Die Null muss stehen“, lautete jahrelang das Credo von Kult-Trainer Huub Stevens beim FC Schalke 04. Mit dem Niederländer feierten die ‚Königsblauen‘ 1997 den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte, als er mit den ‚Euro-Fightern‘ Inter Mailand schlug und den UEFA-Cup nach Gelsenkirchen holte. Kampf, Leidenschaft und eine starke Defensive prägten damals das Spiel von S04. Doch so erfolgreich der Fußball unter dem heute 60-Jährigen auch gewesen sein mag, attraktiv und offensiv war er nie.

Ähnlich wie Stevens gilt auch der neue Trainer Roberto Di Matteo seit seiner Zeit beim FC Chelsea als eiserner Defensiv-Fanatiker. Als Spieler zog der gebürtige Schweizer in der Mittelfeld-Zentrale die Fäden, als Trainer lässt er Beton anrühren. Allerdings gab auch ihm der Erfolg mehr als Recht. So holte der 44-Jährige in seiner achtmonatigen Amtszeit als Interims-/Cheftrainer keinen geringeren Titel als die Champions League an die Stamford Bridge, was zuvor nicht einmal Effizienz-Meister José Mourinho gelungen war.

Bodenloser Destruktivismus?

Insbesondere die Bayern werden sich nur allzu schmerzhaft an die Final-Niederlage ‚dahoam‘ in München erinnern. Nahezu bodenlos destruktiv auftretende Londoner verriegelten 83 Minuten lang hermetisch den eigenen Kasten, ohne ansatzweise selbst am Spiel teilnehmen zu wollen. Thomas Müller durchbrach schließlich den Beton, jedoch egalisierte Didier Drogba kurz vor Schluss. Im Elfmeterschießen triumphierte Chelsea und wurde für diese defensive Meisterleistung mit dem Sieg in der Königsklasse belohnt.

Zuvor hatten die ‚Blues‘ sich schon mit einem 1:0 in London und einem 2:2 im Camp Nou im Halbfinale eine Runde weiter gemogelt. Auch gegen die Katalanen trat man enorm passiv auf. Aber auch hier gab der Erfolg dem Trainer letztlich Recht. Unmittelbar nach dem Gewinn der Champions League wurde Di Matteo nicht etwa beglückwünscht, sondern kritisch beäugt: „Ihr Stil ist erfolgreich – finden Sie ihn auch schön?“, fragte ein Reporter den Coach. Der perfekt Deutsch sprechende Italiener wandte sich ab und ging. Verständlich, nachdem er just den Henkelpott gewonnen hatte. Gleichzeitig zeigt die Reaktion aber auch, dass ihm die unattraktive Spielweise seines Teams bewusst war, er aber keinerlei Lust hatte, sich dafür zu rechtfertigen.

Fußball ist ein Ergebnissport – keine Kunstform

Fußballerische Leckerbissen dürfen die Fans von Schalke 04 zeitnah daher wohl eher nicht erwarten. Jubeln wird man aber ganz sicher auch über knappe Siege. Kann Di Matteo den Erfolg nach Gelsenkirchen bringen, würde das gesamte Umfeld ein unattraktives Spiel sicherlich wohlwollend in Kauf nehmen. Gewinnt er nicht, könnte insbesondere bei schnöder Spielweise der ‚Knappen‘ schnell Schluss sein.

Dennoch dürfen auf der kommerzialisierten Fußballbühne am Ende nicht der Eventgedanke und die erquickende Unterhaltung des Zuschauers über dem eigentlichen Sinn des Spiels stehen – dem Gewinnen. Letztlich ist und bleibt Fußball nun einmal ein Ergebnissport. Und wo sind die Emotionen größer? Bei einem sicheren, traumhaft herausgespielten 5:0 oder bei einem hart erkämpften 1:0-Sieg, bei dem man auf der Tribüne bis zur letzten Sekunde wie Espenlaub zittern musste?