Schalkes Jagd auf die Ex-Stars: Verzweifelt, aber überlebenswichtig?

Die neue Transfer-Strategie des FC Schalke 04 sucht in der jüngeren Bundesliga-Geschichte seinesgleichen. Die Königsblauen scheinen es sich zum Ziel gesetzt zu haben, möglichst viele Stars aus lange vergangenen Glanzzeiten zurückzuholen. Das wirkt verzweifelt, könnte aber funktionieren.

Jochen Schneider (l.) ist Sportchef auf Schalke
Jochen Schneider (l.) ist Sportchef auf Schalke ©Maxppp

Im Reich der Tiere gibt es so einige kuriose Wesen. Den Honigdachs zum Beispiel. Mit einer Schulterhöhe von weniger als 30 Zentimetern hat er den meisten anderen Raubtieren kaum etwas entgegenzusetzen. Was ihm an Größe fehlt, macht er jedoch mit Durchhaltevermögen und einer Vorliebe für mutige, wilde Angriffe wieder wett.

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Auch in schier aussichtslos wirkenden Kämpfen geht der Honigdachs so als Sieger hervor. Das sieht nicht hübsch aus – teilweise sogar lächerlich – doch am Ende zählt: Der Honigdachs überlebt. In Gelsenkirchen kommt der Mellivora capensis – wie er in Fachkreisen genannt wird – eigentlich nicht vor, dennoch scheint Schalke-Sportchef Jochen Schneider seinen inneren Honigdachs entfesselt zu haben.

Schneiders neue Taktik

Seit dem Start der Bundesliga-Saison 2020/21 sieht sich der 50-Jährige zahlreichen Angriffen ausgesetzt. Von Seiten der Fans, die immer wieder seinen Rücktritt fordern. Von Seiten der Medien, die in jeder Pressekonferenz kritische Fragen stellen. Von den Schalker Klubbossen, die das Treiben des Sportchefs genau beobachten.

Aber Schneider kämpft. Und seit Beginn der Winter-Transferperiode greift er zu kuriosen Mitteln. Der Schalker Hauptverantwortliche scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, möglichst viele ehemalige Spieler – teilweise sogar aus der Frührente – zurückzuholen, um sie für den königsblauen Abstiegskampf zu rekrutieren. Sead Kolasinac ist bereits da, Klaas-Jan Huntelaar soll folgen, genauso wie Rafinha.

Kreativ ist das nicht. Im Gegenteil: Die Bemühungen um die Ex-Stars wirken wie letzte Verzweiflungstaten eines Vereins, der ums nackte Überleben kämpft. Wie der Honigdachs uns lehrt, müssen Überlebenskämpfe aber nicht schön aussehen, sie müssen funktionieren. Und tatsächlich könnten sie das auch auf Schalke.

Kampf ums Überleben

Im ersten Spiel nach der Kolasinac-Rückkehr holte S04 den ersten Bundesliga-Sieg seit über einem Jahr. Der 27-Jährige brachte Königsblau dringend benötigte Intensität und Mentalität – Qualitäten, die man sich auch von Huntelaar und Rafinha verspricht. Abgesehen davon, dass beide Routiniers wohl auf Anhieb die besten Spieler im Schalke-Kader auf ihrer jeweiligen Position wären. Schließlich spielten beide mit Ajax beziehungsweise Olympiakos kürzlich noch in der Champions League.

Transfers mit Perspektive sind die möglichen Neuzugänge natürlich nicht. Im Sommer würden sich die Wege wohl wieder trennen, die Qualität im Kader erneut abfallen. Mittelfristige Planungen kann sich Schalke in der aktuellen Situation aber offenbar nicht leisten. Das Ziel Klassenerhalt steht über allem. Ein Ziel, das mit allen Mitteln erreicht werden soll – egal wie wild, kurios oder auch lächerlich sie wirken mögen. Der Honigdachs lässt grüßen.

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