1. Qualität des Spielers

Das wichtigste Kriterium. Vereine schicken ihre Scouts, um einen Spieler zu beobachten, der das Interesse geweckt hat. Anhand der Beobachtungen wird ein Qualitätsprofil erstellt, in dem sich verschiedene Faktoren wiederfinden wie etwa Antritt, Beweglichkeit, Technik, Übersicht, Schusstechnik und vieles mehr. Die generelle Qualität ist dabei wichtiger als die Leistung. Ein Spieler im Formhoch kann also im Endeffekt uninteressanter sein als jemand, der sein Potenzial momentan nicht auf den Platz bringt.

2. Alter des Spielers

Transfersummen sind vergleichbar mit Aktien. Sie beinhalten eine Spekulation auf die Zukunft. In jungen Jahren ist die Entwicklung eines Fußballers längst noch nicht abgeschlossen. Youngsters, die selbst noch kaum Erfahrung gesammelt oder sich konstant bewiesen haben, sind meist teuer als diejenigen Mitte 20. Immer mehr Klubs wollen junge Spieler, die Entwicklungspotenzial mitbringen. Folglich können sie dem Verein viele Jahre auf Topniveau helfen und gegebenenfalls bei entsprechender Entwicklung noch teurer weitertransferiert werden. Geht ein Akteur auf die 30 zu, ist seine Entwicklung meist abgeschlossen. Allerdings erhöht sich statistisch die Anfälligkeit für Verletzungen und er kann weniger Jahre auf Topniveau spielen. Das drückt die Ablöse.

3. Vertragskonditionen

Ist ein Spieler langfristig an den Verein gebunden, steigt die Ablösesumme automatisch. Umgekehrt ist es genauso. Grund: Je näher ein Vertragsende rückt, desto größer wird die Gefahr, den Spieler ablösefrei zu verlieren. Für den Fall, dass er nicht verlängern will, steigt gleichzeitig der Druck, noch eine Ablösesumme zu erzielen und somit die Bereitschaft, dem Interessenten finanziell entgegenzukommen.

Ausstiegsklauseln, die immer häufiger Verwendung finden, haben den gleichen Effekt wie ein auslaufender Vertrag. Der Verein gerät unter Druck und muss den Verkaufspreis der Klausel anpassen, wenn diese unter dem Marktwert liegt. Ein aktuelles Beispiel ist Mahmoud Dahoud, dessen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach 2018 ausläuft. Schon im kommenden Sommer könnte er den Verein für festgeschriebene zehn Millionen Euro verlassen. Max Eberl ist zum Handeln gezwungen.

4. Ligazugehörigkeit des Spielers

Spieler aus kleineren Ligen werden in der Regel billiger transferiert als Spieler aus den vier Topligen (Premier League, Serie A, Bundesliga, La Liga). So kostete beispielsweise N’Golo Kanté, der aus der Ligue 1 kam, Leicester City im Jahr 2015 humane neun Millionen Euro. Ähnlich günstig war Raphaël Guerreiro für den BVB (12 Mio.).

Regelrechte Schnäppchen können Vereine bei Spielern aus osteuropäischen Ligen machen. Robert Lewandowski beispielsweise kostete den BVB 2010 gerade einmal schlappe 4,75 Millionen. Leverkusen holte Arkadiusz Milik, der zuletzt für 32 Millionen zum SSC Neapel wechselte, 2013 für 2,6 Millionen Euro nach Deutschland. Aufgrund der immer professionelleren Scoutingarbeit der Vereine werden die Preise aber zukünftig auch für Spieler aus kleineren Ligen ansteigen.

5. Verletzungshistorie

Maßgeblichen Einfluss auf den Preis kann auch die Verletzungshistorie eines Spielers haben. Hat er im Laufe seiner Karriere mehrere Verletzungen erlitten und musste längere Ausfallzeiten beklagen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch in Zukunft passieren wird. So verkaufte Real Madrid Arjen Robben 2009 auch deswegen unter dem eigentlichen Marktwert (24 Mio.) an den FC Bayern, weil der Spieler körperlich extrem anfällig war. Oft erreichen Spieler, die von vielen schweren Verletzungen heimgesucht worden sind, auf lange Sicht nicht mehr ihr Topniveau. Auch das fließt in die Berechnung der Transfersummen ein.

6. Position

Ablösesummen richten sich nach den Positionen, auf denen die Spieler beheimatet sind. In der Regel sind Offensivspieler teurer als Defensivspieler. Auch für Torhüter wurden bisher nicht annähernd solch hohe Summen gezahlt wie für Offensivstars. Unter den Top10 der höchsten Ablösesummen im Weltfußball befinden sich ausschließlich Stürmer oder offensive respektive zentrale Mittelfeldspieler. Erst auf Platz 18 liegt mit John Stones ein Verteidiger, für den Manchester City in der Sommerpause rund 56 Millionen Euro überwies. Da das Anforderungsprofil für Verteidiger im modernen Fußball zunehmend an Komplexität gewinnt, werden die Preise für Verteidiger zukünftig allerdings stetig steigen.

