Nach Schmutzkampagnen-Skandal: Windhorst bietet Hertha-Ausstieg an

2019 stieg Lars Windhorst als Mehrheitseigner bei Hertha BSC ein. Statt den selbsternannten Big City Club nach Europa zu führen, wird nun wohl die Zusammenarbeit nach einem handfesten Skandal vorzeitig beendet.

Lars Windhorst investierte 374 Millionen Euro in Hertha BSC
Lars Windhorst investierte 374 Millionen Euro in Hertha BSC ©Maxppp

Die Zeit von Lars Windhorst als Mehrheitseigner bei Hertha BSC wird offenbar zeitnah enden. In einer am heutigen Mittwochnachmittag auf seinem Facebook-Account veröffentlichten Mitteilung bietet der 45-jährige Investor dem Berliner Bundesligisten an, die von seiner Investment-Firma Tennor Holding B.V. gehaltenen Klubanteile zum einstigen Kaufpreis an Hertha zurückzuverkaufen.

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Sein Engagement bei den Berlinern erklärt Windhorst in der Mitteilung als beendet. „Nach reiflicher Überlegung und Auswertung der letzten drei Monate stellen wir leider fest, dass es keine Basis und keine Perspektive für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Tennor Group und Hertha BSC geben wird“, heißt es.

Skandal um Schmutzkampagne

Die in der Vergangenheit oftmals unruhige Kooperation zwischen Klub und Investor erreichte in den vergangenen Tagen ihren Tiefpunkt, nachdem die ‚Financial Times‘ einen Skandal enthüllt hatte, in dem Windhorst die Hauptrolle spielte.

Recherchen des Magazins zufolge hatte der 45-Jährige die israelische Detektei Shibumi Strategy Limited damit beauftragt, eine Schmutzkampagne gegen den ehemaligen Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer zu starten. Das Ziel des Vorhabens sei gewesen, Windhorsts Ansehen unter den Klubfans zu erhöhen und gleichzeitig Gegenbauer aus dem Amt zu drängen.

An die Öffentlichkeit gelangte Windhorsts Treiben, da die israelische Detektei aufgrund ausbleibender Zahlungen Klage gegen den Hertha-Investor eingereicht hat. Weil Gegenbauer im Mai 2022 zurückgetreten war, betrachtete Shibumi Strategy Limited ihre Aufgabe als erfüllt und verlangte Prämien, die zuvor vertraglich festgelegt worden seien. Gerichtsdokumente, die dies belegen, sollen der ‚Financial Times‘ vorliegen.

Windhorst bestreitet Vorwürfe

Windhorst und Tennor bestritten die Vorwürfe in der Folge öffentlich. Auch in seinem jüngsten Statement steht der Investor zu seiner Version der Dinge und kritisiert stattdessen den neuen Hertha-Präsidenten Kay Bernstein: „Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe über wesentliche Fragen der Entwicklung von Hertha BSC. Alle Entscheidungen der vergangenen drei Monate wurden mit Tennor als Mehrheitsgesellschafter weder besprochen noch abgestimmt.“

Und weiter: „Präsident Kay Bernstein ist erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert. Dies zeigt auch der aktuelle Fall der Debatte über eine angebliche Beauftragung der israelischen Agentur durch Tennor. Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen. Vielmehr hat der Präsident in einem Gespräch mit uns als Ziel seiner Aktivitäten den ‚Break‘ mit Tennor und Lars Windhorst benannt.“

Bevor er den Verkauf seiner Anteile anbietet, schließt Windhorst mit den Worten: „Unter diesen Voraussetzungen ist eine weitere Zusammenarbeit zum Wohle von Hertha BSC ausgeschlossen. Unsere wirtschaftlichen, aber auch die sportlichen Ziele sind so nicht zu erreichen, und damit ist die wesentliche Grundlage unseres Engagements für Hertha BSC zerstört.“

Kurz vor der Veröffentlichung von Windhorsts Statement berichtete ‚Der Spiegel‘ darüber, dass das Hertha-Präsidium in ihrer turnusmäßigen Sitzung über den Rauswurf des 45-Jährigen berate.

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