Ronaldos letzter Tanz: Portugal zählt zu den EM-Favoriten

von Lukas Hörster
4 min.
Portugal EM-Vorschau @Maxppp

Am 14. Juni startet die Europameisterschaft in Deutschland. Erst vier Tage später steigt Portugal ins Turnier ein. FT wirft schon jetzt einen Blick auf die Seleção und ihre wichtigsten Personalien.

Aktuelle Form

Seit dem Viertelfinal-Aus bei der WM gegen Marokko (0:1) befindet sich Portugal im Aufwärtstrend. Die EM-Qualifikationsgruppe J beendete die Seleção sogar verlustpunkfrei mit 30 Zählern aus zehn Partien (neunmal zu Null) auf Platz eins. Zugegeben: Mit Liechtenstein, Luxemburg, Bosnien, Island und der Slowakei war die Gruppe auch nicht allzu schwer. In den Testspielen in diesem Kalenderjahr gab es Siege gegen Schweden (5:2) und zuletzt gegen Finnland (4:2) sowie Irland (3:0), aber auch die erste Niederlage seit Katar: Ein 0:2 in Slowenien.

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Stärken & Schwächen

Portugal verfügt über einen qualitativ breiten Kader mit zahlreichen Spielern, die bei Europas Topklubs unterwegs sind. Routiniers wie der 41-jährige Pepe, Cristiano Ronaldo (39) oder Bernardo Silva (29) bringen eine riesige Erfahrung auf höchstem Niveau mit, werden aber auch angetrieben von der bereits übernächsten Generation um die Supertalente João Neves (19), António Silva (20) oder Francisco Conceição (21). Eine spannende wie vielversprechende Altersstruktur also.

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Spielerisch sieht es bei den Portugiesen mittlerweile auch in der Regel flüssiger aus als noch unter Pragmatiker Fernando Santos. Die Iberer können offensiv mit ihrer individuellen Qualität eine Menge Wucht entfachen, kassieren gleichzeitig aber nur wenig Gegentore: Seit der WM waren es nur sechs in 14 Partien. Eine Schwäche bei vergangenen Turnieren war die fehlende Spielstärke im Zentrum. Deshalb wird Bruno Fernandes bei der EM wohl in etwas zurückgezogener Rolle agieren und Bernardo Silva auf der Zehn die Bälle zuliefern.

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Der Trainer: Roberto Martínez

Roberto Martínez 51 Jahre - 15 Pflichtspiele Spanien Roberto Martínez
87% 13 Siege 0% 0 Unentschieden 13% 2 Niederlagen

Bei drei Turnieren durfte der Spanier versuchen, Belgiens goldene Generation zu einem Titel zu führen – erfolglos. Nach der WM in Katar übernahm Martínez dann Portugal und steht nun vor der selben Aufgabe: Ein erfolgreiches Team aus zahlreichen hochbegabten oder -dekorierten Einzelkünstlern zu formen. Die Bilanz seit Amtsantritt ist herausragend gut – doch fehlte bisher auch ein Duell mit einem ganz großen Gegner. Und genau diese konnte der 50-Jährige auch mit Belgien zu selten bezwingen. Bei der EM will Martínez ganz sicher zeigen, dass er es besser kann. Und ein klares Ziel hat er ebenfalls schon ausgerufen: „Alle Portugiesen sollen stolz auf uns sein.“

Der Star & Kapitän: Cristiano Ronaldo

Man dachte es schon öfter, doch diesmal ist die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich hoch: Cristiano Ronaldo, schon jetzt All-Time-EM-Rekordspieler (25 Einsätze), bestreitet in Deutschland wohl sein letztes großes Turnier. Der fünffache Weltfußballer traf für seinen saudischen Klub Al Nassr in der abgelaufenen Saison stolze 44 Mal in 45 Pflichtspielen – „eine der besten Saisons meiner Karriere“, urteilt der Superstar selbst.

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Nationaltrainer Martínez setzt auch weiterhin auf den 39-Jährigen im Sturmzentrum und der dankt es dem Belgier mit zehn Toren in zehn Partien. Spielt das portugiesische Ensemble bei der EM auch für ihr Vorbild, werden weitere Treffer hinzukommen. Klar ist aber auch: Bei der vergangenen WM musste Ronaldo mitten im Turnier auf die Bank. Damals aber noch unter Trainer Santos.

Player to watch: João Palhinha

João Palhinha im Einsatz für Portugal

An dieser Stelle stehen normalerweise keine 28-jährigen Spieler. Doch gerade aus deutscher Perspektive sind Palhinhas Leistungen bei dieser EM von besonderem Interesse. Der robuste Sechser ist einem Wechsel zum FC Bayern nahe. Und die Münchner werden nun nochmal genau hingucken. Denn auf internationaler Bühne ist Palhinha noch nicht allzu erfahren. Mit dem FC Fulham spielt er in nicht in UEFA-Wettbewerben und auch bei seinen Turnierteilnahmen mit Portugal war er bislang nur Ergänzungskraft. Diesmal geht Palhinha aber aller Voraussicht nach als Stammspieler ins Turnier. Kann er auch auf höchstem Niveau performen?

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Die Topelf

Portugals Startelf

Die FT-Prognose

Portugal ging schon bei vielen der vergangenen Turniere als Mitfavorit ins Rennen, enttäuschte dann aber doch und schied früh aus. Doch so stark und ausgeglichen wie aktuell war die Seleção vielleicht noch nie. Leistungsträger wie Bruno Fernandes oder Bernardo Silva befinden sich in Topform. Beweist zudem auch CR7 bei seinem letzten Tanz nochmal, dass er immer noch zu den Besten gehört, wird Portugal – auch angesichts einer machbaren Gruppe F mit der Türkei, Georgien und Tschechien – die K.O.-Runde erreichen. Dort wartet dann ganz sicher der ersten großen Gegner in Martínez‘ Amtszeit – und damit dann der große Prüfstein für Portugal, den EM-Mitfavoriten.

Portugals EM-Kader

Tor:

Diogo Costa (24/FC Porto)
Rui Patrício (36/AS Roma)
José Sá (31/Wolverhampton Wanderers)

Abwehr:

João Cancelo (30/FC Barcelona)
Diogo Dalot (25/Manchester United)
Rúben Dias (27/Manchester City)
Gonçalo Inácio (22/Sporting)
Nuno Mendes (21/Paris St. Germain)
Pepe (41/FC Porto)
Danilo Pereira (32/Paris St. Germain)
Nélson Semedo (30/Wolverhampton Wanderers)
António Silva (20/Benfica)

Mittelfeld:

Bruno Fernandes (29/Manchester United)
João Neves (19/Benfica)
Rúben Neves (27/Al Hilal)
Matheus Nunes (25/Manchester City)
João Palhinha (28/FC Fulham)
Vitinha (24/Paris St. Germain)

Angriff:

Francisco Conceição (21/FC Porto)
João Félix (24/FC Barcelona)
Diogo Jota (27/FC Liverpool)
Rafael Leão (24/AC Mailand)
Pedro Neto (24/Wolverhampton Wanderers)
Gonçalo Ramos (22/Paris St. Germain)
Cristiano Ronaldo (39/Al Nassr)
Bernardo Silva (29/Manchester City)

Dieser Artikel erschien erstmals am 5. Juni und wurde nun vor dem EM-Start der Portugiesen nochmal aktualisiert.

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