Lilles Offensiv-Verstärkungen: Der Rekordeinkauf zündet noch nicht

Nach dem Abgang von Victor Osimhen zur SSC Neapel schlug der OSC Lille im Sommer auf der Suche nach einem neuen Stürmer gleich doppelt zu: 27 Millionen Euro gaben die Nordfranzosen für Jonathan David von der KAA Gent aus, Burak Yilmaz kam ablösefrei von Besiktas. Wirklich überzeugen konnte bisher nur einer der beiden.

Burak Yilmaz bejubelt mit seinen Mannschaftskollegen ein Tor
Burak Yilmaz bejubelt mit seinen Mannschaftskollegen ein Tor ©Maxppp

Nach acht Spielen steht der OSC Lille in der Ligue 1 punktgleich mit Tabellenführer Paris St. Germain auf Platz zwei – ein Saisonstart nach Maß, der so nicht unbedingt zu erwarten war. Die Nordfranzosen mussten in der Sommertransferperiode unter anderem den Abgang von Top-Stürmer Victor Osimhen verkraften.

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Über Offensivprobleme können die Doggen aber aktuell nicht klagen. Der Europa League-Teilnehmer ist wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen und erzielte in den letzten vier Pflichtspielen insgesamt zwölf Tore.

Wesentlichen Anteil daran hat ausgerechnet Altmeister Burak Yilmaz, der im Sommer ablösefrei verpflichtet wurde. Der 35-jährige Türke übertraf bisher alle Erwartungen und traf in jeder der letzten vier Ligapartien, so auch beim 1:1 gegen den OGC Nizza am gestrigen Sonntag. Dabei ruhten die Hoffnungen vor Saisonbeginn eigentlich auf einem anderen Angreifer.

David mit Anlaufschwierigkeiten

Mit einigen Vorschusslorbeeren kam der heftig umworbene Nachwuchsstürmer Jonathan David, der zwischenzeitlich auch bei Borussia Mönchengladbach im Gespräch war, im Sommer zu den Doggen. Bisher blieb der 20-Jährige allerdings einiges schuldig. In neun Einsätzen konnte der Kanadier bis dato weder ein Tor noch eine Vorlage verbuchen. Gegen Nizza stand er in der Liga gar zum ersten Mal nicht in der Startelf.

Lille-Trainer Christophe Galtier verteidigte den Rekordeinkauf (27 Millionen Euro Ablöse) nach dem Spiel allerdings: „Davids Zeit wird sicher kommen. Jeder muss verstehen, dass Victor Osimhen im letzten Jahr ein Sonderfall war. Wenn er nicht trifft, muss man an den anderen Dingen arbeiten – und genau das machen wir gerade mit Jonathan.“ Noch hat der Coach also Geduld mit dem jungen Angreifer.

Dem 1,80 Meter großen Stürmer fehlte bei seinen bisherigen Auftritten noch das Selbstvertrauen. Selten sucht er den Abschluss, stattdessen spielt er den Ball in aussichtsreichen Schusspositionen lieber zum Mitspieler ab. Der Sprung aus der belgischen Liga in die Ligue 1 scheint David schwerer zu fallen als erwartet.

Yilmaz: Unspektakulär, aber zuverlässig

Mit vier Saisontoren hat sich im Schatten von Star-Einkauf David indes Routinier Yilmaz heimlich, still und leise in den Vordergrund gespielt. Die Spielweise des türkischen Nationalspielers ist nicht besonders spektakulär. Gegen Nizza war er lange nicht zu sehen, traf dann aber dennoch in bester Stürmermanier zum 1:1-Ausgleich – symptomatisch für das Spiel des 35-Jährigen.

Yilmaz verbrachte zwar bis auf ein kurzes Intermezzo in China seine gesamte Karriere in der Türkei, scheint jedoch im Gegensatz zu seinem Sturmpartner David keine Probleme zu haben, sich an die Ligue 1 zu gewöhnen. Mit seiner Erfahrung ist er auch im fortgeschrittenen Alter eine wichtige Waffe. Für Lille hat sich seine Verpflichtung schon jetzt voll ausgezahlt – bei David wird man abwarten müssen, ob die 27 Millionen Euro Ablöse für den Youngster eine gute Investition waren.

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