Die Idee hinter dem Leihmodell im Fußball ist sinnvoll und wichtig gleichermaßen: Junge Spieler und Eigengewächse, die zwar Potenzial haben, sich aber bei ihrem Stammverein aufgrund der Konkurrenz noch nicht durchsetzen können, werden verliehen, damit sie Spielpraxis sammeln und sich entwickeln. Das wohl eindrucksvollste Beispiel – zumindest aus deutscher Sicht – ist Philipp Lahm. Der spätere DFB-Kapitän reifte einst beim VfB Stuttgart, ehe er beim FC Bayern zum Weltstar wurde.

Der Fußball kennt zudem Beispiele von Spielern, die sich bei ihren Leiharbeitgebern prächtig entwickelten und direkt dort blieben. Mats Hummels, Romelu Lukaku oder auch Thorgan Hazard, um nur drei zu nennen. In allen genannten Fällen ergab die Leihe für sämtliche Parteien Sinn. Nicht nur Aleksander Ceferin stört sich aber an den mittlerweile perversen Auswüchsen, die das Modell mit sich bringt.

Ceferin nennt zwei Probleme

Wir müssen das Verleihen von Spielern begrenzen. Einige Vereine haben 50 Spieler gleichzeitig verliehen. Ich kann verstehen, dass man junge Talente, 18-, 19-Jährige verleiht. Aber wenn man einen 30-Jährigen kauft und dann verleiht, dann geht es doch nur darum, andere Klubs zu schwächen. Wir haben einen Verein in Europa, der hat gerade 22 Spieler verliehen und 20 sind über 25 Jahre alt. Viele Klubs entwickeln keine jungen Spieler mehr, sie kaufen sie anderen weg, um sie dann zu verleihen und sie beeinflussen so den Wettbewerb“, kritisiert der UEFA-Präsident im gestrigen ‚Sportschau‘-Interview.

Ob man es glaubt oder nicht, die Zahl 50 ist sogar noch untertrieben. Der italienische Abomeister Juventus Turin hat aktuell 53 Spieler an die unterschiedlichsten Vereine verliehen. Fraglich, wer bei der Alten Damen da noch den Überblick behält.

Ceferin spricht mit der Anzahl und dem Verleihen von älteren Spielern, bei denen der ursprüngliche Sinn der Leihe komplett verfehlt wird, zwei Hauptprobleme an. Einen dritten und derzeit wohl problematischsten Auswuchs umschifft der Jurist. Wohl auch, weil er sich aufgrund des laufenden Verfahrens gegen Paris St. Germain nicht en détail äußern möchte.

Kaupflicht hebelt das Financial Fairplay aus

Die Klubs nutzen Leihmodelle, um das Financial Fairplay auszutricksen. In Italien ist es Gang und Gäbe, dass Spieler mit verbindlichen Kaufoptionen verliehen werden. Grund hierfür ist, dass die Ablöse auf den kommenden Bilanzbericht verschoben wird. Die Vereine können sich somit bei den FFP-Regularien Luft verschaffen. Die Grauzone blieb bislang eher unbeachtet, da die Italiener nicht die absoluten Superstars transferierten. PSG schoss in diesem Sommer aber nicht nur in Sachen Neymar-Deal den Vogel ab.

Auch die Verpflichtung von Kylian Mbappé kann als Kampfansage des aus Katar gelenkten Klubs an Ceferin und die UEFA betrachtet werden. Der 18-jährige Superstar spielt auf Leihbasis an der Seine. Die vereinbarte Ablöse von bis zu 180 Millionen wird zu einem späteren Zeitpunkt fließen. Dass der Shootingstar zur AS Monaco zurückkehrt, ist ausgeschlossen.

Schon der Neymar-Deal ist schwer mit dem FFP zu vereinbaren. Eine zusätzliche Mbappé-Verpflichtung hätte das gesamte Fairness-Prinzip ad absurdum geführt. Die neunmalklugen Pariser nutzen stattdessen die Leihmodell-Hintertür, um die Ablöse auf das kommende Jahr zu verschieben.

Das Financial Fairplay ist damit komplett ausgehebelt. Ceferin und die UEFA müssen durchgreifen, wenn sie noch eine Hoffnung für die Regulierungsmaßnahme sehen. Alles andere als eine empfindliche Strafe für PSG wäre eine Farce sondergleichen.