Italien bei der EM: Ein Underdog als Titelverteidiger

von Georg Kreul
5 min.
Italien EM Vorschau @Maxppp

Italien geht bei der EM als Titelverteidiger an den Start. Doch bei der Sqadra Azzurra hat sich im Vergleich zum Triumph von 2021 einiges geändert. FT wirft einen Blick auf die runderneuerte italienische Nationalmannschaft, die in der Todesgruppe B unter anderem auf Spanien trifft.

Aktuelle Form

Die italienische Nationalmannschaft hat in den vergangenen Jahren eine Achterbahnfahrt hingelegt. Zwar feierte der viermalige Europameister 2021 den überraschenden EM-Triumph, doch im Anschluss verpasste man bereits zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft.

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Das Turnier in Deutschland soll wieder zum Highlight werden. In der Qualifikationsgruppe C landete Italien hinter England auf Platz zwei. Die Bilanz: Vier Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Beide Pleiten kamen gegen die Engländer zustande, die am Ende auf Platz eins landeten.

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Stärken & Schwächen

Auch wenn die Italiener in den zurückliegenden Jahren nach den Rücktritten von Abwehrlegenden Giorgio Chiellini und Co. einiges an Qualität eingebüßt haben, bleibt die Defensive das Prunkstück: Mit Alessandro Bastoni (25), Matteo Darmian (34), Federico Dimarco (26) bilden voraussichtlich gleich drei Spieler aus Inter Mailands Meistermannschaft einen großen Teil der Abwehrkette.

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Im Mittelfeld und der Offensive ist der Konkurrenzkampf dagegen nicht so groß. Nach wie vor macht sich das Fehlen von Sandro Tonali (24) bemerkbar. Der Mann von Newcastle United ist seit Oktober wegen illegaler Wettaktivitäten gesperrt. Der langjährige Fixpunkt Marco Verratti (31), der mittlerweile in Katar bei Al-Arabi SC seine Brötchen verdient, wurde erst gar nicht nominiert.

Im Sturm verzichtete Spalletti auf den ewigen Ciro Immobile (34), der sich bei Lazio Rom in der abgelaufenen Saison immer wieder mit Verletzungen herumplagte. Um den Platz im Sturmzentrum konkurrieren derzeit Newcomer Mateo Retegui (25) vom FC Bologna, der in sechs Länderspielen vier Tore erzielen konnte, und Giacomo Raspadori (24) von der SSC Neapel, nach 26 Länderspielen bei sechs erzielten Treffern.

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Der Trainer: Luciano Spalletti

Luciano Spalletti 65 Jahre - 10 Pflichtspiele Italien Luciano Spalletti
40% 4 Siege 30% 3 Unentschieden 30% 3 Niederlagen

Spalletti befindet sich immer noch in seinem ersten Jahr als Italien-Trainer. Erst im vergangenen September übernahm der 65-Jährige, nur wenige Tage vor Beginn der EM-Qualifikation, erstmals eine Nationalmannschaft. Roberto Mancini, der für den EM-Triumph 2021 verantwortlich war, hatte die Squadra Azzurra kurzfristig und überraschend zugunsten eines Engagements in Saudi-Arabien verlassen. Spalletti musste also auf Anhieb einen Weg finden, um Italien in der Spur zu halten.

Während der gesamten EM-Qualifikation ließ der Trainerfuchs sein Team im 4-3-3-System agieren, mit dem er die SSC Neapel 2023 zum Scudetto führte. Zuletzt testete Spalletti jedoch auch vermehrt ein 3-4-2-1-System, das bei den jüngsten Freundschaftsspielen gegen Venezuela (2:1) und Ecuador (2:0) einen sehr guten Eindruck hinterließ. Möglich, dass es bei der EM dabei bleibt. Es wird spannend zu sehen sein, ob Spalletti seinen Erfolg aus dem Vereinsfußball auch auf ein Kontinentalturnier übertragen kann.

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Der Star: Nicolò Barella

Bei Italiens jüngster Partie, dem 2:0-Sieg gegen Ecuador Ende März, trug Barella in seinem 53. Länderspiel erstmals die Kapitänsbinde. Ein Beispiel dafür, welchen Stellenwert der 27-Jährige mittlerweile einnimmt. In den acht Partien unter Spallettis Leitung stand der Mittelfeldmotor immer von Beginn an auf dem Platz. Der laufstarke Rechtsfuß ist in Italiens Zentrale ebenso omnipräsent wie bei Inter Mailand.

