Als ‚Sky‘ am vergangenen Samstag den Wechsel von Leon Goretzka zum FC Bayern als perfekt meldete, redete sich Christian Heidel in Rage. „Das ist dummes Zeug. Ich muss ehrlich sagen, dass ich es nicht anständig finde, wenn ‚Sky‘ eine Stunde vor Anpfiff eine Meldung raushaut, die völlig ohne Boden ist. Es wäre zu wünschen, Meldungen dann zu verbreiten, wenn sie wirklich perfekt sind. Mit diesen bloßen Spekulationen sollte man aufhören. Das ist nicht anständig“, schimpfte der Manager von Schalke 04 vor der Partie gegen den Hamburger SV (1:1).

Und weiter: „Ich kenne den FC Bayern sehr gut. Ich kenne Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Bayern hat überhaupt keinen Kontakt zum FC Schalke gesucht.“ Eine Woche ist seit dem Wutausbruch mittlerweile ins Land gezogen. Eine Woche mit neuen Entwicklungen in der Posse um Goretzka. Zunächst vermeldete wiederum ‚Sky‘, dass sich dessen Berater Jörg Neubauer an der Säbener Straße eingefunden hat – vermutlich, um Verhandlungen mit dem deutschen Rekordmeister zu führen.

Ancelotti flirtet

Schalke reagierte umgehend mit einem offiziellen Heidel-Statement, laut dem nach wie vor keine Anfrage des FCB für den dynamischen Mittelfeldmotor eingegangen sei. Dass die Münchner aber tatsächlich am Jung-Nationalspieler interessiert sind, bestätigte Trainer Carlo Ancelotti am gestrigen Freitag. „Ein interessanter Spieler. Wir schauen uns nach interessanten Spielern um“, äußerte sich der Italiener auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen den SC Freiburg (15:30 Uhr).

Unabhängig von Goretzkas Qualität und Bayerns Handlungsbedarf im Mittelfeld könnte der potenzielle Wechsel zur Prestigefrage für den FCB werden. Schaffen es Hoeneß und Rummenigge, den 22-Jährigen an die Isar zu holen, spielen sie unweigerlich mit den Muskeln – und beweisen einmal mehr, dass der viel zitierte Satz „wenn der FC Bayern München einen Spieler verpflichten will, dann wird er ihn auch verpflichten“ nach wie vor seine Richtigkeit besitzt. Schalke will Goretzka als Gesicht für die Zukunft behalten, Heidel kämpft um seinen Star. Und lehnte sich vor laufender Kamera weit aus dem Fenster, als er ‚Sky‘ unlautere Methoden vorwarf.

Geldregen winkt

Sein Problem: Goretzkas Vertrag endet 2018. Ohne die Teilnahme am europäischen Wettbewerb wird es schwierig, diesen zu verlängern. Dehnt der Rechtsfuß sein Arbeitspapier nicht aus, besteht im kommenden Sommer letztmals die Möglichkeit, das anvisierte Gesicht des Vereins zum Gesicht einer üppigen Ablösesumme zu machen – die ganz nebenbei das Verpassen der Europa League auffangen könnte.

Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist Heidel also quasi zum Verkauf gezwungen. Um sein eigenes Gesicht zu wahren, müsste er Goretzka aber eigentlich halten und im Zweifel in einem Jahr ablösefrei ziehen lassen. Sollte der Wechsel doch zustande kommen, lacht sich nicht nur der FC Bayern, sondern auch ‚Sky‘ ins Fäustchen. Für Heidel wäre das ein amtlicher Imageschaden.