Das ist das schwerste Spiel meines Lebens, aber ich werde es meistern.“ Die Vorwürfe, die das US-Finanzministerium im August 2017 gegen Rafael Márquez erhob, wiegen schwer und könnten aus einem Mafia-Film stammen.

Der ehemalige Star des FC Barcelona stecke mehr als tief im mexikanischen Drogensumpf und sei eine wichtige Bezugsperson des Kartellchefs Raúl Flores Hernández für Geschäfte in den USA und Europa.

Seit den Achtzigern verdient Hernández, genannt „El Tío“ (der Onkel), seinen Unterhalt mit schmutzigem Drogengeld. Márquez soll dem Mann aus der Unterwelt über zwei Jahrzehnte als Strohmann und Geldwäscher gedient haben, damit dieser seine illegalen Einnahmen verschleiern konnte.

Krumme Geschäfte mit El Chapo

Neun der 42 Firmen, die von der US-Justiz infolge der Untersuchungen vom Netz genommen wurden, werden dem mexikanischen Innenverteidiger zugeordnet. Darunter eine Fußballakademie, eine Stiftung und eine Rehaklinik. Sein Vermögen in den USA wurde eingefroren, das Visum für die Vereinigten Staaten entzogen.

Deals haben Márquez und „El Tío“ demnach auch mit dem berüchtigten Sinaola-Kartell abgewickelt. Das Syndikat wurde jahrelang von Joaquín Guzmán, besser bekannt unter dem Pseudonym „El Chapo“, angeleitet. „El Chapo“, der 2012 ein Vermögen von einer Milliarde Dollar angehäuft haben soll, geriet in die Schlagzeilen, weil ihm zweimal die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang.

Mexiko verehrt die Legende

Inzwischen sitzt „El Chapo“ erneut ein. Und Márquez? Der weist alle Anschuldigungen zurück, befindet sich auf freiem Fuß und trifft mit der mexikanischen Nationalmannschaft in WM-Vorrundengruppe F unter anderem auf Deutschland.

In seiner Heimat wird der 39-Jährige noch immer verehrt. Márquez besitzt Legendenstatus, für die Mexikaner ist er der Kaiser von Michoacán. Er war der erste seines Landes, der 2006 die Champions League gewann, 2009 folgte der nächste Triumph in der Königsklasse. Die europäische Fußballbühne und den FC Barcelona verließ Márquez 2010. Nach drei Jahren in den USA ging es zurück nach Mexiko.

Seine Karriere auf Vereinsebene hat Márquez im Frühjahr beendet. Endgültig will der 141-fache Nationalspieler die Schuhe nach dem Turnier in Russland, seiner fünften WM, an den Nagel hängen. Zur Ruhe kann sich Márquez dann aber nicht setzen, die Justiz sitzt ihm im Nacken. Sicher ist dem Confed Cup-Sieger von 1999 bei all der Turbulenzen wohl nur der Rückhalt aus der Heimat. Mexiko verehrt seine Legende.

US-Behörden veröffentlichten ein Organigramm des Drogensyndikats von Raúl Flores Hernández. In der zweiten Reihe von unten, ganz rechts ist Rafael Márquez abgebildet.