Anderlechts Lichtblick: Jérémy Doku empfiehlt sich für Höheres

Wäre das Coronavirus nicht dazwischen gegrätscht, hätte Jérémy Doku womöglich in den nächsten Tagen sein Länderspieldebüt für Belgien gegeben. Beim strauchelnden RSC Anderlecht zählt der 17-Jährige zu den Entdeckungen der Saison. FT hat sich den Senkrechtstarter genauer angesehen.

Jérémy Doku gelang in dieser Saison der Durchbruch
Jérémy Doku gelang in dieser Saison der Durchbruch ©Maxppp

Viel gibt es beim RSC Anderlecht in der laufenden Spielzeit nicht zu bejubeln. Das Experiment mit Vereinsikone Vincent Kompany (33) als Spielertrainer in die Saison zu gehen, wurde bereits nach vier Spieltagen beendet. Aktuell rangiert der RSC nur auf Rang acht, die schlechteste Platzierung seit über 20 Jahren. Obwohl es sportlich überhaupt nicht läuft, steht mit Jérémy Doku eines der größten Talente des Landes in Anderlecht unter Vertrag.

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Der Flügelspieler feierte bereits mit 16 Jahren sein Debüt in Belgiens höchster Spielklasse und zählt seit dieser Saison zum Stammpersonal in der ersten Mannschaft. Trotz der angespannten Situation hat der Youngster seinen Vertrag vor ein paar Wochen bis 2022 verlängert. Aufgrund belgischer Regularien darf der im Mai volljährig werdende Doku vor seinem 18. Geburtstag kein länger gültiges Arbeitspapier unterzeichnen.

Torgefährlichkeit fehlt noch

Sieht man sich die Spielanlage des Youngsters an, gibt es nicht viel zu bemängeln. Der Rechtsfuß kann sowohl auf dem linken als auch auf dem rechten Flügel zum Einsatz kommen und stiftet mit seinen schnellen, ansatzlosen Bewegungen oft Verwirrung beim Gegner. Hat der Temprodribbler viel grüne Wiese vor sich, ist er kaum noch aufzuhalten.

Doku sucht oft das Eins-zu-Eins und glänzt bisweilen vorwiegend als Vorbereiter für seine Mannschaftskameraden. Die enge Ballführung macht es für die Verteidiger besonders schwer, den richtigen Zeitpunkt für ein Tackling zu finden. Der größte Kritikpunkt, den man beim jungen Belgier anbringen muss, ist die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. In manchen Situationen ist die Dokus Entscheidungsfindung noch ausbaufähig.

Doku weckt Interesse

Durch das Coronavirus und die damit verbundenen Spielabsagen haben sich die Chancen auf das Debüt in der belgischen A-Nationalmannschaft vorerst in Luft aufgelöst. Doch man kann davon ausgehen, dass der Teenager sobald das Fußballgeschäft wieder Fahrt aufnimmt, seine Gelegenheit erhalten wird, bei den Roten Löwen vorzuspielen. 2017 debütierte Doku in der belgischen U15, seitdem durchlief er alle Auswahlmannschaften bis zur U21.

International sind die großen Klubs bereits auf den Sohn ghanaischer Eltern aufmerksam geworden. Laut ‚Dernière Heure‘ gibt es Interesse aus der Bundesliga. Mit dem FC Liverpool nennt ‚Het Nieuwsblad‘ einen weiteren klangvollen Kandidaten, der Doku auf dem Zettel haben soll.

Sprungbrett Anderlecht

Falls der Belgier eines Tages zu einem der größeren Klubs wechselt, würde er sich in eine Reihe prominenter Namen einreihen, die von Anderlecht aus ihrer Karriere gestartet haben. Allen voran Romelu Lukaku (26) ist Fußballfans auf der ganzen Welt ein Begriff, aber auch Youri Tielemans (22) oder zuletzt Sebastiaan Bornauw (20) schnürten zuerst in dem Brüsseler Vorort ihre Schuhe.

Nachwuchschef Craig Bellamy ist sich der Lage bewusst: „Der Verkauf junger Talente ist der einfachste Weg, um Gewinn zu erzielen. Es ist nicht realistisch zu glauben, dass man junge Leute fünf Jahre lang vielversprechend halten kann. Diese Zeiten sind vorbei. Aber wir müssen diesen Spielern Chancen geben. Dann bleiben sie eine Weile.“ Seine Chance hat Doku bisher eindrucksvoll genutzt.

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