Virologe erklärt: Geisterspiel-Bundesliga „machbar“

Der Plan der DFL ist klar formuliert. Ab dem morgigen Montag soll wieder trainiert werden, die Saison im Mai wiederaufgenommen und mit Geisterspielen zu Ende gespielt werden. Laut einem Virologen kann dieser Plan funktionieren – wenngleich Fragezeichen bleiben.

Die Saison wird wohl vor leeren Rängen zu Ende gespielt
Die Saison wird wohl vor leeren Rängen zu Ende gespielt ©Maxppp

Wenn es nach der DFL geht, wird die Bundesliga allmählich ihre Corona-Pause beenden. Ab dem morgigen Montag soll wieder trainiert werden, um die Spieler auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorzubereiten. Der soll im Mai erfolgen, die Saison bis in den Sommer hinein mit Geisterspielen zu Ende gespielt werden.

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Die wichtige Bedingung: Politik und Gesundheitsbehörden müssen dem Vorhaben zustimmen. Und nicht überall zeigen sich die Verantwortlichen dazu bereit. Das Bundesland Bremen hat einen Antrag, am Montag den Trainingsbetrieb in Kleingruppen verteilt auf zwei Plätze aufnehmen zu dürfen, abgelehnt. Die aktuelle Infektionslage lasse kein Training zu.

Geisterspiele machbar

Wann und ob Bremen seinen Standpunkt ändert, ist unklar. Laut dem Virologen Alexander Kekulé ist der DFL-Plan mitsamt Geisterspielen aus medizinischer Sicht aber umsetzbar. „Machbar ist alles. Man kann rein theoretisch sich überlegen, wie man die Bundesligaspieler speziell absichert, (...) und dafür sorgen, dass sie tatsächlich in der Lage sind zu spielen“, erklärte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale im ‚Aktuellen Sportstudio‘ im ‚ZDF‘.

Für die Spieler sei dies jedoch mit „drakonischen Maßnahmen“ verbunden: „Man müsste für sie den Lockdown verlängern. Sie müssten privat unter besonderen Sicherheitsbedingungen weiterleben. Die ganze Mannschaft müsste in eine Art Spezialquarantäne. Außerdem müsste man sie vor jedem Spiel neu testen.“

Moralische Fragen bleiben

Kekulé geht dabei von einer Gesamtkapazität von 20.000 Tests aus. „Rein virologisch wäre das Problem deshalb lösbar. Aber nur, wenn man eine Art spezielle Blase für die Fußballspieler schafft“, resümiert der Experte.

Dennoch wirft der 61-Jährige auch die Frage auf, ob es gesellschaftlich vertretbar wäre, die Bundesliga-Saison unter solchen Bedingungen durchzuführen. „Man muss sich auf der anderen Seite überlegen, wie man das den Menschen erklärt, dass der Fußball eine Spezialbehandlung bekommt und die Menschen in der Gastronomie, Reisebranche und vielen Dienstleistungsbranchen viel größere Schwierigkeiten haben. Das ist eine politische Frage“, so Kekulé.

Eine Rückkehr zum normalen Spielbetrieb in vollen Stadien hält der Virologe im Kalenderjahr 2020 für unrealistisch: „Ich würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum. Da wäre ich pessimistisch. Es sieht nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr noch ernsthaft so etwas ins Auge fassen.“

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