Der VfL Wolfsburg steht unmittelbar vor der Verpflichtung des französischen Nationalspielers Josuha Guilavogui. Einzig die Unterschrift des 23-Jährigen lässt noch auf sich warten. „Im Prinzip haben wir uns mit dem Spieler und Atlético geeinigt. Unser Ziel ist es, ihn so schnell wie möglich hierher zu holen“, bestätigte Wolfsburgs Manager Klaus Allofs am gestrigen Mittwoch im Trainingslager in Donaueschingen.

Wie der ‚kicker‘ berichtet, konnten sich die drei Parteien auf eine Ausleihe über zwei Jahre einigen. 5,5 Millionen Euro überweisen die Niedersachsen dafür in die spanische Hauptstadt. Für den Anschluss haben die Vereine eine Kaufoption in Höhe von vier Millionen Euro vereinbart, heißt es weiter. Angesichts der zehn Millionen Euro, die der spanische Meister erst vergangenen Sommer für Guilavogui an die AS St. Étienne zahlte, ein durchaus guter Deal, den Manager Klaus Allofs da eingefädelt hat.

Gustavo-Ersatz – oder was denn jetzt?

Dennoch ranken Fragezeichen um den Wechsel des Franzosen. Warum forcierte man den Transfer, obwohl die Ausstiegsklausel von Luiz Gustavo Ende Juli abgelaufen ist? Wechselt der Brasilianer trotzdem noch? Wenn ja, kann der Neueinkauf den 27-Jährigen ersetzen? Wenn nein, weshalb rüstet Wolfsburg noch einmal nach?

Allesamt Fragen, die sich die besonnenen Verantwortlichen Klaus Allofs und Dieter Hecking mit Sicherheit auch gestellt und entsprechende Antworten für sich gefunden haben werden. Bekannt ist, dass Guilavogui schon länger auf der Liste des Erfolgsduos als möglicher Ersatz für den Brasilianer stand, sollte ein interessierter Klub die Ausstiegsklausel in Höhe von 33 Millionen Euro zahlen. Nach Verstreichen dieses Passus befanden sich die Verhandlungen anschließend wohl in einem solch fortgeschrittenen Stadium, dass man es für sinnvoll erachtete, den Franzosen dennoch in die Autostadt zu holen.

Duell mit Malanda

Mit dem 23-Jährigen verstärken die ‚Wölfe‘ den Kader in der Breite und rüsten die Defensiv-Zentrale mit Qualität auf. So kann der VfL auch die neue Doppelbelastung mit der Europa League auffangen, ohne spielerisch große Abstriche machen zu müssen.

Obwohl der 1,88-Meter-Mann etwas schlaksig daherkommt, verfügt er über eine starke Physis und weiß sich im Zweikampf zu behaupten, wie unser französischer Korrespondent Aurélien Léger-Moëc berichtet. Weiter erklärt er, Guilavogui sei ein klassischer Sechser, würde Gustavo vom Spielstil her also nicht eins zu eins ersetzen, sondern agiert vielmehr als defensiv-orientierter Staubsauger vor der Abwehr.

Insofern wird sich der Nationalspieler der ‚Équipe Tricolore‘ voraussichtlich mehr mit Youngster Junior Malanda um einen Stammplatz duellieren. Slobodan Medojevic, ein Überbleibsel aus alten Magath-Tagen, muss sich unterdessen wohl hinten anstellen. Vorstellbar ist auch ein Verkauf des Serben bis zum Schluss des Sommertransferfensters. Weil er noch ein Jahr Vertrag in der Autostadt besitzt, würde dies durchaus Sinn ergeben.

Schnelligkeitsdefizite in mehrfacher Hinsicht

Ein großes Plus von Guilavogui: Der Defensivspezialist ist äußerst laufstark und kann nicht nur als Sechser, sondern auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden. Schwächen offenbart er hingegen im Passspiel sowie bei der Spielverlagerung. „Es mangelt ihm an Handlungsschnelligkeit und einem starken Antritt“, erläutert Léger-Moëc die größten Defizite der Wolfsburger Neuverpflichtung.

Dennoch – der Transfer von Guilavogui ergibt angesichts der hohen Ansprüche beim VfL sehr viel Sinn. Die ‚Wölfe‘ wollen in Europa für Furore sorgen und in der Bundesliga um die Champions League-Plätze mitmischen. Entsprechend benötigt man einen auch qualitativ breit aufgestellten Kader. Entsprechend ist die Verpflichtung absolut nachvollziehbar.