EM-Vorschau Niederlande: Koeman setzt nicht auf die Bundesliga-Stars

von Lukas Hörster
4 min.
EM Vorschau Niederlande @Maxppp

In rund drei Wochen beginnt die Europameisterschaft 2024 in Deutschland. FT checkt im Vorfeld die Topfavoriten. Heute: Die Niederlande.

Aktuelle Form

Nach dem unglücklichen Viertelfinal-Aus bei der WM 2022 gegen Argentinien (5:6 n.E.) ist bei der Elftal der Wurm drin. Dank souveräner Siege gegen kleinere Nationen gelang zwar die EM-Qualifikation recht souverän, doch gegen die Großen wurde reihenweise verloren: Frankreich (0:4 und 1:2), Kroatien (2:4 n.V.), Italien (2:3) und Deutschland (1:2) zogen der Niederlande den Zahn. Entsprechend backt man im Nachbarland trotz spannendem Kader vor der EM eher kleinere Brötchen.

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Stärken & Schwächen

Eine klare Stärke der Elftal ist ihre Kaderbreite. Nur die wenigsten Spieler sind unersetzbar, eher ist man fast überall doppelt gut mit Spielern aus großen Klubs oder aber in guter Form besetzt. Für Tore ist Oranje trotz fehlendem Mittelstürmer von Weltformat auch stets gut – doch kassiert das Team eindeutig zu viele Gegentreffer gegen starke Gegner. An der Einzelqualität der Defensivspieler liegt das nicht, spielen sie doch bei Manchester City, dem FC Liverpool oder beim FC Bayern. Eher verteidigt die Niederlande als Kollektiv nicht konsequent genug, es fehlen Automatismen. Womöglich auch ein Produkt immer wieder wechselnder Startformationen.

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Der Trainer: Ronald Koeman

Ronald Koeman 61 Jahre - 25 Pflichtspiele Niederlande Ronald Koeman
64% 16 Siege 8% 2 Unentschieden 28% 7 Niederlagen

2020 verließ Koeman die Nationalmannschaft, um beim FC Barcelona anzuheuern. Seit Anfang 2023 ist der 61-Jährige zurück im Amt – was in der Heimat schon bei der Verkündung kritisch beäugt wurde. Denn Koeman ist zum einen nicht mit dem klassischen 4-3-3-System der Elftal verheiratet – zum anderen sträubt er sich immer wieder, neue junge Spieler in sein Team zu integrieren. Prominente Opfer: Die Bundesliga-Akteure Jeremie Frimpong (23/Bayer Leverkusen), Ian Maatsen (22/Borussia Dortmund) oder auch Xavi Simons (21/RB Leipzig), der im März öffentlich sein Fett wegbekam: „Er macht es zu kompliziert. Er muss langsam die Erfahrung machen, dass wir in den Niederlanden nicht davon profitieren, den Ball zu verlieren.“ Auch Donyell Malen (25/Borussia Dortmund), Wout Weghorst (31/TSG Hoffenheim) und Matthijs de Ligt (24/FC Bayern) gehören zum Oranje-Aufgebot, haben aber eher geringe Startelf-Chancen.

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Der Star: Frenkie de Jong

Der Spielgestalter vom FC Barcelona hat eine ziemliche Seuchen-Saison hinter sich. Knöchelprobleme machten de Jong immer wieder zu schaffen, pünktlich zum Turnier soll der Blondschopf aber wieder fit sein. Seit Koemans Rückkehr verpasste de Jong acht von zwölf Länderspielen verletzungsbedingt. Sicherlich auch ein Grund für die überschaubaren Leistungen von Oranje. Umso mehr Hoffnungen ruhen nun auf dem gleichsam technisch starken wie dynamischen Mittelfeldmann, der bei Oranje den Takt angeben soll. Ein internationaler Titel fehlt de Jong nach wie vor.

Der Kapitän: Virgil van Dijk

Der Abwehrchef ist so etwas wie das Gegenteil des anfälligen de Jong. Van Dijk bestritt die vergangenen 19 Länderspiele allesamt von Anfang an, ist die große Konstante in der Elftal. Wie erwähnt bekam aber auch der Liverpool-Star die Abwehr nicht immer sattelfest. Genau das wird mit all der Führungsqualität und Aura des 32-Jährigen aber seine Aufgabe bei der EM. Schon in der Vorrunde trifft man auf Stürmer-Großkaliber wie Robert Lewandowski (Polen) und Kylian Mbappé (Frankreich).

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Player to watch: Bart Verbruggen

Stolze 20 Millionen Euro Ablöse zahlte Brighton & Hove Albion im vergangenen Sommer für Verbruggen an den RSC Anderlecht – und man wusste offenbar, was man tat. Zwar musste der Keeper manchmal auch aus dem Tor rotieren, bestritt aber die Mehrzahl der Saisonspiele in der Premier League und debütierte im Oktober für sein Heimatland. Besonders stark hielt Verbruggen dann in seinem fünften Länderspiel in Frankfurt gegen Deutschland (1:2). Behält der erst 21-Jährige auch auf der EM-Bühne die Nerven?

Die Topelf

Startelf Oranje

Die FT-Prognose

Der niederländische Kader gibt in Qualität und Quantität ein weites Vorstoßen im Turnier her. Doch fehlen Balance im Spiel gegen den Ball sowie ein absoluter Killer im Strafraum. Komponenten, die es aber erfahrungsgemäß braucht, um Titel zu gewinnen. Oranje wird genug damit zu tun haben, die schwierige Vorrundengruppe D mit Polen, Österreich und Frankreich zu überstehen. Ist das erstmal geschafft, könnte sich das Team mit der Zeit finden und durchaus bis ins Halbfinale kommen.

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Der vorläufige EM-Kader der Niederlande

Tor

  • Bart Verbruggen (21/Brighton & Hove Albion)
  • Justin Bijlow (26/Feyenoord Rotterdam)
  • Mark Flekken (30/FC Brentford)
  • Nick Olij (28/Sparta Rotterdam)

Abwehr

  • Virgil van Dijk (32/FC Liverpool)
  • Stefan de Vrij (32/Inter Mailand)
  • Daley Blind (34/FC Girona)
  • Nathan Aké (29/Manchester City)
  • Lutsharel Geertruida (23/Feyenoord Rotterdam)
  • Jeremy Frimpong (23/Bayer Leverkusen)
  • Matthijs de Ligt (24/FC Bayern)
  • Ian Maatsen (22/Borussia Dortmund)
  • Micky van de Ven (23/Tottenham Hotspur)
  • Denzel Dumfries (28/Inter Mailand)

Mittelfeld

  • Teun Koopmeiners (26/Atalanta Bergamo)
  • Jerdy Schoutten (27/PSV Eindhoven)
  • Marten de Roon (Atalanta Bergamo)
  • Joey Veerman (25/PSV Eindhoven)
  • Tijjani Reijnders (25/AC Milan)
  • Ryan Gravenberch (22/Liverpool)
  • Frenkie de Jong (27/Barcelona)
  • Quinten Timber (22/Feyenoord)
  • Georginio Wijnaldum (33/Al Ettifaq)
  • Xavi Simons (21/RB Leipzig)

Angriff

  • Donyell Malen (25/Borussia Dortmund)
  • Cody Gakpo (25/FC Liverpool)
  • Wout Weghorst (31/TSG Hoffenheim)
  • Memphis Depay (30/Atlético Madrid)
  • Steven Bergwijn (26/Ajax Amsterdam)
  • Brian Brobbey (22/Ajax Amsterdam)

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