Im europäischen Fußball steigen die Ausgaben für neue Spieler seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Einige Topvereine investieren inzwischen innerhalb einer Transferperiode hunderte von Millionen in Transfers. Doch abseits der Investitionen in Topspieler legen viele Vereine immer mehr den Fokus auf die Förderung von Youngsters aus dem eigenen Stall. Deren Ausbildung und Eingliederung in den Profibereich sowie der Weiterverkauf sind inzwischen ein Geschäftsmodell, mit dem Vereine sowohl langfristig ihre Existenz sichern als auch große Gewinne einfahren.

Diesbezüglich hat die Analyse-Seite ‚CIES Football Observatory‘ eine Studie erstellt, die sich damit beschäftigt, welcher Verein die meisten Spieler herausgebracht hat, die momentan in den fünf europäischen Top-Ligen aktiv sind (Premier League, La Liga, Serie A, Bundesliga und Ligue 1). Zusätzlich wird differenziert, ob der Spieler immer noch bei seinem Heimat-Klub spielt (im Verein) oder ob er inzwischen bei einem anderen Verein unter Vertrag steht (außerhalb). Nur ein deutscher Klub schafft es dabei unter die Top20.

Das Ranking

Platz 1: Real Madrid / Insgesamt: 41 / Im Verein 7 / Außerhalb 34
Real Madrid, das sich selbst als größter Klub der Welt betitelt, landet auch in dieser Kategorie auf Platz eins. Kein anderer Verein hat mehr Spieler aus der eigenen Jugend entweder im eigenen Kader oder bei einem anderen Verein aus den Top5-Ligen. Der fünfmalige Welttorhüter Iker Casillas beispielsweise, inzwischen beim FC Porto aktiv, stammt aus der Jugend von Real und schnürte 16 Jahre lang die Schuhe für die Königlichen. Mit Daniel Carvajal und Álvaro Morata spielen momentan zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs regelmäßig für den Klub aus der spanischen Hauptstadt.

Platz 2: FC Barcelona / Insgesamt: 37 / Im Verein: 7 / Außerhalb: 30
Die Nachwuchsakademie des FC Barcelonas La Masia ist weltbekannt. Die eigenen Jugendspieler zu entwickeln, zu formen und letztendlich in die Profimannschaft zu integrieren stellt einen Grundpfeiler in der Barça-Philosophie dar. Mit Andrès Iniesta, Gerrard Piqué, Sergio Busquets und Lionel Messi besteht die Startelf der Katalanen regelmäßig aus vier Spielern der eigenen Jugend.

Platz 3: Manchester United /Insgesamt: 34 / Im Verein: 6 / Außerhalb: 28
Manchester United wird in deutschen Medien gerne auf den Verein reduziert, der mit horrenden Ablösesummen um sich schmeißt und nur Topspieler kauft. Dabei hat United eine weltberühmte Jugendakademie, die schon absolute Topspieler herausgebracht hat. David Beckham, einer der wohl schillerndsten Namen des Weltfußballs, kennt jedes Kind. Aktuell stehen mit Marcus Rashford, Jesse Lingard und Paul Pogba, für dessen Rückholaktion ManU zuletzt den Ablöserekord brach, drei Spieler aus dem eigenen Stall regelmäßig in der ersten Elf.

Platz 4: Olympique Lyon /Insgesamt: 29 / Im Verein: 12 / Außerhalb: 17
Auch wenn Lyon seine Vorherrschaft in der Ligue 1 an Paris St. Germain abtreten musste, ist der Klub noch immer führend in Frankreich, was Jugendarbeit betrifft. Mit Karim Benzema hat OL einen Stürmer von Weltklasseformat herausgebracht. Mit Alexandre Lacazette wird sich wohl bald der nächste große Name auf dieser Position einem europäischen Topverein anschließen.

Platz 5: Athletic Bilbao / Insgesamt: 25 / Im Verein: 17 / Außerhalb: 8
Athletic steht für die Politik, nur Spieler einzusetzen, die entweder aus den baskischen Provinzen stammen oder in der Jugend eines Fußballklubs aus diesen ausgebildet wurden. Kein Verein auf der Welt beheimatet momentan mehr Spieler, die in den Top5-Ligen aktiv sind. Mit Fernando Llorente und Ander Herrera stammen zudem zwei international renommierte Spieler aus der Jugendschmiede der Basken.

Platz 5: Real Sociedad /Insgesamt: 25 / Im Verein: 16 / Außerhalb: 9
Beim zweiten Klub aus dem Baskenland spielen momentan 16 Spieler aus der eigenen Jugend, was Platz zwei in dieser Kategorie bedeutet . Mit Xabi Alonso und Antoine Griezmann hat der Klub auch absolute Topspieler herausgebracht, die zur Spitze des Weltfußballs gehören.

Platz 7: AS Rom / Insgesamt: 24 / Im Verein: 3 / Außerhalb: 21
Nur drei Spieler aus der eigenen Jugend kicken noch im Verein. Dafür sind diese wahrlich Legenden des Fußballs. Francesco Totti und Daniele De Rossi spielen schon ihr ganzes Leben für die Roma und werden in dem Klub wohl auch ihre Karriere beenden.

Platz 8: FC Arsenal /Insgesamt: 22 / Im Verein:/ 9 Außerhalb: 13
Arsène Wenger, der seit 1996 das Traineramt der Gunners bekleidet, ist bekannt für seine Vorliebe, mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu arbeiten. Prominente Akteure aus dem eigenen Stall sind Jack Wilshere oder Cesc Fàbregas.

