Hernández: Eigenwerbung und trotzdem ein schwerer Stand

Mit 80 Millionen Euro Ablöse ist Lucas Hernández der Rekordtransfer der Bundesliga. Nach einem persönlich enttäuschenden ersten Jahr beim FC Bayern scheint es nun aufwärts zu gehen. Ein Manko bleibt dennoch.

Lucas Hernández wird von Jesús Navas von den Beinen geholt
Lucas Hernández wird von Jesús Navas von den Beinen geholt ©Maxppp

Schon beim Blick auf die Aufstellung des FC Bayern gegen Schalke 04 (8:0) am vergangenen Freitag war Lucas Hernández‘ Berücksichtigung eine kleine Überraschung. Schnell kristallisierte sich heraus, dass Alphonso Davies angeschlagen auf der Bank Platz nehmen musste, Hernández deshalb links hinten startete.

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Zum gestrigen UEFA Supercup gegen den FC Sevilla (2:1 n.V.) waren Beobachter eigentlich davon ausgegangen, dass Davies, der Senkrechstarter der Vorsaison, in die Startelf zurückkehren würde. Doch Pustekuchen, Hansi Flick setzte erneut auf den französischen Weltmeister. Schließlich habe Hernández „Rhythmus“ und „gegen Schalke gut gespielt“, wie der Trainer im Anschluss begründete.

Defensiv bärenstark

Das in ihn gesetzte Vertrauen enttäuschte Hernández gestern Abend nicht. In den Kategorien klärende Aktionen, Balleroberungen und gewonnene Zweikämpfe war er jeweils der beste Bayer (FT-Note: 2). Mit Gegenspieler Lucas Ocampos lieferte er sich insbesondere in der zweiten Halbzeit giftige Duelle am Rande der Legalität.

„Lucas hat seine Sache sehr gut gemacht“, befand Flick, der „sehr zufrieden“ mit dem 80-Millionen-Einkauf aus 2019 war. Nach 98 Minuten war Schluss für den von Krämpfen geplagten Hernández. Für ihn kam Davies ins Spiel – und trotz der starken Leistung seines Vorgängers wurde direkt klar, dass das Tempo des Kanadiers für den FCB mittlerweile unverzichtbar ist.

Auch Flick stellte fest, dass Hernández „in der Defensive sehr, sehr gut gespielt“ hat. Nach vorne hielten sich seine Aktionen jedoch in Grenzen – ganz anders als beim gelernten Offensivspieler Davies, der bei nahezu jedem Angriff unwiderstehlich mitmarschierte. Eine Qualität, die Hernández qua Typus nicht mehr erlangen wird.

Davies wird wieder spielen

Und so darf man davon ausgehen, dass sich Davies auf kurz oder ganz kurz seinen Stammplatz links hinten zurückholen wird. In einer Top-Mannschaft wie den Bayern, die ständig nach vorne spielen muss, braucht es offensivstarke Außenverteidiger. Hernández ist eine starke Alternative, jedoch gerade gegen schwächere Gegner nicht die Idealbesetzung. Zumal mit Landsmann Benjamin Pavard auch schon auf der anderen Seite ein fußballerisch limitierter Akteur agiert.

Eine Tür könnte sich für Hernández aber trotzdem noch auftun: Sollte David Alaba das letzte Vertragsangebot der Bayern ablehnen und überraschend noch in diesem Transferfenster wechseln, würde Hernández als Linksfuß wohl den Platz des Österreichers im Abwehrzentrum erben. Eine Rolle, in der die Zweikampfstärke des 24-Jährigen noch besser zur Geltung kommen würde. Und für die er bei seiner Verpflichtung eigentlich auch hauptsächlich vorgesehen war.

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