Niko Kovac übernimmt am Sonntag das Traineramt bei Borussia Dortmund und bindet sich bis Sommer 2026. Was kann der BVB erwarten? FT nennt fünf Punkte.

Organisation & Fitness
Kovacs Teams gehörten stets zu den fittesten der Liga. Die defensive Organisation stimmte ebenfalls. Bekannt ist, dass Kovac sich etwa in Frankfurt die Spielweise von Diego Simeones Atlético Madrid zum Vorbild nahm. Die richtigen Spielertypen dafür hat der spielerisch starke BVB-Kader sicherlich nicht. Zudem ist es mitten in der Saison mit vielen englischen Wochen sicherlich schwierig, das Team nennenswert fitter zu bekommen. Klar ist aber schon jetzt: In der Sommervorbereitung kommen die Bleiwesten raus.
Freiheiten für die Offensive
Solange das Spiel gegen den Ball passt, lässt Kovac seiner Offensivreihe viele Freiheiten. Durchchoreographierte aber auch langatmige Spielzüge wie unter Edin Terzic sind eher weniger zu erwarten. Genauso wenig wie die starke Fokussierung auf das unter Sahin so oft fehlerbehaftete Steil-Klatsch-Spiel über den dritten Mann im Aufbau.
Kompromisslosigkeit
Kovac ist ein geradliniger Trainer, der keine Angst davor hat, auch große Namen auszusortieren. In Frankfurt moderierte er etwa Klublegende Alex Meier ab, bei den Bayern verzichtete er häufig auf Thomas Müller und in Wolfsburg überwarf er sich mit Max Kruse, der bis heute schlecht über Kovac redet. Passend: In Dortmund gibt es so einige überbezahlte und phlegmatische (Ex-)Nationalspieler, die sich ihres Stammplatzes jetzt nicht mehr sicher sein dürfen.
Mediale Ausrutscher
Kovac ist zwar durchaus charismatisch, machte sich bei seinen bisherigen Stationen aber nicht gerade einen Namen als Medienprofi. „Stand jetzt“ bleibe er Trainer bei Eintracht Frankfurt, hatte er etwa 2018 gesagt, und nur kurz darauf als neuer Coach bei den Bayern angeheuert. Seine Aussage, Weltmeister Thomas Müller nur einwechseln zu wollen, wenn „Not am Mann“ sei, bezeichnete Kovac anschließend als Fehler. Die Bayern-Anhänger ärgerte er einmal damit, dass er frei raus sagte, dass Eintracht Frankfurt die „besten Fans der Liga“ habe. Und seinen Bayern-Stars sprach er einmal indirekt die Qualität ab: „Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 km/h schaffen.“ In der folgenden Saison gewann das beinahe unveränderte Team ohne Kovac das Triple.
Titel?
Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercupsieger 2019 mit den Bayern, Pokalsieger 2018 mit der Eintracht. Außerdem zwei zweitere erreichte Pokalfinals mit Frankfurt und Monaco: Kovac wird mit Amtsantritt gleich der Bundesliga-Trainer mit der größten Vita sein. Die Hoffnung in Dortmund: Nach einer Phase der Stabilisierung bringt Kovac das Titel-Gen beim ewigen Zweiten zurück. Zuerst gilt es aber, das aus erfolglosen Zeiten beim VfL Wolfsburg angekratzte Image loszuwerden.
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