Leon Goretzkas Vertrag beim FC Schalke 04 läuft im kommenden Sommer aus. Er allein bestimmt, wohin die Reise gehen wird. Daran, dass der Nationalspieler noch keine Entscheidung gefällt hat, kann man erahnen: Es ist schon jetzt einer der wichtigsten Momente in Goretzkas Karriere. Bleibt er der Bundesliga und vielleicht sogar den Schalkern erhalten, könnte der 22-Jährige auf dem besten Weg zu einer Klub-Legende werden. Doch wohin passt der dynamische Mittelfeldspieler mit seiner Spielweise? Die Interessenten stehen Schlange, um Goretzka verpflichten zu können. FT beleuchtet die vier Optionen.

FC Schalke 04: Ein Verbleib bei seinem aktuellen Klub würde Goretzka einen Stammplatz in den nächsten Jahren garantieren. Er hätte die halbrechte, offensive Mittelfeldposition sicher, die er auch unter Jogi Löw in der Nationalelf bekleidet. Zudem wäre er das Gesicht der Gelsenkirchener und müsste sich über seine Reputation bei den Fans keine Gedanken machen.

Die Schalker ihrerseits wären wohl heilfroh, mit dem Aushängeschild der Mannschaft verlängern zu können. Zum einen, weil er allein in vielen Spielen den Unterschied ausmachen kann. Zum anderen, weil die Westfalen damit einen ablösefreien Abgang Goretzkas, also einen finanziellen GAU, verhindern würden. Er hätte in den kommenden Jahren alle Freiheiten und die Fäden auf dem Spielfeld in der Hand.

FC Bayern München: Hier würde Goretzka auf viele Kollegen aus der Nationalelf treffen. Eine lange Eingewöhnungszeit wäre daher nicht zu erwarten. Auch der Einstand von Niklas Süle und Sebastian Rudy, die beide ebenfalls vor ihrem Wechsel zum FCB noch nie bei einem Spitzenklub unter Vertrag standen, könnten Schalkes Nummer acht Mut machen. Goretzka ist ehrgeizig genug, um sich den Sprung zu den Bayern zuzutrauen. Allerdings steht bislang noch nicht fest, welchen Trainer der Rekordmeister im Sommer 2018 verpflichtet.

Die Süddeutschen sind wieder vermehrt auf der Suche nach deutschen Profis mit genug Qualität, um hohe Ziele zu erreichen. Zwar ist es weiterhin oberste Pflicht, international Konkurrenzfähig zu bleiben, aber identitätsstiftende Spieler sollen vermehrt verpflichtet werden. Sollte sich der FCB mit einem neuen Trainer einigen, werden die Planungen für 2018 schnell in Angriff genommen. Goretzka könnte als ablösefreier Nationalspieler eine zentrale Rolle hierbei spielen. Eine Position im Mittelfeld ist aktuell aber nicht frei.

FC Barcelona: Im 4-3-3-System von Ernesto Valverde könnte der ehemalige Bochumer eine der Achter-Positionen einnehmen. Es ist Goretzkas Paraderolle. Doch die Konkurrenz für den Deutschen wäre groß. Altmeister Andrés Iniesta, der Kroate Ivan Rakitic, Neuzugang Paulinho und Eigengewächs Denis Suárez sind nur einige der Anwärter für das zentrale Mittelfeld. Goretzka muss die Entscheidung treffen, ob er einen gesteigerten Konkurrenzkampf und die neue Umgebung im Ausland auf einmal meistern kann. Zudem spielt er deutlich gradliniger als es der klassische Barça-Stil normalerweise zulässt.

Die Katalanen scheinen ihrerseits gesteigertes Interesse an dem Nationalspieler zu haben. Ein Generationswechsel muss eingeleitet werden. Die zurückliegenden Transfers von Barcelona saßen nur bedingt. Da könnte der Gratis-Wechsel des Schalkers grade recht kommen. Entscheiden sich die Macher zu einer Anpassung ihres Fußballs, weg vom Kurzpassspiel, ist eine Verpflichtung Goretzkas ein Muss. Die Mischung aus Robustheit und Torgefährlichkeit gibt es im Mittelfeld von Barcelona so derzeit nicht.

Manchester United: Dass Leon Goretzka eine Vorliebe für den englischen Fußball hegt, ist ein offenes Geheimnis. Manchester stellt bei diesem Wunsch die wahrscheinlichste Möglichkeit da. Wie sehr sein Spiel zum Fußball der Premier League passt, würde ein Wechsel zeigen. Aber die gradlinigen Läufe mit Ball und seine Abschlussstärke sind Attribute, die die Engländer lieben. Es gäbe keine Sprachbarriere, doch die Konkurrenz um Paul Pogba, Nemanja Matic, Henrikh Mkhitaryan und Juan Mata scheint übermächtig.

Die Red Devils haben mit Pogba lediglich einen zentralen Mittelfeldspieler in ihrem Kader, der unter 25 Jahre alt ist. Aktuell ist das Team unter Trainer José Mourinho erfolgreich, doch auch für die Zukunft möchten die Engländer gut aufgestellt sein. Ein junger, ablösefreier Spieler wie Goretzka stellt dabei eine der interessantesten Varianten dar. Mourinho hat mit Deutschen schon gute Erfahrungen gemacht. Er holte Mesut Özil und Sami Khedira zu Real Madrid und arbeite sehr erfolgreich mit ihnen zusammen.

Sicherer Stammplatz oder riskante Entscheidung?

Der FC Schalke 04 würde für Leon Goretzka der sichere Weg sein. Er weiß, woran er ist, aber sein Ehrgeiz passt nicht ganz zu einer Vertragsverlängerung. Mit dem FC Bayern ist auch das nationale Aushängeschild interessiert. Goretzka hat die Fähigkeiten, um sich doch durchzusetzen, es muss jedoch abgewartet werden, wer neue Bayern-Trainer wird.

Im Ausland weiß man ebenfalls um seine Möglichkeiten. Der FC Barcelona würde allerdings nur bedingt zu der Spielweise des Spielers passen. Deutlich sinnvoller erscheint da der Sprung auf die Insel. Bei Manchester United sind für den Gelsenkirchener aufgrund seiner Spielweise wenig Anpassungsschwierigkeiten zu erwarten. Zudem wirkt Goretzka schon sehr reif. Ein Wechsel zu den Engländern wäre daher wohl am interessantesten.