Transfer-Domino: Wann fällt der erste Stein?

In den vergangenen Jahren kam der Sommertransfermarkt oft nach einem Blockbuster-Transfer erst richtig in Fahrt. Sobald der größte Stein umkippte, setzte sich das Transfer-Domino fort und brachte einen Wechsel nach dem anderen zustande. Doch in Zeiten von Corona droht der Domino-Day auszufallen.

Jadon Sancho, Lautaro Martínez und Kai Havertz (v.l.)
Jadon Sancho, Lautaro Martínez und Kai Havertz (v.l.) ©Maxppp

Wann findet der eine große Transfer statt, der den Markt ins Rollen bringt? Diese Frage wurde in den vergangenen Jahren in der Regel recht früh im Sommer beantwortet. Im Juni 2019 gab Real Madrid die Verpflichtung von Eden Hazard für 100 Millionen Euro bekannt. Am 3. Juli war der 126 Millionen Euro teure Wechsel von João Félix unter Dach und Fach, zwei Wochen später gab Atlético Madrid im Gegenzug Antoine Griezmann für eine ähnliche Summe an den FC Barcelona ab.

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Altlasten als Top-Transfers

Diesen Sommer ist die Situation aufgrund der Corona-Pandemie eine gänzlich andere. Nimmt man die hauptsächlich aus Bilanzgründen angegebenen Ablösesummen beim Tauschgeschäft von Arthur (23) und Miralem Pjanic (30) zwischen dem FC Barcelona und Juventus Turin raus, ist Álvaro Morata der aktuell teuerste Sommertransfer.

Aufgrund einer Kaufpflicht zahlt Atlético 56 Millionen Euro für den 27-jährigen Angreifer, der zuvor auf Leihbasis für die Rojiblancos spielte, an den FC Chelsea. Mit Mauro Icardi (27), den Paris St. Germain für 50 Millionen Euro festverpflichtete, findet sich ebenfalls ein bereits ausgeliehener Spieler unter den teuersten Transfers.

Sané als Benchmark?

Auffällig sind bislang viele Wechsel, die vor Corona noch als mittelteure Transfers bewertet worden wären. Timo Werner verließ RB Leipzig aufgrund einer Ausstiegsklausel für 53 Millionen Euro zum FC Chelsea. Ob der 24-Jährige ohne Klausel unter den aktuellen Umständen nochmal deutlich teurer geworden wäre, bleibt bei den bisherigen Summen fraglich.

Leroy Sanés Wechsel von Manchester City zum FC Bayern München war neben dem Transfer von Achraf Hakimi (für 40 Millionen Euro von Real Madrid zu Inter Mailand) einer der wenigen frei verhandelten Deals der vergangenen Wochen. Die Münchner zahlten für den 24-Jährigen lediglich 45 Millionen Euro. Zwar sollten die lange Verletzungszeit und die restliche Vertragslaufzeit des Flügelspielers berücksichtigt werden, doch könnte der Wechsel gut zur Einordnung künftiger Geschäfte dienen.

Was wird aus Sancho & Co?

Wie schwierig sich Deals in weit höheren Preislagen gestalten, zeigen die Beispiele von Lautaro Martínez (22), Jadon Sancho (20) und Kai Havertz (21) – den wohl größten Dominosteinen des Sommers. Dem Trio hängt jeweils ein Preisschild von über 100 Millionen Euro an, doch die Verhandlungen verlaufen recht unterschiedlich.

Lautaro wird seit Monaten vom FC Barcelona umgarnt, doch der Stürmer von Inter Mailand liegt wohl dieses Jahr finanziell außerhalb des Budgets der Katalanen. Die Verhandlungen zwischen den Klubs liegen derzeit auf Eis. Sollte Barça nicht noch auf einige Geldkoffer im Keller stoßen, wird der Wechsel kaum noch diesen Sommer über die Bühne gehen.

Auch bei Sancho zweifelt man derzeit, dass eine Wechsel-Vereinbarung getroffen wird. Manchester United pokert scheinbar noch als einzig ernsthafter Interessent um den Ausnahmekönner von Borussia Dortmund. Ob die Red Devils ihren Wunschspieler bekommen, ist derzeit offen.

Chelsea zuversichtlich bei Havertz

Der wahrscheinlichste Dominostein, der den Markt ins Rollen bringen könnte, ist derzeit der Transfer von Havertz. Mittlerweile lautet die Frage nicht mehr ob, sondern wann das Supertalent Bayer Leverkusen in Richtung Chelsea verlässt. Doch sollten die Verhandlungen sich tatsächlich bis nach dem Europa League-Turnier im August hinziehen, wäre es trotz des Transferfensters bis in den Oktober hinein ein recht später Domino-Day.

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