Wegen Veränderungen im europäischen Arbeitsrecht durch den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte die Bundesliga auf Kosten der Premier League profitieren. Das erklärt Gregor Reiter, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der deutschen Spielervermittler-Vereinigung DFVV, im Interview mit der ‚Sport Bild‘.

Die bisher innerhalb der EU gütige Arbeitnehmer-Freizügigkeit wird mit dem Brexit wegfallen. Das bedeutet, dass europäische Spieler künftig nur unter den gleichen Voraussetzungen verpflichtet werden können wie Spieler von anderen Kontinenten. Mit teuren Folgen für die Premier League. „Die Europäer haben dann zweifellos Vorteile. Ich erwarte, dass die begehrten Premier League-Plätze eher von europäischen Spitzenspielern besetzt werden als von qualitativ gleichwertigen Spielern aus Südamerika oder Afrika“, sagt Reiter.

Grund dafür ist ein Punktesystem, das bestimmt, ob Spieler eine Arbeitserlaubnis für die englische Spitzenliga erhalten. Dieses orientiert sich nach Stärke der Liga, Erfahrung in europäischen Wettbewerben und Nationalmannschaftseinsätzen, erklärt der DFVV-Präsident. Für Spieler wie Mesut Özil, die bereits in England unter Vertrag stehen, gilt dies allerdings nicht. Ihre Arbeitserlaubnis wird weiter nach altem Recht gelten.

Die Bundesliga profitiert als erstes

Warum kann die Bundesliga davon profitieren? „Kontinental-europäische Spieler werden in England teurer. Viele Spieler, die bisher mit einem Wechsel in die Premier League geliebäugelt haben, aber künftig die Voraussetzungen nicht erfüllen, werden sich auf andere Märkte konzentrieren müssen.“ Der nächste Markt auf der Liste wäre nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Bundesliga.

Die könnte dann künftig davon profitieren, dass die Vereine aus einer größeren Anzahl guter Spieler wählen können. Das senkt den Preis für diese Spieler. Für die Bundesliga könnte der Brexit also viele Vorteile bringen, denn Reiter glaubt: „Durch den Brexit wird die Bundesliga die Premier League mittelfristig als Nummer eins auf der Welt ablösen.“