Die Wandervögel des Transfermarktes (4/4)
Veränderung schafft ungekannte Perspektiven, bietet neue Chancen, ist Ursache und Wirkung des Fortschritts. Soweit die Theorie. In der Praxis ist sie häufig nur Folge einer aus günstigen Rahmenbedingungen entstandenen Kurzschluss-Entscheidung, der es an Weitsicht und damit auch an Ertrag mangelt. Auf dem Transfermarkt können Wandervögel als personifizierte Kurzschluss-Entscheidungen gelten: Der schnelle und häufige Vereinswechsel als einfache, aber nur selten erfolgreiche Problemlösung.
FussballTransfers kennt sie, die Fußballprofis, bei denen das Suchen ohne Finden blieb.
Pierre Womé: Eines der schillerndsten Exemplare der Gattung der Wandervögel ist der Kameruner Pierre Womé. Seit 1994 stand der 31-Jährige bei sage und schreibe zwölf Vereinen unter Vertrag. Nachdem er 1996 den Sprung nach Europa wagte, spielte Womé die ersten drei Saisons bei drei unterschiedlichen Klubs in der Serie A. Von 1999 bis 2002 hieß sein Arbeitgeber FC Bologna, ehe wiederum eine vierjährige Periode mit jährlichen Vereinswechseln folgte.
Seit 2006 war der 67-malige Nationalspieler in der Bundesliga aktiv, zunächst zwei Jahre beim SV Werder Bremen, nach einem Zwist mit der medizinischen Abteilung der Grün-Weißen seit 2008 beim 1. FC Köln. Dort war er wie bei fast allen seine Stationen umstritten und erhielt nach Ablauf der vergangenen Saison keinen neuen Vertrag mehr.
Womé gilt als ballsicherer Spieler mit Hang zum Leichtsinn. Nach einem verschossenen Elfmeter, der die WM-Qualifikation 2006 mit Kamerun bedeutet hätte, sah er sich sogar Morddrohungen seiner Landsleute ausgesetzt.
Jan Šimák: Ein Supertalent mit enormer Fallhöhe: Jan Šimák. Er galt als die Zukunft des tschechischen Fußballs, als er 2000 zum damaligen Zweitligisten Hannover 96 wechselte. Dank seiner Tore und Vorlagen schaffte ‚96‘ den Aufstieg in die Bundesliga. Šimák wurde daraufhin für 6,5 Millionen Euro von Bayer Leverkusen verpflichtet. Dort ereilte das Talent jedoch der Karriereknick mit brutaler Härte.
Šimák, der sich bei Bayer in einer schwierigen Saison nach drei verpassten Titeln nicht zurechtfand, fiel zunehmend durch private Schlagzeilen und Eskapaden auf. Nach einer erneuten Leihe nach Hannover musste der Tscheche sich wegen Alkoholproblemen und Depressionen behandeln lassen.
Nach einer Rückkehr in die Heimat zu Sparta Prag und einer stationären Behandlung versuchte der mittlerweile 31-Jährige ein Comeback in Deutschland bei Carl Zeiss Jena. Mit stabilen Leistungen empfahl er sich wieder für die Bundesliga, wo er seitdem zunächst für den VfB Stuttgart, seit 2010 für Mainz 05 spielt.
Juan Pablo Sorín: Mittlerweile hat der Argentinier seine Karriere beendet, doch auch Sorín gehörte stets zu den veränderungsfreudigen Akteuren im Weltfußball. Im Laufe seiner 15-jährigen Profikarriere schnürte der Linksverteidiger mit der Löwenmähne für elf Vereine die Schuhe.
Nachdem ein erstes Gastspiel bei Juventus Turin 1995/1996 erfolglos blieb, wechselte Sorín zurück nach Argentinien zu River Plate Buenos Aires, wo er zu einem der besten Verteidiger der Liga reifte. Ein zweijähriges Gastspiel bei Cruzeiro Belo Horizonte läutete eine Europa-Tour ein: Lazio Rom, FC Barcelona, Paris St.-Germain sowie der FC Villarreal nahmen den langjährigen Nationalmannschaftskapitän jeweils nur kurz unter Vertrag, ehe der Hamburger SV den Argentinier verpflichtete.
Dort kam Sorín verletzungsbedingt auch nur zu 24 Einsätzen in zwei Jahren. Seine Verletzungen zwangen ihn auch letztlich zum Ende seiner bewegten Karriere.
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