Hat der überhaupt mitgespielt?“ Eine rhetorische Frage, die normalerweise auf einen Offensivspieler abzielt, der kaum in das Spiel eingebunden ist. Im gestrigen Fall musste man sich allerdings fragen, ob Roman Bürki (29) anwesend war. Vereinzelte TV-Aufnahmen beweisen: Borussia Dortmund hat tatsächlich mit Torwart gespielt.

Was sie über weite Strecken nicht hätten tun müssen. Den Grund für den durch Eintracht Frankfurt nie gefährdeten 4:0-Erfolg des BVB sah Mats Hummels (31) nach der Partie am ‚DAZN‘-Mikrofon nicht bei „der Defensive, sondern der ganzen Mannschaft“. Hummels hat Recht, im Kollektiv waren die Schwarz-Gelben griffig und bewegten sich gut gegen den Ball. In der vergangenen Woche hatte das überhaupt nicht funktioniert.

Can beweist seinen Wert

Diese grundsätzliche Feststellung sei gemacht, bevor die Leistung eines einzelnen Akteurs hervorgehoben werden soll. Hinten sicher gestanden, vorne, wie eigentlich immer, die Tore erzielt – klappt es in beide Richtungen, hat das sehr oft mit der Mitte zu tun. In diesem konkreten Fall mit Emre Can (26), der gegen die Eintracht im defensiven Mittelfeld ran durfte.

Am gestrigen Abend zeigte der Winter-Neuzugang von Juventus Turin, wofür man ihn geholt hat. Nicht für den feinen Spielaufbau à la Julian Brandt (25) – mit dem das Dortmunder Spiel nach vorne womöglich noch eine Spur sauberer gewesen wäre – sondern fürs Kämpfen, Laufen, Grätschen, Abkochen, Beißen.

Gesucht: Die Stabilität

All das bewies Can nicht nur bei seiner Statement-Grätsche gegen André Silva, die das Stadion in der 4. Spielminute auf Betriebstemperatur brachte. Auch als ihn Timothy Chandler schmerzhaft an der Ferse traf, biss Can auf die Zähne, humpelte zunächst und rackerte sich dann noch bis zu seiner Auswechslung nach einer guten Stunde Spielzeit ab. Dies tat er überzeugend und effektiv, sodass die Defensive entlastet war und die Offensive wirbeln konnte.

Den Brandtschen Spielaufbau, das ist eine der Botschaften des gestrigen Spiels, kann der BVB auf der Sechs auch mal verschmerzen – bei einer spielwütigen Angriffsreihe aus Sancho, Haaland, Hakimi, Guerreiro und Co. kommen Tore, wie Hummels ebenfalls richtig festgestellt hat, ohnehin fast von allein. Ein stabiles Konstrukt ist bei dieser Mannschaft weit weniger selbstverständlich und einer wie Can deshalb umso wertvoller.

Jetzt kommt PSG

Am Dienstag (21 Uhr) wird dieses Konstrukt ungleich stärker unter Beschuss geraten als gegen die gestern harmlose Eintracht. Im Champions League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain braucht Dortmund dringend einen erneut überzeugenden Emre Can. Die rhetorische Frage, ob Roman Bürki mitspielt, wird sich gegen Neymar, Mbappé und Co. jedenfalls nicht stellen.