Führt man sich den Auftritt des FC Schalke 04 vergangenes Wochenende vor Augen, hätte man meinen können, es sei ein Spiel wie jedes andere gewesen. Nach der Gala in Madrid alles nur noch trister Bundesligaalltag. Tatsächlich war es aber das wohl wichtigste Spiel der Saison für ‚Königsblau‘. Und dafür schien der unbedingte Wille, gegen den direkten Konkurrenten drei essenziell wichtige Punkte einzufahren, nicht stark genug. Am Ende stand ein verdientes 0:1 aus Sicht des Teams von Roberto Di Matteo.

Es schien beinahe, als habe keiner der Trainer die Partie wirklich als Schlüsselduell gesehen. Bayer-Coach Roger Schmidt verzichtete mit Calhanoglu, Toprak, Drmic und Bender auf gleich vier Akteure, die zuletzt zum Stammpersonal gehörten. Das ist bemerkenswert, berücksichtigt man, dass die Rheinländer vor der Partie drei Zähler Vorsprung auf Schalke hatten und es in dem Spiel um nichts Geringeres als den Relegationsplatz für die Königsklasse ging – von dem nahezu sämtliche Personalplanungen der Schalker im Sommer abhängig sind.

20 Millionen Einbußen

Verpasst S04 die Champions League, müssen die Verantwortlichen auf rund 20 Millionen Euro verzichten. Geld, das Manager Horst Heldt eigentlich in die Kaderplanung für Sommer eingeplant hatte. Wie ‚Bild‘ berichtet, wären die Gelsenkirchener zu zahlreichen Verkäufen gezwungen.

9,5 Millionen Euro fließen in den Transfer von Leihspieler Matija Nastasic. Für den Umbau des Teams benötigt der Schweizer Trainer im Sommer weitere Finanzmittel. Bekommen würde man diese sicherlich bei einem Verkauf von Kapitän Benedikt Höwedes, der in der Vergangenheit mehrfach betonte, dass ihn die Premier League reizt. Steuert Schalke nun an der Königsklasse vorbei, könnte für den Weltmeister, der eine Ausstiegsklausel besitzt (Vertrag bis 2017), die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen sein. Und auch ein Transfer von Sami Khedira wäre in diesem Fall sicherlich utopisch.

Papadopulos: Zukunft von Höwedes abhängig

Von der Höwedes-Entscheidung ist wohl auch die Zukunft von Kyriakos Papadopoulos auf Schalke abhängig. Bleibt Höwedes, zieht es den griechischen Abwehr-Koloss dauerhaft zu seinem Leihklub Leverkusen. Sechs Millionen bietet der ‚Werksklub‘. Königsblau fordert mehr. Gleichzeitig würde der 23-Jährige am Rhein auch eher Champions League spielen.

Im Sommer werde ich Entscheidungen treffen“, erklärt Di Matteo vielsagend. Unter anderem über die Zukunft von Kevin-Prince Boateng. Der ghanaische Nationalspieler, der noch einen Kontrakt bis 2016 besitzt, soll von der Gehaltsliste gestrichen werden, was weitere acht Millionen Euro locker machen würde. Notfalls würde man den gebürtigen Berliner wohl sogar ablösefrei ziehen lassen.

Quintett vor dem Abschied?

Weitere Personalien, die eng mit dem Saisonausgang zusammenhängen, sind Jan Kirchhoff, Roman Neustädter, Christian Fuchs und Tranquillo Barnetta. „Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Schalke hat signalisiert, dass man in den nächsten Wochen zusammensitzen will. Klar ist: Innerhalb Deutschlands werde ich nicht mehr wechseln. Schalke ist mein erster Ansprechpartner, der Klub hat riesiges Potenzial, und ich bin nach den letzten Wochen in einer guten Position“, äußert sich Letzterer im Schweizer ‚Blick ‘ zur aktuellen Situation, führt aber an: „Ich habe immer gesagt, dass England mein Traum wäre. Wir werden sehen.

Fuchs, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, und Kirchhoff, aktuell vom FC Bayern ausgeliehen, sind wohl aufgrund finanzieller Engpässe ebenfalls weg, sollte es mit der europäischen Eliterunde nichts werden. Neustädter sollte bis vor kurzem noch seinen bis 2017 datierten Vertrag vorzeitig verlängern, steht nun aber zur Disposition und könnte im Sommer verkauft werden. Chinedu Obasi hat unabhängig vom Ende der Saison voraussichtlich keine Zukunft mehr in Gelsenkirchen. Sein Vertrag endet ebenfalls am 30. Juni. Gleiches gilt für Christian Wetklo, Nummer vier im Tor der ‚Knappen‘.

Ein Umbruch ist auf Schalke zur kommenden Saison fest geplant. Fraglich ist noch, in welchen Dimensionen dieser über die Bühne gehen und welchen finanziellen Spielraum Horst Heldt dabei haben wird. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass ‚Königsblau‘ nächste Saison nicht in der höchsten europäischen Liga spielt. Ein Szenario, bei dem im Ruhrpott das Personalkarussell kräftig rotieren würde.