Die Entwicklung von Borussia Dortmund in dieser Saison gleicht einer Achterbahnfahrt. Zunächst lag der Dortmunder Anhang dem Niederländer Peter Bosz zu Füßen, doch nur knapp zwei Monate später mussten die Verantwortlichen an der Strobelallee die Reißleine ziehen. Aus den vergangenen 13 Pflichtspielen holte die Borussia lediglich einen Sieg im DFB-Pokal beim 1. FC Magdeburg.

Über Stabilität zum Erfolg

Am Sonntag nach der Niederlage gegen Werder Bremen (1:2) trennte sich der BVB dann offiziell von Bosz. Noch am selben Tag installierte man Peter Stöger. Der Österreicher hatte erst zu Beginn der Woche sein Mandat beim 1. FC Köln verloren. Er hat nun die schwierige Aufgabe, noch in diesem Jahr die Wende bei den Dortmundern einzuleiten. Der 51-Jährige Coach tritt im Signal Iduna Park seine siebte Station als hauptverantwortlicher Mann an der Seitenlinie an.

Doch wie agierte der Trainer Stöger bisher? Der sympathische Trainer baut auf den Säulen Selbstvertrauen, Stabilität und Ehrgeiz ein neues Selbstverständnis und Vertrauen bei seinen Mannschaften auf. Grade hier wird er vieles wieder auf den Weg bringen müssen, was in den vergangenen Wochen an der Ruhr versandet ist. Doch mit Marco Reus, Mario Götze, Lukasz Piszczek, Maximilian Philipp, Gonzalo Castro, Sebastian Rode, Erik Durm und Jacob Bruun Larsen fehlen ihm in dieser wichtigen Phase gleich acht wichtige und weniger wichtige Akteure.

Wie lässt Stöger spielen?

Dass Stöger auch bei der Systemfrage mit viel Überzeugung arbeiten muss, ist klar. Schließlich wurde Bosz auch dessen Starrköpfigkeit zum Verhängnis. Schlüsse, wie der neue BVB-Coach sein Team ausrichten könnte, lassen sich aus seiner bisherigen Arbeit in Köln und zuvor bei Austria Wien ziehen. Bei beiden Stationen hatte Stöger schnell großen Erfolg. Er analysiert seine Kader schnell und scharf. Dass André Schürrle und Jadon Sancho nicht mit nach Mainz reisen, könnte da schon ein erster Fingerzeig sein.

Der österreichische Ansatz

In der österreichischen Hauptstadt ließ er in der Regel eine Mischform aus 4-4-2 und 4-3-3 spielen. Sein Fußball dort war offensiv geprägt. Der Fokus lag auf einer stabilen und sauberen Defensivleistung und klugen Umschalt- sowie Pressingmomenten. Hervorstechende Merkmale seiner Wiener Zeit waren zudem die sehr aktiven Außenverteidiger, ein kluges Aufbauspiel im zentralen Bereich und eine klare Arbeitsteilung der Offensive.

Im Austria Wien-Ansatz könnten sich die Borussen in den nächsten Spielen daran orientieren, dass Shinji Kagawa einen Wechsel zwischen den beiden Systemen möglich macht. Ömer Toprak und Sokratis stünden für den Ansatz, den Spielaufbau aus dem defensiven Mittelfeld zu organisieren. Julian Weigl rutscht dabei wieder in seine Paraderolle. Die Außenverteidiger schaffen Breite, damit Christian Pulisic und Andriy Yarmolenko freie Rollen übernehmen können.

Kölner Flexibilität

Beim 1. FC Köln zeigte sich Stöger flexibler, um sich den Stärken seines Kaders und den Ausrichtungen seiner Gegner anzupassen. War die Viererkette zunächst Kölner Standard, stellte der ehemalige Nationalspieler gerade in der erfolgreichen vergangenen Saison häufig auf Dreierkette um. Der Fokus lag auf einem penetranten Flügelspiel mit Flanken, häufig auch aus dem Halbfeld. Die Organisation auf dem Feld fiel starken Persönlichkeiten zu. In Anthony Modeste wurde einem Stürmer zugespielt, der für Wohl oder Wehe der Ergebnisse verantwortlich war.

Orientiert sich der neue Mann bei den Dortmundern also an seiner bisherigen Bundesligazeit, wird eine Formation wahrscheinlich, die sich an Folgendem anlehnt: Hauptverantwortlich für den Ballvortrag sind die zentralen Nuri Sahin und Marc Batra. Drei Innenverteidiger geben den Außen die Möglichkeit, wechselseitig an den Angriffen teilzunehmen. Mit Kagawa und Mahmoud Dahoud stünden zwei ballsichere Achter parat, um Ballbesitz in der vorletzten Linie zu schaffen. Pulisic käme derweil die Rolle von Yuya Osako zu.