Aufstiegskandidat Brentford: Kleines Geld, große Wirkung

Vier Punkte fehlten dem FC Brentford schlussendlich zum direkten Aufstieg in die Premier League. Nun entscheidet es sich in den Playoffs, ob dem Zweitligist der Sprung in die oberste Liga gelingt. Das vom Klub betriebene Moneyball-Prinzip darf sich dann mit Englands Elite messen.

Löst Ivan Toney (l.) Ollie Watkins als Rekordverkauf ab?
Löst Ivan Toney (l.) Ollie Watkins als Rekordverkauf ab? ©Maxppp

Statistiken, Mathematik und innovatives Scouting – das aus dem Baseball stammende Moneyball-Prinzip findet seit einigen Jahren auch im Fußball Anklang. Initiator der Bewegung ist der 37-jährige Rasmus Ankersen, der das neumodische Konzept erst beim dänischen Verein FC Midtjylland und später beim FC Brentford etablierte.

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Mit Hilfe der Methode versuchen Vereine, sich trotz eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten, einen sportlichen Vorteil zu erarbeiten. Aufgrund von Statistiken und Datenanalysen werden Spieler, welche bei größeren Teams gegebenenfalls durchs Raster fallen, für relativ kleines Geld verpflichtet. So können bei einem Stürmer unter anderem die Abschlussquote, die Schusspositionen oder auch die Laufwege auf dessen Qualitäten hinweisen.

Dass Spieler aufgrund von Statistiken und Analysen bewertet werden, ist bei Weitem nichts Neues. Bei der Moneyball-Methode wird zudem aber jegliche emotionale Komponente weggelassen und Entscheidungen auf rein wissenschaftlicher Basis gefällt. Brentford beweist seit Jahren eindrucksvoll, wie eben jene Spieler gefunden und eingesetzt werden.

Maupay, Watkins, Toney

Seit 2014 spielen die Westlondoner in Englands zweiter Liga und erreichten direkt im ersten Jahr als Fünfter den Sprung in die Playoffs. Aus einem Aufstieg ins englische Oberhaus wurde bis heute jedoch nichts. Dass der Verein seine Leistungsträger an die kaufkräftigeren Premier League-Teams verliert, ist die logische Konsequenz.

Vor allem auf der Stürmerposition zaubert Brentford seit Jahren einen Volltreffer nach dem anderen aus dem Hut. 2018 und 2019 war Neal Maupay (24) der Toptorschütze der Bees, bevor er mit einem Gewinn von 20 Millionen Euro an Brighton & Hove Albion verkauft wurde. Ähnliches ereignete sich mit seinem Nachfolger Ollie Watkins (25), der drei Jahre nach seinem Transfer für sieben Millionen Euro im vergangenen Sommer für 34 Millionen Euro zu Aston Villa wechselte.

In die Fußstapfen trat Ivan Toney von Peterborough United. Der Torschützenkönig der dritten Liga, der einst bei Newcastle United durchs Raster fiel, heuerte für knapp sechs Millionen Euro an. In 45 Ligaspielen erzielte der 25-Jährige seither stolze 31 Tore und steuerte zudem zehn Vorlagen bei.

Ein neuer Torrekord, der auch den Vereinen aus der Premier League nicht entgangen ist. West Ham United und Leicester City haben bereits ihre Fühler ausgestreckt. Brentford fordert laut englischen Medien eine Ablöse von umgerechnet 40 Millionen Euro.

Aufstieg oder erneute Abgänge?

Auf Brentford wartet am heutigen Montagabend im Playoff-Halbfinale der Sechstplatzierte AFC Bournemouth. Es geht um den Einzug ins Finale und die Chance auf Premier League-Fußball. Die Formkurve spricht klar für das Team von Thomas Frank, denn seit mittlerweile zwölf Spielen ist Brentford ungeschlagen.

Dass sich die Bees auch mit Vereinen aus der ersten Liga messen können, haben sie diese Saison bereits eindrücklich nachgewiesen. Auf dem Weg ins Halbfinale des EFL Cups schaltete man mit dem FC Southampton, West Brom, dem FC Fulham und Newcastle vier höherklassige Vereine aus. Erst Finalist Tottenham Hotspur (0:2) konnte den FC Brentford stoppen.

Schafft es der Verein erneut nicht aufzusteigen, so drohen weitere Abgänge. Spieler wie ebenjener Toney, Rechtsaußen Bryan Mbeumo (21) oder auch Mittelfeldakteur Josh Dasilva (22) könnten dann bei anderen Vereinen in der Premier League anheuern. Im Zweifelsfall wird man aber wohl clevere und günstige Ersatzspieler finden. Moneyball sei Dank.

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