Sowohl beim amtierenden italienischen Meister als auch im Nationalteam fungiert Barella als Herzstück seines Teams und hat bei fast jedem Spielzug seine Füße im Spiel. Schon beim EM-Titel 2021 war der Inter-Profi zentraler Bestandteil und ist jetzt noch wichtiger.

Der Kapitän: Gianluigi Donnarumma

Traditionell geht die Armbinde der Squadra Azzurra an denjenigen in der Startelf, der die meisten Länderspiele in der A-Nationalmannschaft absolviert hat. Gianlugi Donnarumma hat derer mittlerweile 61 und damit mehr als jeder andere im aktuellen Italien-Team. Der 25-Jährige folgt damit der Tradition seines Vorgängers Gianluigi Buffon, der von 2010 bis 2018 als Torhüter die Binde trug. Bei der EM 2020 war Donnarumma ein entscheidender Rückhalt und zählte zu den besten Spielern des Turniers. Auf den Profi von Paris St. Germain wird es auch dieses Jahr ankommen, wenn es in der Gruppe B gegen Albanien, Kroatien und Spanien zur Sache geht.

Player to watch: Mateo Retegui

Ganz junge Spieler, vergleichbar mit den DFB-Youngstern Florian Wirtz (21) oder Jamal Musiala (21), finden sich in der Squadra Azzurra nicht. Dafür könnte bei dieser EM der Stern von Neuling Mateo Retegui aufgehen. Der 25-Jährige vom FC Genua schickt sich an, Italiens langfristige Lösung auf der Stürmerposition zu werden. Angesichts des nicht jünger werdenden Ciro Immobile (34) und der ausbleibenden Entwicklung von Konkurrent Gianluca Scamacca (25) ist es Retegui, der sich mit vier Treffern in sechs Länderspielen in den Vordergrund gespielt hat. Beim 2:0-Sieg gegen Ecuador schnürte der Rechtsfuß einen Doppelpack und könnte schon zu Turnierbeginn gesetzt sein.

Die Topelf

Italien mögliche EM-Aufstellung

Die FT-Prognose

Zwar zählt ein Titelverteidiger auf dem Papier in aller Regel zu den Favoriten. Doch das heutige Team der Italiener ist keinesfalls mit der Mannschaft von vor drei Jahren vergleichbar. Sollte die Squadra Azzurra in der Todesgruppe mit Spanien, Kroatien und Albanien nicht in der Vorrunde ausscheiden, ist dank des Turnierbaums auch ein Run bis ins Halbfinale möglich. Dies dürfte bei dem Qualitätsverlust der vergangenen Jahre wohl das höchste der Gefühle sein. Eine Titelverteidigung wäre eine noch größere Überraschung als der Triumph in London 2021.

Italiens vorläufiger EM-Kader

Tor:

  • Gianluigi Donnarumma (25/Paris St. Germain)
  • Alex Meret (27/SSC Neapel)
  • Ivan Provedel (30/Lazio Rom)
  • Guglielmo Vicario (27/Tottenham Hotspur)

Abwehr:

  • Alessandro Bastoni (25/Inter Mailand)
  • Raoul Bellanova (24/FC Turin)
  • Alessandro Buongiorno (24/FC Turin)
  • Riccardo Calafiori (22/FC Bologna)
  • Andrea Cambiaso (24/Juventus Turin)
  • Matteo Darmian (34/Inter Mailand)
  • Giovanni Di Lorenzo (30/SSC Neapel)
  • Federico Dimarco (26/Inter Mailand)
  • Gianluca Mancini (28/AS Rom)

Mittelfeld:

  • Nicolò Barella (27/Inter Mailand)
  • Bryan Cristante (29/AS Rom)
  • Nicolò Fagioli (23/Juventus Turin)
  • Michael Folorunsho (26/Hellas Verona)
  • Davide Frattesi (24/Inter Mailand)
  • Jorginho (32/FC Arsenal)
  • Lorenzo Pellegrini (27/AS Rom)
  • Samuele Ricci (22/FC Turin)

Angriff:

  • Federico Chiesa (26/Juventus Turin)
  • Stephan El Shaarawy (31/AS Rom)
  • Riccardo Orsolini (27/FC Bologna)
  • Giacomo Raspadori (24/SSC Neapel)
  • Mateo Retegui (25/FC Genua)
  • Gianluca Scamacca (25/Atalanta Bergamo)
  • Mattia Zaccagni (28/Lazio Rom)

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