Trotz DFB-Nachwuchsproblemen: Auf diese Toptalente darf man sich freuen

Erst Ende Januar schrieb Oliver Bierhoff in einem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag, dass die aktuelle Lage bezüglich der deutschen Talente zurzeit „nicht gut“ aussieht. Die breite Masse an hochkarätigen Talenten fehle. Einige Ausnahmetalente hat der DFB aber dennoch. Jamal Musiala hat sich erst heute entschieden, künftig den Adler auf der Brust zu tragen.

Die Zukunft des DFB: Jamal Musiala, Youssoufa Moukoko und Karim Adeyemi
Die Zukunft des DFB: Jamal Musiala, Youssoufa Moukoko und Karim Adeyemi ©Maxppp

Youssoufa Moukoko (16/Borussia Dortmund)

Er gilt als der beste 16-Jährige der Welt. Schon jetzt lastet gefühlt die Hoffnung einer ganzen Nation auf Moukokos Schultern. Eine ziemliche Bürde für einen Teenager. Der Linksfuß soll das Sturmproblem beim DFB lösen – lieber heute als morgen – und der neue Star der Nationalmannschaft werden. Dass er dafür die nötigen Anlagen mitbringt, zeigt die fulminante Quote im Jugendbereich: 23 Spiele, 44 Tore und zehn Vorlagen. So lautet seine Bilanz in der U19 Bundesliga West und das, obwohl Moukoko durchschnittlich vier Jahre jünger als die anderen Spieler auf dem Platz war. Kein Wunder, dass ein großer Hype entstand.

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Ebenso wenig verwunderlich ist, dass auch der BVB den 16. Geburtstag des Juwels kaum erwarten konnte und sich der 1,79 Meter große Stürmer seitdem regelmäßig mit den Großen messen darf. Zwei Tore in zwölf Einsätzen sind angesichts seines Alters und seiner durchschnittlichen Einsatzzeit (rund 30 Minuten) ein ausgezeichneter Wert. Sollte Moukoko so weitermachen, ist klar, dass er es früher oder später in die Nationalmannschaft schaffen wird. Da sowohl der DFB als auch der BVB darauf bedacht sind, den Hype um den Ausnahmestürmer nicht ausarten zu lassen, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis man den Wunderknaben in der A-Nationalmannschaft bestaunen darf.

Luca Netz (17/Hertha BSC)

Die Position des Linksverteidigers gehörte in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade zu den qualitativ am stärksten besetzten im DFB-Team. Zukünftig könnte Netz das ändern. Der Linksfuß paart einen starken Offensivdrang mit defensiver Stabilität, womit er ideal den Anforderungen an einen modernen Außenverteidiger entspricht. Bei der Hertha geht der gebürtige Berliner in dieser Saison seine ersten Schritte im Profifußball. Acht Einsätze, zwei davon in der Startelf stehen für den 17-Järigen mittlerweile zu Buche.

Auch Topklubs stehen Schlange, um das körperlich bereits sehr weit entwickelte Ausnahmetalent unter Vertrag zu nehmen. Zuletzt im Winter der FC Bayern. Gebracht haben die Flirtversuche bisher nichts. Netz sieht seine Zukunft mittelfristig bei der Hertha. An seinem 18. Geburtstag (15. Mai) verlängert sich sein Arbeitspapier bis 2023. Sollte der Flitzer bei der Hertha weiter so auftrumpfen, wird eine Einladung in die Nationalmannschaft wohl nicht mehr ewig auf sich warten lassen – die Qualität auf seiner Position ist ja bekanntlich nicht die allergrößte.

Florian Wirtz (17/Bayer Leverkusen)

Wer mit gerade einmal 17 Jahren schon Stammspieler und Leistungsträger in Leverkusen ist, muss ein Ausnahmetalent sein. Im zentralen Mittelfeld der Werkself zieht der gebürtige Pulheimer die Fäden. Mit einer starken Technik, einer guten Positionierung und einer exzellenten Übersicht ist der Rechtsfuß nahezu immer anspielbereit und bringt die Bälle auch in Drucksituationen mit einer beeindruckenden Ruhe an den Mann.