7. Alleinstellungsmerkmal des Spielers

Ein weiterer Faktor liegt im Gesamtpaket des Spielers begründet. Ragt ein Spieler besonders hervor, was die Summe seiner Qualitäten angeht, hat dies maßgeblichen Einfluss auf seinen Preis. Ein bekanntes Beispiel war Gareth Bale, der zum Zeitpunkt seines Wechsels zu Real Madrid im Jahr 2013 die Komponenten Geschwindigkeit, Physis und Abschlussstärke wie kaum ein Zweiter im Weltfußball verkörperte. Es flossen rund 100 Millionen Euro Ablöse an die Spurs. Ein für viele Außenstehende unverhältnismäßig hoher Preis.

8. Angebot und Nachfrage

Je mehr Vereine Bedarf auf einer bestimmten Position haben und je weniger Spieler der Markt hergibt, die das Anforderungsprofil erfüllen, desto mehr steigen die Preise. Zuletzt ist dieses Phänomen bei Linksverteidigern auf Topniveau aufgetreten. Sie sind im Weltfußball rar gesät. Fábio Coentrão beispielsweise wechselte 2011 für 30 Millionen zu Real Madrid, Luke Shaw 2014 als 18-Jähriger für irrwitzige 37,5 Millionen zu Manchester United und Abdul Rahman Baba 2015 für 20 Millionen Euro zum FC Chelsea.

9. Markenwert

Nicht nur sportliche Kriterien bestimmen am Ende die Transfersumme, sondern auch das Image und damit die Attraktivität für die Werbebranche. Spieler sind längst zu Marken geworden. Von Werbeeinnahmen profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch die Vereine. Je größer die Fangemeinde eines Spielers auf den Social-Media-Kanälen und damit die Reichweite für potenzielle Werbebotschaften, desto höher die Gage.

Ein Spieler wie Neymar, der fast 60 Millionen Fans bei Facebook hat, würde seinem neuen Klub bei einem Vereinswechsel weltweit neue Anhänger generieren. Der Verein wäre automatisch interessanter für die Werbebranche und könnte somit lukrativere Sponsorendeals abschließen. Aus diesem Grund legte Manchester United zuletzt auch über 100 Millionen Euro für Paul Pogba auf den Tisch, weil er durch seine Extravaganz, die Verkörperung eines Lifestyles und seinen riesigen Wiedererkennungswert ein großes Markenpotenzial besitzt, das noch längst nicht ausgeschöpft ist.

10. Finanzielles Umfeld

Dabei muss differenziert werden zwischen dem Verein, bei dem der Spieler beheimatet ist und dem Verein, der den Spieler haben will. Bei finanziell wohlhabenden Vereinen, die nicht auf Transfererlöse angewiesen sind, gestalten sich die geforderten Ablösesummen meist höher als bei kleineren Vereinen, deren finanzielle Voraussetzungen Spielerverkäufe unabdingbar machen. RB Leipzig wird seine Spieler in der Regel teurer verkaufen können als der SV Werder Bremen. Gleichzeitig spielt eine wichtige Rolle, wie wohlhabend der bietende Verein ist. Als Musterbeispiel dient dazu die englische Premier League, in der sämtliche Vereine aufgrund der TV-Einnahmen finanziell besser situiert sind als Klubs in anderen Ligen und somit die gezahlten Ablösesummen im Schnitt deutlich höher ausfallen.

11. Bedarf des interessierten Klubs

Manchmal kommt es auf dem Transfermarkt zu einer gewissen Eigendynamik, die Ablösesummen am Ende in unvorhergesehene Sphären schrauben. Wenn die Zeit der Transferperiode sich dem Ende neigt und der Druck steigt, treten gewohnte Gesetze hin und wieder außer Kraft. So geschehen, als der FC Liverpool Fernando Torres im Jahr 2011 für fast 60 Millionen an den FC Chelsea verkaufte und daraufhin gezwungen war, entsprechenden Ersatz zu beschaffen. Um nicht ganz ohne klassischen Strafraumstürmer dazustehen, holte der Klub das damals gänzlich unbeschriebene Blatt Andy Carroll für 41 Millionen Euro und reinvestierte die Torres-Summe umgehend weiter.

12. Wille des abgebenden Klubs

Zu einem Transfer gehören neben dem Spieler immer zwei Parteien. Oft kommt es vor, dass der abgebende Klub seinen Spieler eigentlich unter keinen Umständen verlieren möchte und nur bei einer exorbitant hohen Summe bereit ist, zu verhandeln. Da sich die finanzielle Potenz sämtlicher Topklubs durch Investorenbeteiligungen sowie höhere TV- und Merchandising-Einnahmen über die Jahre stetig erhöht hat, steigt auch immer häufiger die Bereitschaft des interessierten Klubs, diese Summe am Ende des Tages auch zu zahlen.

Nur weil der interessierte Verein die extremen Forderungen des abgebenden Klubs erfüllt hat, bekamen unter anderem Gareth Bale, Antony Martial, Kevin de Bruyne oder zuletzt Henrikh Mkhitaryan die Freigabe für einen Wechsel. Auf der anderen Seite kommt es auch häufig vor, dass Vereine ihre Spieler unter Marktwert zum Verkauf anbieten, um finanzielle Kapazitäten für andere Spieler freizumachen oder Platz im Kader zu schaffen. Ein jüngeres Beispiel ist Mario Gómez, für den der VfL Wolfsburg lediglich eine Million Euro Ablöse an den AC Florenz zahlte.