Die Lage ist immer noch prekär und der Druck für Labbadia entsprechend groß.

Gute Arbeit in Hamburg & Wolfsburg

Doch das kennt der langjährige Bundesliga-Coach nicht anders. Und er kann auf Erfolge verweisen: Seine eineinhalb Jahre beim Hamburger SV markierten einen kurzen Aufschwung in der so enttäuschenden jüngeren Vereinshistorie der Rothosen. Den seinerzeit angeschlagenen VfL Wolfsburg formte Labbadia dann sogar zu einem Europa League-Teilnehmer.

Bei aller Kritik, der sich der ehemalige Bundesliga-Torjäger vor allem aus Richtung der Fanlager immer gegenübergesehen hat: Seine jüngsten Arbeitsnachweise sehen gut aus und lassen auf bessere Zeiten in der Hauptstadt hoffen. Seine Teams stehen stabil, aber auch für Torgefahr. Ausgewogenheit, die die Hertha von heute dringend benötigt. Ein weiterer Pluspunkt: Labbadia weiß, wie Abstiegskampf geht.

Schönheitsfehler Kovac

Einen Schönheitsfehler gibt es und trägt den Namen Niko Kovac: Schon allein aufgrund der Hertha-Vergangenheit, vor allem aber wegen eines Doubles mit dem FC Bayern nimmt die Öffentlichkeit den Kroaten automatisch als Königslösung wahr, die keine Lust auf Abstiegskampf hatte.

So erscheint Labbadia als Plan B, obwohl gar nicht verbürgt ist, dass Preetz Kovac wirklich eine höhere Priorität zugebilligt hat. So oder so: Meistert der neue Mann an der Seitenlinie mit der Alten Dame den Abstiegskampf, dürften die Einwände leiser werden. Führt er Hertha danach nach oben, verstummen sie ganz – und Preetz wird mindestens drei weitere Kreuze machen.

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