Schluss. Aus. Vorbei. Der Weltmeistertraum von Lionel Messi war und ist geplatzt. Eine Mischung aus Verbitterung, Selbstmitleid und grenzenloser Enttäuschung sprang dem Zuschauer nach Abpfiff des WM-Finales aus Messis Antlitz entgegen. Ungefähr so hätte man sich den Gesichtsausdruck Rodrigo Palacios vorstellen können, hätte Bastian Schweinsteiger im Eifer des Finalgefechts eine Schere aus seinem Stutzen gezogen und dem argentinischen Angreifer den liebevoll gezwirbelten Zopf kurzum abgeschnitten.

Dennoch – Kopfkino wieder aus – ändern konnte an der Mimik des Weltstars auch die Auszeichnung zum besten Spieler der Weltmeisterschaft nichts. Ob dies nun einzig an der tragischen 0:1-Niederlage gegen die DFB-Elf in der Verlängerung lag oder der 27-Jährige insgeheim sehr wohl wusste, dass er die Trophäe nicht verdient hatte, sei einmal dahingestellt.

Zahlreiche Akteure hätten die Trophäe mehr verdient

So sehr man sich in diesem Moment auch ob des Titels der deutschen Nationalmannschaft gefreut haben mag, sorgte die Ehrung von ‚La Pulga‘ für einige Fragezeichen – nicht nur in Deutschland. Für Messi selbst jedoch kam die Auszeichnung nicht sonderlich überraschend. Während der beste Spieler des Turniers über die Lautsprecher im Estádio do Maracanã bekanntgegeben wurde, lauschte der vierfache Weltfußballer – weniger gespannt als vielmehr in wohlwissender Erwartungshaltung – darauf, seinen Namen zu hören.

Dass er sich anschließend nicht überschwänglich freute, ist legitim. Trotzdem hatte sein Auftritt ein fast schon ungesundes Selbstverständnis und einen offensichtlichen Anflug von Arroganz. Das eigentliche Dilemma bei der Verleihung des Preises war aber ohnehin die Auszeichnung Messis selbst. Persönlich hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, dass Messi überhaupt zur Wahl steht. Spontan wären mir rund zehn Spieler eingefallen, die die Trophäe weitaus mehr verdient gehabt hätten. Toni Kroos, Thomas Müller, Arjen Robben, James Rodriguez, Mats Hummels oder Neymar, um nur ein halbes Dutzend zu nennen. Aber Messi? Nein.

Auszeichnung nichts anderes als eine Farce

Offenbar hat die FIFA beziehungsweise die ‚Technische Studien-Gruppe‘ des Weltverbands, die den Sieger bestimmt, aber noch immer ein Faible für die ganz großen Namen, die die Geschichtsbücher schmücken. „Wenn diese Marktschreier wollen, dass er etwas gewinnt, was er eigentlich nicht verdient hat, ist es ungerecht”, drückt selbst Argetiniens Legende Diego Armando Maradona sein Unverständnis über diese Entscheidung aus, „es ist nicht richtig, wenn jemand etwas gewinnt nur aufgrund irgendeines Marketingplans.” Drastischer formuliert es Weltmeister Christoph Kramer: „Ein Witz. Bastian Schweinsteiger hätte es verdient gehabt – unglaublich, wie Basti sich reingehauen hat, wie er sich von Spiel zu Spiel gesteigert hat.

Zwar schoss der Dribbelkönig die ‚Albiceleste‘ im Alleingang mit neun Punkten ins Achtelfinale und bereitete den Siegtreffer in der Verlängerung gegen die Schweiz vor, abgesehen von diesen vereinzelten Geniestreichen blieb er jedoch hinter den Erwartungen an seine Fähigkeiten zurück. Lauffaul präsentierte sich die katalansiche Tormaschine das gesamte Turnier über, agierte nicht im Verbund mit dem Team, sondern stets in Manier des alles überragenden Einzelkönners, der sich seine Kräfte für die Offensive aufsparen darf. Ein Spieler seiner Klasse hat deutlich mehr zu bieten als das, was er in Brasilien angeboten hat.

Dass der 27-Jährige dafür auch noch mit dem Titel als bester Spieler geehrt wird, ist womöglich eine Konzessionsentscheidung in einem Fall, in dem es keine Konzessionsentscheidungen geben sollte. Es handelt sich wohl eher um einen ausgeklügelten Marketingschachzug im milliardenschweren Konglomerat aus FIFA, Fußball und Wirtschaft – und somit ist die Auszeichnung Messis letzten Endes nichts anderes als eine Farce.