Als Leroy Sané seine Oberschenkelverletzung aus der Vorsaison endlich überwunden hatte, wollte er eigentlich so richtig durchstarten. Was dann folgte, war allerdings eine Findungsphase, die so lange eigentlich nicht dauern sollte. Über gelegentliche Geistesblitze – zumeist als Einwechselspieler – kam der pfeilschnelle Außenstürmer nicht hinaus.

Das hat sich inzwischen geändert. Am Montag beispielsweise war es Sané, der den Sieg gegen den FC Bournemouth (2:0) mit einem beherzten Antritt über den linken Flügel einleitete. Seine leicht abgefälschte Hereingabe fand am Ende Raheem Sterling, der nur noch vollenden musste.

Guardiola setzt auf Sanés Schnelligkeit

Dabei hat die Kombination, die dem Treffer vorausging, durchaus Methode. Sané lauerte an der linken Außenbahn, um im richtigen Moment diagonal Richtung gegnerisches Tor zu starten. Den perfekt getimten Pass von David Silva brauchte Sané nur noch aufzunehmen und anschließend Sterling bedienen.

Eigentlich ein simpler Zug im so komplex gewordenen Taktikensemble der internationalen Trainerägide. Guardiola hat ihn bewusst wiederbelebt und die beiden lange Zeit invers spielenden Flügelflitzer Sané und Sterling auf ihre ursprünglichen Bahnen beordert. Ihre famose Schnelligkeit ist dabei ein wichtiger Faktor, denn die meisten Außenverteidiger sind schlichtweg nicht in der Lage, diesen Laufweg zu verteidigen, sofern sie zu hoch positioniert sind.

Auch Guardiola benötigte Zeit

Sanés verspäteter Aufschwung ist gleichzeitig ein Indiz dafür, dass auch Guardiola Zeit benötigte, seine Spielweise der Premier League anzupassen. Ewig lange Ballstafetten im Mittelfeld sind seltener geworden. Stattdessen setzt der Katalane vermehrt auf schnelle Umschaltaktionen, was seinem Personal sichtlich entgegenkommt. Denn auch Kevin de Bruyne kann seine Stärken eher in solchen Situationen als im ermüdenden Kurzpassspiel zum Tragen bringen.

Sechs direkte Torbeteiligungen hat Sané in 18 Pflichtspielen der Saison vorzuweisen. Die Bilanz ist also noch ausbaufähig. Doch auch das scheint angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der der Youngster nach schüchternem Start inzwischen auftritt, nur eine Frage der Zeit. Die 50 Millionen Euro Ablöse, die Sané zwischenzeitlich etwas hemmten, sind gut angelegtes Geld.