Lange musste Kaderplaner Jonas Boldt im Sommer um Lucas Alario kämpfen. Zunächst zogen sich die Gespräche mit River Plate, die stur auf die Ausstiegsklausel in Höhe von 25 Millionen Euro im Vertrag des Stürmers pochten. Mit Verhandlungsgeschick und kreativen Lösungswegen holte Bayer Leverkusen den Argentinier letztendlich für nur 19 Millionen – auch wenn dieser aufgrund von durch River forcierte Verzögerungen erst zum sechsten Spieltag die Spielberechtigung erhielt.

Auf Seiten der Leverkusener war man jedoch überzeugt, dass sich dies alles auszahlen sollte. Schließlich hatte man in Alario den Stürmer ausfindig gemacht, der perfekt ins Anforderungsprofil der Werkself passte: Eiskalt vor dem Tor, körperlich robust, mit der Fähigkeit hohe Bälle festzumachen und gleichzeitigen Stärken im Kombinationsspiel. Kurzum ein Robert Lewandowski light.

Falsche Versprechen?

Auch Alario verglich sich kurz vor seinem Wechsel mit dem polnischen Stürmerstar: „Ich habe es immer gesagt: Lewandowski ist ein Spieler, der meinen Stil widerspiegelt. Ich schaue mir viel von ihm ab.“ Halten, was er den Leverkusenern damit versprach, konnte der Argentinier zunächst nicht. Alario fehlte die Anbindung ans Spiel, seine Defensivarbeit ließ zu wünschen übrig.

So nahm der 25-Jährige in der Werkself eher die Rolle eines klassischen Knipsers ein. Mit bis zum vergangenen Wochenende zwölf direkten Torbeteiligungen – und das obwohl er nur zwölfmal in der Startelf stand – konnte sich Alarios persönliche Statistik schon sehen lassen. Der Knoten auf dem Spielfeld platze dann am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach.

Lewandowski-Parallelen nun erkennbar

Alario tat all das, wofür ihn Bayer geholt hatte. Mit technischem Geschick machte er Anspiele fest und leitete sie an die Mitspieler weiter, holte sich aber auch Bälle tief ab und initiierte Angriffe selbst, zeigte sich passsicher, mannschaftsdienlich und torgefährlich. Seinen zweifellos stärksten Auftritt im Trikot der Werkself krönte er zudem mit einem Tor und einer Vorlage. Zum ersten Mal bekamen die Zuschauer in der BayArena einen Stürmer zu sehen, der in seiner Spielanlage tatsächlich Lewandowski glich.

Auch seine Teamkollegen ziehen entsprechende Parallelen. „Lucas ist ein fantastischer Arbeiter. Er erinnert mich ein bisschen an Robert Lewandowski“, resümierte Julian Brandt nach dem 2:0-Sieg über die Fohlenelf. Trainer Heiko Herrlich schloss sich an: „Er arbeitet richtig gut, läuft vorne aggressiv an und hat viele Balleroberungen. Wir sind sehr zufrieden, der Weg geht in die richtige Richtung.“

Für Leverkusen könnte dieser Weg nach einem Jahr Abstinenz zurück in die Champions League führen. Die spielerische Ankunft Alarios kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Argentinier hat es geschafft, die Offensive, die zuletzt merklich unter einer Formdelle von Leon Bailey litt, zu revitalisieren. Mit etwas Verzögerung zeigt sich nun, warum Boldt im Sommer so intensiv um Lewandowski light kämpfte.