Wenn ein Trainer freiwillig auf Mauro Icardi und Paulo Dybala verzichtet, kann das eine von drei Ursachen haben. Entweder denkt er, dass das vorhandene Spielermaterial so gut ist, dass das Star-Duo nicht genügend Qualität mitbringt. Oder aber er denkt, dass sein System besser ist als jeder Einzelspieler, weshalb er unpassende Akteure aussortiert, anstatt das System an sie anzupassen. Option drei ist, dass er verrückt geworden ist.

Welche Deutungsweise sich im Fall von Jorge Sampaoli durchsetzt, wird sich spätestens am 15.Juli zeigen, wenn der neue Weltmeister in Russland gekrönt wird. Der argentinische Nationaltrainer hat sich mit seiner Entscheidung, Icardi zuhause zu lassen und Dybala nur als potenziellen Bankspieler mitzunehmen, angreifbar gemacht. Doch Sampaoli verfolgt einen klaren Plan – ob dieser aufgehen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Pavón statt Icardi und Dybala

Der 58-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht die besten elf Spieler, sondern die beste Mannschaft auf den Platz zu schicken. Für Icardi und Dybala ist im vom Sampaoli favorisierten 4-2-3-1 kaum Platz. Anstatt das System so anzupassen, dass die Serie A-Stars hineinpassen, setzt er lieber auf noch unbekanntere Spieler, die im Zusammenspiel mit ihren Mitspielern jedoch besser funktionieren. Einer der Youngsters, die so in die Albiceleste gespült wurden, ist Cristian Pavón.

Der 22-Jährige von den Boca Juniors ist eines der größten Talente der argentinischen Primera División. Seit der Saison 2016/17 wirbelt er im Angriff des Traditionsklubs aus Buenos Aires und war maßgeblich daran beteiligt, dass Boca zuletzt zweimal in Folge Meister wurde. In der abgelaufenen Saison kommt Pavón, der sowohl auf beiden Flügeln, als auch als hängende Spitze agieren kann, auf insgesamt 24 Torbeteiligungen in 31 Spielen.

Der Rechtsfuß ist ein trickreicher Athlet, der mit seinem explosiven Antritt an seinen Gegenspielern vorbeikommt und in den Rücken der Abwehr gelangen kann. Vorwürfe, er würde beizeiten mit „einem Eimer auf dem Kopf“ spielen, gehören längst der Vergangenheit an. „Er ist nicht nur schnell, sondern er trifft auch die richtigen Entscheidungen“, lobte stattdessen zuletzt niemand geringerer als Lionel Messi.

Ritterschlag durch Messi

Der argentinische Superstar hat vom 22-Jährigen eine hohe Meinung: „Ich habe mit Pavón einen neuen Partner gefunden, er ist ein sehr guter Spieler. Seine Qualitäten bringen ein neues Element in unsere Mannschaft. Er kann zu einem sehr wichtigen Spieler für das Nationalteam werden.“

Nicht zuletzt nach dieser Erhebung in den Adelsstand des Fußballs stehen die europäischen Topklubs bei Pavón Schlange. Der FC Arsenal, Paris St. Germain und – nach Messis Aussagen eigentlich zwangsläufig – der FC Barcelona wurden bereits mit dem Boca-Talent in Verbindung gebracht. Gut möglich, dass Pavón nach der WM Argentinien verlässt. Bis es soweit ist, soll er jedoch helfen, die Albiceleste Richtung Titel zu führen – und rechtfertigen, warum Sampaoli ihn Icardi und Dybala vorzieht.