Bereits jetzt sehen Wirtz viele Experten ebenso wie sein Trainer Peter Bosz in der Nationalmannschaft. Auch Bundestrainer Joachim Löw wollte sich bereits vor zwei Wochen im Spiel gegen Mainz 05 live im Stadion ein Bild von dem Mittelfeldspieler machen, ehe eine Autopanne seine Reise verhinderte. Dass der Besuch bald nachgeholt wird, ist selbstverständlich, ebenso wie die Tatsache, dass wir Wirtz eher früher als später in der Nationalmannschaft sehen werden.

Karim Adeyemi (18/RB Salzburg)

Der Stürmer arbeitet in Österreich, und somit etwas außerhalb des Blickfelds der meisten Deutschen, an seiner großen Karriere. Adeyemi besticht vor allem durch sein enormes Tempo. Laut eigener Aussage schafft der Linksfuß eine Spitzengeschwindigkeit von 38 km/h. Gepaart mit seinem starken Dribbling ist der gebürtige Münchner kaum vom Ball zu trennen. Zwei Tore und vier Vorlagen in 15 Ligaeinsätzen sind ihm in der laufenden Spielzeit gelungen. Auch in der Champions League durfte der Sprinter bereits seinen ersten Treffer bejubeln.

Zurzeit ist Adeyemi noch in der Deutschen U19-Nationalmannschaft gelistet. Mit weiteren Einsätzen im Profifußball dürfte der Offensivspieler bald ein Kandidat für die U21 sein. Für die A-Mannschaft muss der ehemalige Jugendspieler des FC Bayern jedoch noch eine große Schippe drauflegen und in einer stärkeren Liga für Furore sorgen.

Lazar Samardzic (19/RB Leipzig)

Mit ihm sicherte sich Leipzig vor der Saison eines der begehrtesten Talente der Bundesrepublik. Der offensive Mittelfeldspieler paart einen starken Abschluss mit einem guten Auge für die Mitspieler. Julian Nagelsmann will das Juwel langsam aufbauen, attestierte vergangene Woche vor der Partie gegen Hertha, dass dem Linksfuß noch „eine gewisse Männlichkeit fehlt, um sich in der Bundesliga seriös durchzusetzen.“ Im Klartext heißt das, dass sich der seit heute 19-Jährige noch zu leicht verunsichern lasse, sollte etwas mal nicht so klappen wie gewünscht.

Bis zur A-Nationalmannschaft fehlt Samardzic noch ein gutes Stück, seine Ballbehandlung und das Auge für den Nebenmann sind aber außergewöhnlich. In Leipzig möchte man dem aktuellen U20-Nationalspieler aber die nötige Zeit lassen, sich zu entwickeln. Einsätze in der Bundesliga helfen dabei, fünfmal lief der gebürtige Berliner bisher auf.

Jamal Musiala (17/ FC Bayern München)

Aus Nationalmannschaftssicht erst seit heute offiziell Deutscher darf sich Musiala bereits jetzt berechtigte Hoffnungen machen, im März von Löw eingeladen zu werden. Dem DFB gelang es, eines der größten Offensiv-Talente weltweit für sich zu gewinnen. Der 17-Jährige hätte schließlich auch für England und Nigeria auflaufen dürfen. Wie der Rechtsfuß im Interview mit der Tagesschau betont, hat ein persönliches Gespräch mit Löw den Ausschlag gegeben.

Freuen darf sich Fußball-Deutschland auf einen Edeltechniker, der stets in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und die richtigen Entscheidungen trifft. Wettbewerbsübergreifend 25 Einsätze in dieser Saison verdeutlichen, welche Rolle Musiala bereits mit 17 Jahren beim Rekordmeister innehat. Seit der gestrigen Partie gegen Lazio Rom (4:1) ist der gebürtige Stuttgarter außerdem der jüngste deutsche Torschütze in der Champions League aller Zeiten.

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