Misserfolg und Tränen. Die bisherigen WM-Teilnahmen afrikanischer Teams lassen sich auf diese zwei Begriffe herunterbrechen. Misserfolg, weil erst drei Teams in der Geschichte des Turniers das Viertelfinale erreicht haben. Tränen, weil jedes dieser Teams teils tragisch am Halbfinal-Einzug scheiterte. Unvergesslich bleibt die Glanzparade von Luis Suárez aus dem Jahr 2010, die ihm die Rote Karte und der uruguayischen Nationalmannschaft das Weiterkommen sicherte.

Es sollte das letzte Viertelfinale mit afrikanischer Teilnahme bleiben. Die aktuellen Leistungen der Teams in Russland machen zudem bisher nur wenig Hoffnung, dass sich dies 2018 ändern wird. Kein afrikanisches Team hat es bisher geschafft, einen Punkt einzufahren. Das könnte sich am heutigen Dienstag ändern, wenn der Senegal auf Polen trifft (17 Uhr).

Der geheimste Geheimfavorit

Für die Löwen von Teranga ist es die zweite WM-Teilnahme nach der Premiere im Jahr 2002, als es bis in die Runde der letzten acht ging. Das aktuelle Team von Trainer Aliou Cissé, der die Mannschaft 2002 im Eröffnungsspiel als Kapitän auf den Platz führte, hat das Potenzial den damaligen Erfolg zu wiederholen – wenn nicht mehr.

In einer ausgeglichenen Gruppe mit Kolumbien, Japan und Polen könnte der Senegal es schaffen, auf Platz eins ins Achtelfinale einzuziehen. Dort wird im Fall der Fälle dann Belgien oder England warten. Und zumindest den Three Lions stehen die Afrikaner an individueller Qualität kaum nach. Der Senegal ist wohl der geheimste aller Geheimfavoriten.

Ein ausgeglichenes Team

Unangefochtener Starspieler des Teams ist Sadio Mané vom FC Liverpool. Anders als sein kongenialer Klubpartner Mohamed Salah in der ägyptischen Nationalelf hat der Flügelstürmer jedoch die nötige Qualität um sich herum, um jeden Gegner vor Probleme zu stellen. Mit Spielern wie Ismaïla Sarr (Stades Rennes), an dem der BVB Interesse zeigt, Keita Baldé (AS Monaco), M’Baye Niang (FC Turin) und Mame Diouf (Stoke City) kann der Senegal die wohl schnellste Offensive der WM stellen.

Abgesichert wird die Abteilung Angriff von einer routinierten Defensive. Herzstück der Abwehr sind mit Kalidou Koulibaly (SSC Neapel) und Salif Sané (ab Juli Schalke 04) zwei Innenverteidiger von internationaler Klasse. Davor agieren Kapitän Cheikhou Kouyaté (West Ham) und Idrissa Gueye (FC Everton) – zwei Premier League-Veteranen.

Fragezeichen bleiben

Natürlich kommt der Senegal jedoch nicht ohne Fragezeichen aus. Die afrikanische WM-Geschichte hat schon öfter gezeigt, dass eine Mannschaft nicht zwingend so gut ist wie seine Einzelspieler. Zudem verfügt der Kader der Löwen von Teranga über Löcher auf der Torwart- und den Außenverteidiger-Positionen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Senegal wohl so gute Chancen wie noch kein afrikanisches Team zuvor hat, Misserfolg und Tränen zu umgehen.