Flicks Lob für Brazzo: Welchen Mehrwert haben die Last-Minute-Käufe wirklich?

Nicht weniger als vier Neuzugänge präsentierte der FC Bayern auf der Zielgeraden des Sommertransfermarkts. In erster Linie dient das Quartett zur Erweiterung des Kaders. Auf mehr hoffen als bislang gezeigt darf man besonders in einem Fall.

Douglas Costa und Marc Roca kamen im Sommer neu zum FC Bayern
Douglas Costa und Marc Roca kamen im Sommer neu zum FC Bayern ©Maxppp

Hansi Flick ist glücklich mit den Last-Minute-Käufen, die Hasan Salihamidzic rund um den Deadline Day in fast schon legendärer Manier tätigte. „Das hat Hasan sehr gut gemacht, dass er eine gewisse Breite im Kader geschaffen hat. Wir haben in solchen Situationen, wenn sich mal einer verletzt, die Möglichkeiten das auszugleichen oder auch mal einen zu schonen. Diese Dinge wurden klar erkannt, verbessert und umgesetzt“, lobte Flick auf der gestrigen Pressekonferenz.

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Doch wie schlagen sich Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa eigentlich wirklich? FT schaut auf die bisherigen Leistungen der Neuzugänge und bewertet ihre Perspektive.

Douglas Costa (30/Leihe von Juventus Turin): Der Brasilianer ist gekommen, um Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry auf den offensiven Flügeln zu entlasten. Diesen Job erfüllt Costa bislang ganz gut, ohne dabei allerdings wirklich zu überzeugen. Neun Einsätze stehen zu Buche, dreimal stand er in der Startelf. Die zwei Vorlagen, die er bis dato lieferte, sind kein wirklich überzeugender Wert.

Qualität bringt der pfeilschnelle Linksfuß aber zur Genüge mit. Man muss berücksichtigen, dass er bei Juve über einen langen Zeitraum nur selten in seinen Lieblingsrollen auf den Außenbahnen zum Einsatz kam. Oftmals musste er in den Halbräumen ran. Die Hoffnungen auf eine Leistungssteigerung sind also berechtigt. Ob die Leihe im kommenden Sommer dann verlängert wird, steht auf einem anderen Blatt.

Marc Roca (24/Neun Millionen von Espanyol Barcelona): Thiagos Fußstapfen sind riesig – das bekommt Roca seit seinem Start beim FC Bayern zu spüren. Beim wenig überzeugenden 3:0 gegen Düren im Pokal stand der spanische Linksfuß erstmalig in der Startformation. Es folgten Wochen des Wartens, ehe Roca in der Champions League gegen Salzburg erneut ran durfte. Nach 66 Minuten musste er mit Gelb-Rot runter. Sein Bayern-Aufgalopp steht also bislang unter keinem guten Stern.

Grundsätzlich verfügt Roca aber über große strategische Fähigkeiten. Bei Espanyol – auch wenn die Saison im Abstieg gipfelte – war er der absolute Chef auf dem Platz. Eine dominantere Rolle soll er zukünftig auch in München einnehmen, dazu muss er sich allerdings erst einmal dem deutlich höheren Spieltempo anpassen. Gemessen an den überschaubaren neun Millionen Euro Ablöse ist der Druck für den Spanier nicht besonders groß.

Eric Maxim Choupo-Moting (31/ablösefrei von Paris St. Germain): Wenn es den Begriff Backup noch nicht gäbe – für Choupo-Moting und seine Rolle beim FC Bayern müsste er erfunden werden. Der ehemalige Schalker wurde verpflichtet, um Robert Lewandowski die so dringend benötigten Verschnaufpausen gewähren zu können. Das klappt bislang hervorragend, auch wenn Choupo-Moting bislang nur im Pokal traf.

Ein Torjäger ist der Kameruner nicht, eher ein mitspielender Stürmer mit guter körperlicher Präsenz. Gut möglich, dass die Bayern seinen bis Saisonende datierten Vertrag noch einmal verlängern, sollte er sich über die gesamte Spielzeit als Mehrwert entpuppen. Andernfalls winkt womöglich bei einem anderen europäischen Spitzenklub die Backup-Rolle.

Bouna Sarr (28/Acht Millionen von Olympique Marseille): Der Rechtsverteidiger ist nicht mehr als eine 1C-Lösung. Eigentlich sollte Sergiño Dest (20) kommen, der US-Amerikaner entschied sich dann aber für den FC Barcelona. Und auch Max Aarons (20) von Norwich City stand auf der Liste, war den Bayern aber letztlich zu teuer. Nun ist es also Sarr, der Benjamin Pavard auf der rechten Defensivseite entlasten respektive unter Druck setzen soll.

Wirklich überzeugend sind Sarrs Leistungen bislang nicht, ausgenommen beim 5:0 gegen Eintracht Frankfurt. Geschwindigkeit und Physis sind nicht sein Problem, schon eher Bayerns Ballzirkulationen, bei denen er von Zeit zu Zeit an seine technischen Grenzen stößt. Angesichts seines bis 2024 datierten Vertrags ist er trotzdem als Dauerlösung eingeplant. Seine Tauglichkeit als Bayern-Spieler muss er aber noch nachweisen.

Fazit

Es ist tatsächlich so, wie Flick sagt. Die Neuzugänge verstärken den Bayern-Kader am ehesten in der Breite. Daraus hat man in München aber auch nie einen Hehl gemacht. Besonders im Fall Roca sowie mit Abstrichen bei Costa und Sarr darf man aber noch auf eine deutliche Steigerung hoffen.

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