Jagd auf die reichen Geier | Pérez & Agnelli im Kreuzfeuer

Nach dem Ärger ist vor dem Ärger. Während die Erleichterung über das Aus der Super League am gestrigen Mittwoch weltweit zu hören war, folgen heute Rufe nach Konsequenzen für die Übeltäter. Sogar ein Rücktritt von Juventus-Boss Andrea Agnelli wird gefordert. FT wirft den täglichen Blick in die internationalen Sportzeitungen.

Die Presseschau vom 22. April
Die Presseschau vom 22. April ©Maxppp

England sucht den Superschuldigen

Die Nachwirkungen des Super League-Fiaskos hallen auch noch am heutigen Donnerstag in den Sportzeitungen nach. Nachdem die ersten Jubelrufe abgeklungen sind, gehen die Gazetten auf Konfrontation mit den Klubbesitzern. Besonders in England, wo die Big Six einen tiefen Graben zwischen sich und den Rest der Liga gerissen haben. „Wir können Ihnen nie wieder vertrauen“, schreibt der ‚Daily Mirror‘ und fordert: „Die Reichen Premier League-Geier müssen gehen“. Auch der ‚Guardian‘ spricht sich gegen eine Rückkehr zum Tagesgeschäft aus: „Die Schuldigen müssen bestraft werden“. Die ‚Daily Mail‘ knüpft sich in einem großen Artikel jeden Besitzer einzeln vor, muss sich aber auch eingestehen, dass „diese bedauerlichen Scharlatane nirgendwo hingehen werden“. Als Inspiration für die Zukunft wird zudem die in Deutschland bestehende 50+1-Regel unter die Lupe genommen.

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Pérez im Visier

In Spanien richtet sich die Empörung vor allem gegen Real Madrids Präsidenten Florentino Pérez, der nach wie vor an die Super League glaubt. Die ‚Sport‘ titelt groß mit „Superfehler“ und prangert an, dass Real und der FC Barcelona weiterhin die Einführung der Eliteliga unterstützen. Bei der ‚Mundo Deportivo‘ erstreckt sich „der Zusammenbruch“ über mehrere Seiten Berichterstattung. Dabei weist die katalanische Sportzeitung darauf hin, dass Barça und Real noch nicht aufgegeben haben. Die ‚as‘ macht ihre Ausgabe mit dem Statement von Pérez auf, dass die Super League „noch nicht gestorben“ sei. Die Super League ist tot, lang lebe die Super League.

Agnelli wackelt

Das italienische Äquivalent zum Feindbild Pérez ist Juventus-Boss Andrea Agnelli. „Es ist die totale Kapitulation, aber Agnelli verteidigt das Projekt“, klagt ‚Il Romanista‘. Die ‚Gazzetta dello Sport‘ titelt mit dem „Rätsel Agnelli“. Das Oberhaupt der Bianconeri ist „in Italien und Europa isoliert“ und seine Zukunft als Chef sei „so ungewiss wie eh und je“. Gut möglich, dass der 45-Jährige nach dem spektakulären Scheitern seinen Hut bei Juve nehmen muss. Zum nationalen Feindbild hat sich Agnelli ohnehin aufgeschwungen. Ein in Rom verbreitetes Graffiti zeigt Agnelli dabei, wie er ein Messer in einen Fußball rammt. Die Rollen von Inter und dem AC Mailand rücken in der Berichterstattung dagegen fast schon in den Hintergrund. Lediglich von „Flops und Spannungen“ ist die Rede.

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