Platz 8: AS Monaco / Insgesamt: 22 / Im Verein: 5 / Außerhalb: 17
Die AS Monaco ist insbesondere in den letzten Jahren in die Schlagzeilen geraten, als sie riesige Summen für Topspieler investierte wie Radamel Falcao oder James Rodriguez. Aber Monaco hat auf der anderen Seite schon immer große Spieler aus dem eigenen Nachwuchs herausgebracht. Früher war es Thierry Henry, zuletzt Anthony Martial, der 2015 für 50 Millionen zu Manchester United weiterverkauft wurde.

Platz 8: FC Stade Rennes / Insgesamt: 22 / Im Verein: 4 / Außerhalb: 18
Die Jugendakademie von Rennes gilt als eine der besten der Welt. In der Vergangenheit hat der Verein große Namen herausgebracht wie Sylvain Wiltord oder Yoann Gourcuff. Osmane Dembélé, der im Trikot von Borussia Dortmund momentan das Interesse sämtlicher Topvereine auf sich zieht, stammt ebenfalls vom Verein aus der Bretagne.

Platz 20: FC Bayern München / Insgesamt: 18 / Im Verein: 5 / Außerhalb: 13
Die Grundphilosophie des FCB skizziert die Zwei-Säulen-Strategie. Diese sieht vor, auf der einen Seite fertige Topspieler zu verpflichten und auf der anderen Seite, auf den eigenen Nachwuchs zu bauen. Inzwischen ist es aber lang her, dass ein Spieler aus der FCB-Jugend dauerhaft den Sprung in den Profikader schaffte. Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos, einst Aushängeschilder für die Nachwuchsförderung, sind inzwischen verkauft. Zurzeit stehen regelmäßig Thomas Müller, Philipp Lahm, David Alaba und Mats Hummels in der Startelf der Münchner.

Platz 25: Bayer Leverkusen / Insgesamt: 16 / Im Verein: 4 / Außerhalb: 12
Als zweitbester deutscher Verein positioniert sich die Werkself. Eines der Aushängeschilder der Leverkusener Jugendarbeit ist Ex-Nationaltorhüter René Adler, der inzwischen für den HSV seine Stiefel schnürt. Kevin Kampl, Christoph Kramer und der frischgebackene Fritz-Walter-Medaillen-Gewinner Benjamin Henrichs stammen ebenfalls aus der Nachwuchsakademie der Leverkusener.

Platz 30: 1860 München / Insgesamt: 15 / Im Verein: 0 / Außerhalb: 15
Der Münchner Traditionsverein ist der bestplatzierte Zweitligist in der Liste. Von den 15 Spielern, die die Löwen herausgebracht haben, spielt aufgrund von finanziellen Nöten kein Einziger mehr im eigenen Verein. Kevin Volland, die Bender-Zwillinge oder zuletzt Julian Weigl begannen ihre Karriere in Giesing.

Platz 33: VfB Stuttgart / Insgesamt: 14 / Im Verein: 0 / Außerhalb: 14
Ebenfalls in der zweiten Liga spielt inzwischen der VfB Stuttgart. Die Nachwuchsakademie der Schwaben ist bekannt für ihre hervorragende Qualität. Mario Gómez, Sami Khedira und Bernd Leno sind nur ein paar der bekannteren Akteure. Zuletzt wechselte das Sturmtalent Timo Werner aus der eigenen Jugend für eine zweistellige Millionen-Ablösesumme nach Leipzig.

Platz 37: Schalke 04 / Insgesamt: 13 / Im Verein: 4 /Außerhalb: 9
Die Knappen-Schmiede liefert kontinuierlich Spieler, die ihren Weg in das Profiteam schaffen. Prominentester Name ist Welttorhüter Manuel Neuer, der inzwischen beim FC Bayern im Tor steht. Genannt seien auch Julian Draxler und Leroy Sané. Mit Max Meyer, Ralf Fährmann, Sead Kolasinac, Benedikt Höwedes spielen vier Spieler aus der eigenen Jugend regelmäßig für den Klub aus dem Ruhrpott.

Platz 37: SC Freiburg / Insgesamt: 13 / Im Verein: 3 / Außerhalb: 10
Ebenso viele Spieler wie Schalke 04 hat der Sportclub aus Freiburg herausgebracht, die in den fünf europäischen Top-Ligen spielen. Ömer Toprak ist unter anderem der Jugendakademie von den Breisgauern entsprungen.

Platz 45: 1. FC Köln / Insgesamt: 12 / Im Verein: 6 / Außerhalb: 6
Auch die Kölner haben es in das Ranking geschafft. Olympia-Silbermedaillen- Gewinner Timo Horn stammt aus der Jugend des Effzeh. Prominentester Filius der Jugendarbeit ist Lukas Podolski.

Platz 50: Borussia Mönchengladbach / Insgesamt: 11 / Im Verein :5 / Außerhalb: 6
Borussia Mönchengladbachs sportlicher Aufstieg in die Spitze des deutschen Fußballs in den letzten Jahren war außergewöhnlich. Ein großer Erfolgsfaktor war dabei die hervorragende Jugendarbeit. Mit Marc-André ter Stegen, Patrick Herrmann und Mo Dahoud, der inzwischen von sämtlichen großen Klubs beobachtet wird, stammen wichtige Säulen aus der eigenen Jugend.

Platz 50: Hamburger SV / Insgesamt: 11 / Im Verein: 0 / Außerhalb: 11
Obwohl der HSV zuletzt sportlich durchgehend negative Schlagzeilen geschrieben hat, besitzt die Jugendabteilung einen guten Ruf. Viele einstige Talente wurden aufgrund von finanziellen Gründen früh verkauft oder schlichtweg verkannt, was ihre Eignung für den Profibereich betrifft. Heung-Min Son oder der jetzt in Leverkusen aufblühende Jonathan Tah stammen aus dem Nachwuchsbereich der Rothosen.