Am zweiten Spieltag der neuen Saison kam es zum Duell des amtierenden Pokalsiegers Stade Rennes und dem Meister Paris St. Germain. Es lief die 48. Spielminute, als der 16-jährige Camavinga im heimischen Roazhon Park vor knapp 30.000 Zuschauern eine punktgenaue Flanke aus dem rechten Halbfeld nach innen brachte: Romain Del Castillo köpfte den Ball zur 2:1-Führung in die Maschen.

Man sollte meinen, dem PSG-Starensemble bliebe genug Zeit, die Niederlage abzuwenden. Aber unter anderem Camavinga, der im defensiven Mittelfeld agierte, sorgte dafür, dass sich Paris an der Defensive der Gastgeber die Zähne ausbiss und am Ende mit leeren Händen dastand.

Ballsicherheit und feines Füßchen

Vor allem diese Szene, die den Sieg über PSG einleitete, aber auch eine überragende Quote von 97,6% erfolgreichen Pässen machten den Youngster über die Grenzen Frankreichs bekannt. Nach dem Spiel hagelte es Lob von allen Seiten. Allen voran Camavingas Mitspieler kamen aus dem Schwärmen nicht mehr raus.

Es ist alles andere als eine Überraschung. Man hat es bereits im vergangenen Jahr im Training gesehen. Er ist hochtalentiert, sowohl technisch als auch physisch sehr gut und agiert dabei sehr aufmerksam. Ich wünsche ihm, dass er so weitermacht, denn er hat die Qualität und die Voraussetzungen für eine großartige Karriere und eine erfolgreiche Saison“, so Camavingas zwölf Jahre älterer Teamkollege Clément Grenier.

Abwehrspieler Jérémy Gélin sieht vor allem das junge Alter als großen Vorteil: „Er ist 16 Jahre alt und macht unglaubliche Dinge. Er hat eine Menge Talent. Wenn du jung bist, kannst du furchtlos agieren. Er stellt keine Fragen, sondern ist sich sicher in dem, was er tut. Wir müssen ihm Freiraum gewähren. Heute ist er unbestritten der Spieler des Spiels.“

Ein Rekord jagt den nächsten

Erst im Dezember hatte das Mittelfeldjuwel kurz nach dem 16. Geburtstag seinen ersten Profivertrag unterzeichnet. Vier Monate später folgte das Profidebüt, bei dem Camavinga in der Schlussphase gegen Angers (3:3) eingewechselt wurde. Nach zuvor drei absolvierten Teileinsätzen stand der Linksfuß gegen die AS Monaco (2:2) zum ersten Mal in der Anfangself. Damit avancierte Camavinga zum ersten Spieler der fünf größten Ligen, der nach dem 1. Januar 2002 geboren wurde und in der Startformation stand.

Im August wurden die Leistungen des 1,82 Meter großen Camavingas gekrönt, als er zum jüngsten ‚Spieler des Monats‘ in der Ligue 1-Geschichte gekürt wurde. In dieser Saison ist der gebürtige Angolaner, der auch die kongolesische Staatsbürgerschaft besitzt, endgültig im Profigeschäft angekommen. Sechs Einsätze über die volle Distanz in den ersten sechs Pflichtspielen sprechen Bände.

Auch Alexis Pereira, Redakteur von der französischen FT-Partnerseite Foot Mercato hat an den Qualitäten des aufgehenden Sterns am Fußballhimmel keine Zweifel: „Für solch einen jungen Spieler hat er bereits eine sehr reife Spielanlage, kann das Spiel lesen, weiß das Spieltempo zu diktieren und ragt allen voran durch seinen starken linken Fuß heraus.“ Allein an seiner Konstanz müsse das Juwel von Rennes noch arbeiten. Aber das könne man einem Akteur in seinem Alter selbstverständlich nicht vorwerfen, führt der Frankreich-Experte aus.

Interessenten stehen Schlange

Obwohl die halbe europäische Elite bereits beim Berater des Talents angeklopft hat, entschied sich Camavinga im August für eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2022. Dass es Kontakt zu diversen großen Klubs gab, bestätigte Rennes-Präsident Olivier Létang, wollte aber „keine Namen nennen“. In den Medien kursierten in der Vergangenheit neben den beiden Bundesligisten Bayern München und Borussia Dortmund auch die Namen FC Barcelona, FC Arsenal, Real Madrid, Tottenham Hotspur und AC Mailand.

Beispiel Dembélé: Stade Rennes als Talentschmiede

In Frankreich gilt Stade Rennes als eine der besten Talentschmieden des Landes. Das bekannteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist Ousmane Dembélé, der heute beim großen FC Barcelona sein Geld verdient. Aus der Bretagne wechselte der heute 22-Jährige im Sommer 2016 für rund 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund.

Zuvor hatte der Franzose in der Ligue 1 für Wirbel gesorgt und 17 Scorerpunkte in 29 Spielen beigesteuert: Leistungen, die die Verantwortlichen des BVB letztlich von einem Transfer überzeugten. Bei der Borussia konnte Dembélé seine Performance weiter verbessern, ehe es im Sommer 2017 nach Katalonien ging. Auf einen ähnlichen steilen Karriereweg hofft wohl auch Camavinga.